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Kategorien > Alltag > Alltag

Guten Morgen

von Charly Brown

Ein Schrei von tausend tobender Seelen zerreißt meine Träume und gibt mich dem Alltag frei.

Ein dumpfer Schlag lässt den tosenden Lärm verstummen. Zumindest für die nächsten 10 Minuten. Dann wird er sich ein zweites Mal erheben und ich mich mit ihm.

Sanft versucht mich der Schlaf wieder in seine Fänge zu locken, doch ich verzichte.
Mit dem nächsten Schlag würde ich meinen Wecker zerlegen.

Viel zu laut gluckt die Kaffeemaschine während sie die letzten Wassertropfen durch den Filter schickt um einen kleinen Rinnsaal von der gesprungenen Kanne bis zum Fußboden entstehen zu lassen.

Welch Glück, dass mein Anzug darunter lag und so der Lamynahtboden vom Kaffee verschont wurde. Oh wie gut tut es am morgen das Bügeleisen zu ergreifen, ein neues Hemd zu bügeln und dabei den Duft des Brötchens in sich aufzusaugen, dass sich langsam im Ofen zur Holzkohle verformt.

Ein leichter Schmerz durchzuckt den Körper wenn man versucht ein glühendes Brötchen aus einem heißen Ofen zu erretten, doch die so gepeinigte Hand freut sich sehr über das kalte Wasser, dass ich in der Dusche auf meinen Körper nieder rieseln ließ, da der Wasserboiler mal wieder die Sicherung hat herausspringen lassen.

Wenn wundert es da noch, dass man nach dem Abtrocknen und der Zahnreinigung beim Kontaktlinsen einsetzen, eben diese aus der Hand rutschen fühlt und langsam, aber doch unaufhaltsam gen offenstehender Kloschüssel segeln sieht.

Ich schaute in den Spiegel und quittierte den Anblick meiner alten blauen Brille auf der Nase eines Mannes, mit Augenringen wie Fahrspuren, nur mit einem Lächeln.

Wieder drang das Klagelied der Welt an mein Uhr, als die Luft unfreiwillig von der U-Bahn zurückweichen muss.

In dem Wagon saßen die selben Menschen wie an einem jeden Morgen.
Ihre Gesichter sind allesamt graue Masken, ohne Gefühl, ohne Leben und ohne den leisesten Zug einer Hoffnung darin, dass sich doch alles noch einmal zum Besseren wenden könnte.

Sie alle sind so armselig. Nie werde ich so werden.
Es durchflutete mich mit Wärme, mit Kraft. Dieser Anblick der gescheiterten Existenzen giebt mir bessere Laune. Ja ich fühlte mich auf einmal wirklich stark und unbesiegbar.

Haltestelle Berliner Tor. Ich steige aus.

Kein Schauer läuft mir an diesem Morgen über den Rücken, während sich die Bürogebäude vor mir mit jedem Schritt, die ich auf sie zu tue vergrößern und so Schritt für Schritt, unter den dunklen Wolken der Stadt, mehr wie graue Riesen wirken, die begierig darauf sind, mich zu verschlingen.

Doch heute soll keine Angst in meinem Herzen Fuß fassen dürfen.

Ich durchschreite die Aula und gehe stolzen Schrittes direkt auf den Fahrstuhl zu.

Selbstbewusst wie nie zuvor drücke ich den nach oben zeigenden Pfeil.
Der Fahrstuhl öffnet sofort ehrfürchtig die Tür.

Stockwerk 7. Seit 3 Jahren ist dies die Stätte meines Wirkens.

Laut, stark, selbstbewusst auftretend schreite ich auf mein Büro zu. Ich stehe davor, drücke voller Kraft ganz leise die Klinke nach unten und erhobenen Hauptes schleiche ich an meinen Arbeitsplatz, schalte den Rechner ein und beginne diesen Text zu schreiben.

Guten Morgen Deutschland!

Kommentare

Gangrel82@gmx.de schrieb:
Gute Story, gefällt mir.
distanziert, nüchtern, trocken, witzig
MIMASIE@aol.com schrieb:
Hi, gefällt mir wirklich sehr gut. Vor allem das mit den Masken gefällt mir gut. Das kenn ich auch. Schöne Grüße!
miss_ganja@hotmail.com schrieb:
Ziemlich genial kann ich nur sagen... du hast echt ne schöne Sprache.

-amanita°-

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