Hat noch keinen
von
Lea Giras
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„Willst du das da etwa nicht bezahlen?“, fragte eine tiefe Männerstimme hinter ihm und gleichzeitig spürte Joshi eine feuchte, warme Hand auf der Schulter. Erschrocken drehte er sich um und blickte in ein spöttisch grinsendes Gesicht, das einem kräftig gebauten, großen Mann Mitte vierzig gehörte. „Ich…ähm…ja…äh…ich…wollte es nur… angucken“, stotterte Joshi. „Ah ja, nur angucken, alles klar“, hüstelte der Mann und packte das Baguette mit der einen Hand, während die andere immer noch auf der Schulter des eingeschüchterten Jungen lag. Mit einer blitzschnellen Bewegung zerbrach dieser das Baguette, sprintete aus dem Eckgeschäft am Markusplatz und lief auf eine Brücke über den Kanal Grande. Das war das Gute an Venedig; immer, wenn man ein Versteck brauchte, konnte man sich darauf verlassen eines zu finden. Hinter ihm erscholl ein wütender Aufschrei und ein Schnaufen, das ankündigte, dass der Mann ihm folgte. Joshi überlegte nicht lange und schwang sich mit der linken Hand über das Brückengeländer; in der rechten befand sich immer noch das gerade erbeutete Baguette. Er landete ziemlich unsanft auf der gerade vorbeischwimmenden Gondel. Der Aufschlag trieb ihm die ganze Luft aus den Lungen .
Mühsam rappelte er sich auf. Die Leute starrten ihn, den fremden Jungen an, aber Joshi kümmerte sich nicht darum und sprang mit einem eleganten Kopfsprung ins Wasser. Ein paar Meter weiter tauchte er wieder auf und kletterte ans Ufer. Er hörte Schritte und blickte sich um. Doch es war nicht das Gesicht seines Verfolgers in das er blickte. Es war das eines Mädchens. „Komm jetzt mit, sonst kriegt er dich!“ Sie zog Joshi mit sich in einen leicht zu übersehenden Schacht in der Brücke.
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