Giovanni & Senta - Nur die Liebe zählt
von
Tina
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Dies ist eine von mir frei erfundene Liebesgeschichte. Ich wollte unbedingt mal eine Geschichte
über zwei Menschen schreiben, die nicht in einer heilen Welt leben, wie es in Liebesromanen oft der Fall ist. Ich glaube auch, dass es mir gelungen ist.
Ein laues Lüftchen wehte dem jungen Italiener entgegen, als er die Schiebetür zum Balkon öffnete. Jeden Morgen, wenn das Wetter es zuließ, schob er sich in seinem Rollstuhl zum Logenplatz auf seinem Balkon, um zu frühstücken und dabei die Leute auf der Straße zu beobachten. Seit dem Motorradunfall, den er vor zwei Jahren hatte, war dies eine der wenigen Beschäftigungen, für die er sich noch begeistern konnte.
Giovanni wohnte im Paterrebereich eines einfachen Miethauses. Er war froh, dass er seine Wohnung trotz Handicap weiter bewohnen konnte, denn das Haus war behindertengerecht gebaut worden. Sein Fotoatellier, das er sich aufgebaut hatte, musste er nach dem Unfall aufgeben, nur die Leidenschaft für's Fotografieren war ihm geblieben. Manchmal, wenn das Wetter schön war, traute er sich mit seiner Digitalkamera nach draußen um ein paar Landschaftsaufnahmen zu machen. Auch heute war so ein Tag und gegen Mittag fuhr er zum angrenzenden Park hinüber.
Giovanni hasste seinen elektrischen Rollstuhl, aber er war auf ihn angewiesen. Sein Schicksal hatte ihn mürbe gemacht und er hatte durch seine kratzbürstige Art schon so manche Frau in die Flucht geschlagen. Seiner Meinung nach hatten die Frauen, die er nach seinem Unfall kennen lernte, nur Mitleid mit ihm und das konnte er nun gar nicht gebrauchen. Auch seine übermäßig besorgte Freundin Louisa trennte sich damals von ihm, nachdem Giovanni sie deutlich spüren ließ, dass er es leid war, verhätschelt zu werden.
Giovannis Eltern lebten in Italien und Geschwister hatte er keine. Also musste er selbst sehen, wie er zurechtkam und er wollte niemals mehr auf irgendeinen Menschen angewiesen sein. Seine Einkäufe erledigte er auch selbst. Die stets freundlichen Kassiererinnen im Supermarkt halfen ihm gerne beim Einpacken und das war die einzige Hilfe, die Giovanni gern in Anspruch nahm, denn diese Frauen drängten sich ihm wenigstens nicht auf.
Auf dem Gehweg durch den Park kam ihm eine gut aussehende junge Frau entgegen. Ihre kastanienbraunen, langen Haare bewegten sich im Wind. Sie trug ein dezent gemustertes Sommerkleid und naturfarbene Sandalen. Als sie Giovanni erblickte, verlangsamte sie ihren Schritt. Giovanni bemerkte, dass diese Frau darauf aus war, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Das war eine Situation, die dem Italiener ziemlich unangenehm war.
"Was glotzen Sie mich so an?", keifte Giovanni. "Ich kann nichts dafür, dass ich in einem Rollstuhl sitze." - "Ich auch nicht", konterte die Frau schlagfertig. "Außerdem habe ich Sie angeguckt und nicht Ihren Rollstuhl." - "Und warum gucken Sie mich an?" - "Sie sind ein hübscher Bengel. Schade, dass Sie so'n Stinkstiefel sind, sonst könnte sich vielleicht jemand in Sie verlieben." - "In mich verliebt sich keiner mehr", brummte Giovanni, "dafür sorge ich schon." - "Das glaub' ich Ihnen auf's Wort", betonte sie. "Sind immer so nett zu Ihren Mitmenschen?" - "Was geht Sie das an?", entgegnete er irritiert. "Ich wohne im selben Haus wie Sie, zweiter Stock, rechts", antwortete die junge Frau, "und ich finde nichts schlimmer, als Mitbewohner, die grundlos einen Streit anfangen."
Giovanni war überrascht. Er wusste wohl, dass in der zweiten Etage eine Wohnung frei geworden war, aber das ausgerechnet eine so gut aussehende Frau jetzt dort wohnte, nahm ihm den Wind aus den Segeln. "Ich habe nicht vor, einen Streit anzufangen", sagte er und rutschte unruhig in seinem Rollstuhl herum, "solange Sie mir nicht ständig auf die Füße treten und versuchen, mir Ihre Hilfe aufzudrängen." - "Abgemacht. Hab' ich die Chance, als Gegenleistung bei der nächsten Begegnung etwas netter begrüßt zu werden?", fragte sie lächelnd, während sie sich neben ihn hinhockte, um auf Augenhöhe mit ihrem Gesprächspartner zu sein.
