Geschichte einsenden Links & Rings AGBs Impressum
Kategorieauswahl
Wir freuen uns über jeden Autor, der hier auf Storyparadies.de seine Geschichten veröffentlichen möchte.Da jeder Autor Feedback braucht, sind Kommentare, solange es sich um konstruktive Kritik handelt, möglich und auch ausdrücklich erwünscht. Bitte verwenden Sie zur Einsendung der Geschichten und Kommentare unser Formular und beachten Sie dabei unsere Regeln.
Suche


Kategorien > Gesellschaft > Kritisches

Gleichgültig

von

1 2

Gleichgültig

Blut tropfte aus einer riesigen Platzwunde aus seinem Kopf auf den kalten Asphalt. Er rührte sich nicht, er atmete nicht, er war tot. Ich stieg aus dem Wagen, machte ein paar Schritte auf ihn zu, erblickte sein Schicksal und wartete gespannt auf meine Reaktion. Angst, gar Panik, oder zumindest Übelkeit die sich bilden müsste hervorgerufen durch den Adrenalinschub der durch meine Adern zu fließen hätte. Doch, Nichts! Gar nichts!
Es kümmerte mich nicht. Ich hatte keine Empfindung diesem “Opfer“ Gegenüber. Hilflos lag er leblos am Boden, als letzte Handlung färbte sein Blut den Asphalt in ein dunkles Rot, mehr war da nicht.
Ich dachte nach, was das alles zu bedeuten hatte, warum sich nichts in mir regte, doch nach einigen Minuten beschloss ich lieber sachlich an den Tatbestand heranzutreten.
Wollte ich mein Leben und den dazugehörigen Luxus nicht verlieren, musste ich den Kerl von der Straße kratzen und die Spuren verwischen. Nach einigem herumgekrame in meinem Kofferraum kam ich zu dem Schluss, dass ich eindeutig zu wenige Utensilien für eine fahrlässige Tötung in meinem Fahrzeug mitführte. Keine Schaufel, keine Lappen oder Decken oder, oder, oder … eigentlich gar nichts um diese Schweinerei aufzuräumen. Das Blut quoll bereits über den Straßenrand hinaus und versickerte im Erdreich. Ich würde einige Zeit benötigen um alle Spuren zu verwischen, an Schlaf war wohl heute nicht zu denken. Dieser Dreckskerl! Musste er sich gerade mein Auto aussuchen um tödlich zu verunglücken?
Ich vergoss eine Flasche Mineralwasser, das ich bei mir hatte, über die blutige Spur und zerrte den Leichnam in den Straßengraben, um mir etwas Zeit zu verschaffen. Dann stieg ich in mein Auto und raste los. Mein Haus lag nur wenige Kilometer entfernt und mein gut ausgestatteter Gartenschuppen beinhaltete alles was ich brauchte um einen erfolgreichen Mord schnellst möglich zu vertuschen.
Eine Plane 3 x 3 Meter im Durchmesser, ein Spitzspaten, außerdem füllte ich noch einige Kanister mit Wasser und rüstete mich mit einem Borstenbesen aus.
Es dauerte volle fünf Stunden bis die Schweinerei von der Straße gewaschen war. Die ersten Sonnenstrahlen glitzerten bereits über den Horizont und ich krümmte mich vor Müdigkeit und nicht zuletzt auch weil der Fettsack den ich überfahren hatte es nicht für angebracht hielt in meinen Kofferraum zu passen. Schließlich gab ich das Unterfangen erschöpft auf. Am Stück war der Kerl nicht in meinen Wagen zu hieven, zumindest nicht wenn ich ihn nicht auf dem Beifahrersitz setzen wollte.
Der Spaten war scharf genug ihm mit einigen gezielten Stößen die Arme abseits der Schulter abzutrennen und siehe da, wie angegossen rutschte er hinein.
Ich war ein unbescholtener Bürger, hatte mir in der Vergangenheit nie etwas zu Schulden kommen lassen, sie würden niemals auf mich kommen. Selbst wenn sie den Leichnam, entgegen jeder Logik, eingegossen in einen Betonpfeiler finden würden, wäre die Wahrscheinlichkeit jemals dafür angeklagt zu werden sehr gering. Zuhause angekommen, riss ich noch den Teppich aus meinem Kofferraum um auch die letzten Spuren zu verwischen und legte mich schlafen.
Seit Jahren hatte ich nicht mehr so gut geschlafen. Das ganze war überaus ungewöhnlich, ich konnte mir meine Kaltherzigkeit selbst nicht erklären, doch mein Gewissen war so rein wie das einer wahrlich frommen Klosterschwester. Keinerlei Reuegefühl, keine Angst, vielmehr Wut über die Kosten die ich für einen neuen Teppichbezug im Kofferraum zu tragen hatte.

