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Kategorien > Spannung > Krimi

Graue Winter

von Mathias

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Leise rieselt der weiße, leichte Pulverschnee vom Himmel auf die Erde. Der sanfte Wind weht kühl über die scheinbar unendlichen weiten der kahlen Felder. Das helle grau des Himmels dominiert in seiner Farbgestaltung die Stimmung der Landschaft und lässt doch alles friedlich und idyllisch scheinen.
Von der Sonne war den ganzen Tag keine Spur zu erkennen und lediglich die kleinen, unzähligen Spuren einzelner Tiere lassen auf den ersten kurzen Blick auf Leben schließen.
Doch beim genaueren Betrachten der Szene erkennt man am Horizont einen einsamen Adler.
Ruhig und besonnen dreht er Runde für Runde auf der vergeblichen Suche nach Nahrung.
So ziehen die Stunden ins Land. das Grau wird grauer, bis es schließlich in ein düsteres Schwarz übergeht und die ganze Landschaft in Nacht und Dunkelheit tränkt. Auch der Wind hat zugenommen und bläst kalt über die Bäume, die Sträucher und das Feld. Der Adler ist schon lange nicht mehr zu sehen, da ertönt ein lauter und hoher Schrei.

Langsam steigt der helle Rauch aus dem Schornstein des kleinen Backsteinhauses gen Himmel.
Düster und unheimlich erhebt sich der Wald im Rücken der Hütte und wirkt, nicht zuletzt auch durch das laute Knarren und Knistern der Äste und das leichte Pfeifen des Windes wenig einladend.
Das Flackern des Kaminfeuers im Innern der Hütte wirkt ähnlich dem Schein eines Leuchtturmes in stürmischer Nacht.
Immer wieder erkennt man Schatten in der Hütte und in den kurzen Pausen, die der Wind hin und wieder einlegt vernimmt man auch das ein und andere Lachen der Bewohner.
Durch das kleine Fenster, neben der Tür erkennt man noch die ein oder andere Flasche Wein, die der Tag und der ungemütliche Abend schon gekostet hat. Der riesige, schwarze Suppentopf über dem Kaminfeuer dampft so vor sich hin und taucht den kleinen Raum in einen Geruch von Nudeln, Hühnerfleisch und frischen Kräutern. Das benutzte Geschirr steht noch auf dem Tisch und zeugt von einem ausgiebigen Abendmahl.
Mittlerweile sitzen die Bewohner jedoch längst in geselliger Runde beisammen spielen Karten und trinken Wein.
Doch ein Klopfen an der Tür unterbricht jäh das muntere Zusammensein.
Der größte der Bewohner springt blitzartig auf, stürmt zum Kamin, greift nach dem glutrot leuchtenden Schürhacken und bewegt sich langsam zur stabilen Holztür.
„Wer da?“
Ein leichtes gleichmäßiges Atmen ist zu vernehmen, doch keine Antwort.
„Wer klopft so spät an diese Türe?“
Das Atmen wird stärker und schneller, doch noch immer keine Antwort.
„So sei es, keine Antwort, kein Einlass“
Plötzlich setzt das Atmen aus und eine unbeschreibliche Stille setzt ein.
Kein Rauschen des Waldes, Knarren und Knistern der Äste und kein Pfeifen des Windes.
Nur Stille.
Doch dann ertönt ein unfassbar lauter und hoher Schrei.