"Vielleicht. Ich heiße Giovanni de Luca." - "Das weiß ich schon, steht ja an Ihrer Tür", sagte die Frau lächelnd. Giovanni versuchte ebenfalls zu lächeln. "Verraten Sie mir ihren Namen?", fragte er. "Nein", antwortete sie. "Aber ich gebe Ihnen einen heißen Tipp: Mein vollständiger Name steht draußen an meiner Türklingel dran. Auf Wiedersehen, Signore de Luca." Die Frau erhob sich und entfernte sich mit beschwingten Schritten. Giovanni sah ihr nach, bis sie außer Sichtweite war. Dann machte er seinen gewohnten Rundgang im Park, um gute Fotomotive mit seiner Kamera einzufangen. Die Begegnung mit dieser unbekannten Frau verdrängte er dabei zunächst.
Luigi, ein guter Freund von ihm, arbeitete in einer Druckerei. Bei ihm konnte er gut gelungene Fotos preiswert in Postergröße drucken lassen. Diese Poster bot er dann über eine eigene Webseite im Internet zum Verkauf an, ein lukrativer Nebenverdienst. Bei einer Umfrage, die er auf seiner Webseite eingerichtet hatte, stellte er fest, dass seine Kunden Landschaftsaufnahmen am liebsten mochten. Der Park war dafür wie geschaffen. Hier standen mehrere, teilweise schon sehr betagte Bäume, die mit Vogelnestern bestückt waren und bei jeder Witterung, ob Regen, Schnee, Nebel oder Sonnenschein immer wieder neue Eindrücke vermittelten.
Als Giovanni gegen Nachmittag an seiner Haustür ankam, studierte er die Klingelschilder. "Senta Siebert" stand auf der rechten Türklingel, die zur zweiten Etage gehörte. Er öffnete die Haustür und fuhr dann zu seiner Wohnung. Dort angekommen schloss er die Tür hinter sich und rollte in die Küche, um sich etwas zu trinken aus dem Kühlschrank zu holen. Jetzt ließ er die Begegnung mit der Frau noch einmal Revue passieren. 'Sie ist ein richtiges Luder', dachte er, während er sich ein Glas Vollmilch eingoss. 'Wahrscheinlich glaubt sie, mich mit ihrer Schlagfertigkeit aus dem Konzept bringen zu können. Aber das wird ihr nicht gelingen.' Er seufzte. 'Oder ... vielleicht doch.' Er trank sein Milchglas in einem Zug leer und fuhr dann ins Wohnzimmer, zum Tisch, wo auch sein Laptop und der Drucker stand. Er holte die Kamera aus seiner Bauchtasche heraus, entnahm den Speicherchip und schob ihn in den entsprechenden Schlitz im Laptop ein.
Gegen Abend kam Luigi zu ihm, mit einem Karton eingerollter Poster in den Händen, den er auf dem Wohnzimmertisch abstellte. "Salve, Giovanni. Wie sieht es aus bei dir?" - "Gut. Ich habe 20 neue Bestellungen bekommen. Besser kann es nicht laufen. Hast du alles mitgebracht, Luigi?" - "Aber sicher. Das Fotopapier habe ich noch im Auto, das hole ich auch sofort. Hast du etwas zu verschicken?" - "Ja, die ersten 30 Bestellungen sind versandfertig. Sie stehen da drüben." Giovanni zeigte auf eine Ecke mit Papprollen. Luigi nahm mehrere Rollen und klemmte sich diese nacheinander unter die Arme, um sie zum Auto zu bringen. Dann kam er mit dem Fotopapier zurück und nahm die restlichen
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Kommentare
Stevie Hall schrieb am 2010-07-06 09:55:26:
Sehr schöne, herzergreifende Geschichte und in gutem Deutsch geschrieben, Kompliment!
Vielen Dank auch für Deinen netten Kommentar zu meiner Geschichte 'Gestohlener Augenblick'. Die Beiden aus meiner Story können sich deshalb so selten sehen, weil sie beide nicht frei sind und die Umstände so kompliziert, dass sie kaum eine Chance haben, jemals zusammenzufinden. Traurig, aber wahr!
LG
roo sabbath schrieb am 2010-06-30 18:16:37:
danke für dein kommentar zu meiner geschichte " verrat an einer freundin"
-du hattest vollkommen recht -
ich liebe deine geschichte und vor allem deinen schwung :)
Jinx schrieb am 2008-11-06 16:39:29:
sehr süße geschichte, aber für meinen geschmack geht das ein bisschen zu schnell, vonwegen ich liebe dich und so ;) aber man verzeiht, denn es passt so wie es ist :)
Nacht schrieb am 2008-11-06 07:56:22:
Sehr schöne, sowie ergreifende Geschichte. Ich selbst erlebte so ein Wunder. Liebe kann nicht Berge versetzen, sondern auch Menschen ändern. Und das auch ohne Geld.
Bitte schreibe eine Fortetzung, denn die Geschichte ist zu schön, um schon zu Ende zu sein.
LG.
!!! schrieb am 2008-11-05 20:59:39:
Wow das ist wirklich schön!!!!!
LG
Suggarfly schrieb am 2008-11-04 22:29:09:
Sehr schön! Endlich mal jemand dem korrekte Satzzeichen usw. wichtig sind *grins* wirklich sehr sehr schön!!!!
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