Es vergingen einige Wochen bis das erste Mal ein Foto des Typen in der Zeitung zu finden war und weitere Monate bis der Fall, laut Presseberichten, zu den Akten gelegt wurde.
Nun war jede auch noch so geringe Sorge, wie weggeblasen. Ich konnte die Tat als erfolgreiche Mission abhaken. Es ging sogar soweit das ich lachen musste wenn ich die Zeitungsausschnitte in meinem Tagebuch betrachtete.
In den Monaten die vergangen waren wurde mir mehr und mehr bewusst, dass es durchaus Gefühlsregungen in mir gegeben hatte, nur waren diese nicht gerade konventioneller Natur. Vielmehr konnte ich Verhaltensmuster an mir feststellen, wie sie Serientätern zugeschrieben werden. Verhaltensmuster wie sie ganze besonders “Grausamen“ und “psychisch instabilen“ Individuen zugeschrieben werden. Ich hielt mich nicht für grausam, auch heute nicht. Warum auch? Nachdem ich mit der Tat konfrontiert war, verstand ich die Problematik, die von der Gesellschaft propagiert wird, nicht mehr. Ich verstand nicht, was an Mord so schreckliches sein soll? Eigentlich sind die wahren Opfer lediglich die Angehörigen, der Getötete selbst hat ja eigentlich einen Freibrief ins Paradies gewonnen, oder wurde lediglich etwas schneller den Höllenqualen ausgesetzt. So oder so, wirkliches Leid heucheln lediglich die Angehörigen die diesem aus rein egoistischen Gründen ausgesetzt sind. Da sie es nicht verkraften das ich ihnen mit meiner Tat die körperliche Hülle eines Freundes, Sohnes, Ehemanns, Vaters oder oder oder…. genommen habe, weil sie denken, Anspruch auf ihn zu haben. Ich denke, mein Anspruch war viel ehrlicher als der ihre. Sie trauern ihrer Selbst willen, nicht weil er noch soviel erreichen hätte können, nicht weil sein Leben eigentlich einer größeren Sache gewidmet war, sondern nur aus dem Grund das sie seine körperliche Anwesenheit für eigene Zwecke ausnutzen wollten. Diese Heuchler, diese Schurken!
Sie sind es die Bereuen müssen, sie sind es die Verachtung verdienen.

Weitere Wochen vergingen wie Tage. Ich fühlte mich beengt auf dieser Welt, auf dieser aus erlogener Wertschätzung erbauten Gesellschaft, jede Begegnung mit anderen Leuten bereitete mir Übelkeit. Übelkeit vor Verachtung. Ich wurde wütend wenn ich sie ansehen musste. Langsam wurde mir bewusst, dass dieser Mord mich aus der Gesellschaft gerissen hatte, in der ich zuvor so wundervoll behütet eingeflochten war. Doch dieses Wohlbefinden war lediglich auf Heuchelei gestützt und der morsche Pfosten den diese bildete, war unter der Last der Erkenntnis zusammengebrochen die sich nun vor mir ausbreitete.
Es war ein wundervolles Gefühl, dieses heraustreten aus der Lüge, aus dem ferngesteuert sein.

Es dauerte nicht lange bis sich mein neues “Ich“ merklich von der Masse anhob. Langsam aber sicher entwickelte ich mich zu einem Eigenbrödler, da ich Tag für Tag um mich nur diese vorgetäuschte Barriere der Höflichkeit sah.
Ich konnte dieses Leben so nicht weiterführen und schließlich wurde ich, nachdem ich meinem Arbeitgeber Geldgier und Unmenschlichkeit vorwarf und, um dem Vorwurf Nachdruck zu verleihen, eine Arbeitsmappe mit Geschäftsberichten gegen seinen Kopf schleuderte, gefeuert.
Es war mir nur recht. Diese Erfundene kleine Welt in der sie sich verschanzten, in denen ein Mensch nur eine Geldbörse mit Beinen ist, war mir fremd. Was war schon Geld im Machtverhältnis zu Gewissenlosigkeit?

Als ich meinen Arbeitsplatz geräumt hatte ging ich mit fröhlichem Grinsen und Pfeifend aus dem

1 2

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Kommentar hinzufügen



Aufgrund des extremen Mißbrauchs der Kommentarfunktion sind wir leider gezwungen, die Kommentare ab sofort redaktionell zu überprüfen. Wir bitten um Ihr Verständnis.