Langsam vertreibt das Grau des Morgenhimmels das Schwarz der Nacht. Noch immer wirkt der Wald bedrohlich und ungastlich. Noch immer Knarren und Knistern die Äste. Wieder rieselt der weiße, leichte Pulverschnee vom Himmel auf die Erde. Kühl weht der Wind über die Bäume und Felder und auch über die Ruine, die gestern noch ein einladendes Haus war.
Nur das leichte Flackern des Kaminfeuers und der riesige Suppentopf erinnern noch an die Einwohner des Hauses, die hier gestern noch lebten.
Am Horizont zieht der einsame Adler erneut stoisch seine Kreise auf der vergeblichen Suche nach Nahrung. So ziehen die Stunden ins Land. Das Grau wird grauer und weicht erneut dem düsteren und bedrohlichen Schwarz der aufkommenden Nacht.
Pünktlich mit dem zehnten Glockenschlag fällt das große, stählerne Tor ins Schloss.
Schon lange sind die Straßen und Gassen menschenleer.
Mit der Dunkelheit scheint auch die Angst in die kleine Stadt am Rande des Waldes eingezogen zu sein.
Früh sind sämtliche Fenster und Türen geschlossen und verriegelt und verwehren jedweden Zutritt und Einblick ins Innere.
Nur der Nachtwächter zieht weiter langsam seine Runde und entzündet die kleinen Laternen der Straße. Doch auch ihm ist anzumerken, dass die Geschehnisse der letzten Tage nicht spurlos an ihm vorüber gegangen sind.
Schon seit Tagen bestimmen die unheimlichen Geschehnisse der näheren Umgebung die Gesprächsthemen der Einwohner. Schon lang hält sich niemand mehr freiwillig auf den Straßen auf. Die Stadt verlassen die Menschen nur, wenn es keine andere Wahl mehr gibt. Zuviel ist in den letzten Tagen erzählt worden.
Sieben Vorfälle in den letzten zehn Tagen sollen es sein.
Sieben zerstörte Hütten und sieben verschwundene Familien.
Sieben Tatorte ohne jedwede Spur.
Ruhig biegt der Nachtwächter in die lange Hauptstraße ein und entzündet weiter Laterne für Laterne.
Am Himmel ziehen die Wolken schneller und schneller vorbei und geben immer mehr vom vollen Mondlicht preis.
Der Nachtwächter zieht schnell den Kragen seines Mantels enger und versucht nicht auf das Heulen der Wölfe im Wald zu achten.
Doch schon beim Abbiegen in die nächste Gasse sind Mondlicht und Heulen der Wölfe verschwunden und der leichten, fröhlichen Musik aus dem Wirtshaus gewichen.
Die Geigen und Flöten im Innern der Schenke spielen gerade eine lustige Melodie, in welche die Besucher gerne mit einstimmen und sei es um nur kurz die Angst und Dunkelheit draußen in den Gassen zu vergessen. Die leichten Mädchen und alten Huren tanzen dazu auf den Tischen und der wein und das Bier fließt in Strömen. Überall flackern Kerzen und verteilen ihren Wachs schon auf den vielen Tischen. Über dem Feuer des Kamins grinsen noch die Reste des riesigen Spanferkels und das Geschirr ist im ganzen Raum verteilt.
„Ein Bierchen wird schon nichts schaden“, denkt sich der Nachtwächter und überquert die Straße und setzt sich zu dem geselligen Haufen an den Tisch.
Kurz ist sämtlicher Ärger und alle Angst verflogen und das Leben hält wieder Einzug in die kleine Stadt.
„Wie es früher war… Wiiii es früher war!“ Klingt der Gesang der Gäste aus und taucht den Raum kurz in Stille.
Doch dann ertönt ein unfassbar lauter und hoher Schrei.

Wieder vertreibt das Grau des Morgens langsam das Schwarz der Nacht.
Ein leichtes Murmeln und Grummeln weckt den Schmied aus seinem tiefen, traumlosen Weinschlaf. Die vier Flaschen am Boden sind noch immer die zeugen der letzten Nacht und hämmern nun wie verrückt in seinem Kopf.
Langsam kämpft sich der Schmied aus seinem bett auf seine Beine und tippelt zum gegenüberliegenden Fenster. Jedoch nicht, ohne über eine der Weinflaschen zu stolpern und mit einem mächtigen Gewrömms auf der riesigen, roten Nase zu landen.
Unter Schmerzen vernimmt der Schmied noch immer das mittlerweile lauter werdende Gemurmel vor seiner Tür. „Das werden doch nicht etwa Kunden sein?“ Denkt er mürrisch und spielt sogar kurz mit dem Gedanken wieder ins Bett zugehen. Jedoch nicht, ohne auch noch über eine zweite Flasche Wein auf dem Boden zu stolpern und erneut mit einem mächtigen Gewrömms auf der riesigen, roten Nase zu landen.
„Nun reicht es mir aber.“ Ruft der Schmied wütend in den Raum. Er richtet sich auf, setzt

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