Hate Parade (Love Parade 2010)
von
Pablo Venedig
1
Mein Handy klingelte. Ich spürte es durch die Vibration, hätte es niemals hören können. Ich konnte mich zwar kaum bewegen, griff aber intuitiv in meine Tasche und klappte es beim Hochreißen der Arme auf. Ich schrie hinein:"Ich kann dich nicht hören! Hier ist etwas los, kaum zu glauben!". Um mich herum waren Millionen von Menschen, die laute Rave-Musik übertönte die Stimme jedes Einzelnen. Ich sah nach oben auf das Display. Egal wer mich angerufen hatte, er hatte aufgelegt. Ich zog meine Hand und das Handy zu mir heran und öffnete die Cam-Funktion. Das würde das Sound-System meines Handys ordentlich fordern. Plötzlich stieß jemand von hinten an mich und mein Handy fiel zu Boden. "Verdammt pass doch auf", schrie ich mit entzündeter Stimme. Ich konnte mich aber weder nach hinten noch seitlich drehen. Also ging ich langsam in die Hocke. Das Handy lag zwischen den Beinen meines Vormanns. Ich streckte die Hand aus, während wieder jemand gegen mich stieß. Ich kam mit einem Knie am Boden auf. "Pass doch auf", schrie ich erneut. Die Musik war leiser geworden. Über mir wurde es dunkler. Die Menschenmenge rückte näher zusammen. Erneut griff ich nach dem Handy und es rutschte durch meine Bewegung wieder ein Stück weiter nach vorne. "Verdammte Scheiße!", schrie ich. Als ich wieder aufstehen wollte, drückte mich jemand mit der Hand auf meiner Schulter nach unten. "Hey!", schrie ich. Dann trat jemand auf meinen Fuß. Ich bekam kaum mehr Luft. Ich schaute wieder zum Handy. Ein Versuch nur noch. Ich streckte mich so weit ich konnte, doch ich erreichte es nicht. Dann knickte ich ein. Jemand stieß mich an. Ein Anderer stand auf meiner Hand. "Aua!", schrie ich. "Aufpassen hier ist doch noch jemand! Hallo!!!". Doch die Menschenmenge schnürte mir förmlich die Luft ab . Ich wollte einfach nur noch aufstehen und wieder gerade auf beiden Füßen stehen, doch ich kam nicht mehr vom Boden auf. Ich lag nun komplett auf dem Bauch. Jemand trat mir in den Rücken. "Au!!!! Hilfe! Das tut weh! Nein! Hilfe! Bitte helft mir hoch! Ich kann nicht mehr aufstehen, bitte!". Niemand hörte mich. Niemand nahm mich mehr wahr. Immer mehr Leute traten auf meinen Schädel, den Rücken und in die Seite. Ich hörte noch wie einzelne Finger brachen. Bevor mir die Luft ausging und ich ständig nach Hilfe schrie, standen fast 10 Leute auf mir. Keiner schaute nach unten. Mein Handy klingelte ein Meter vor mir. Ich hörte es nicht, aber ich sah das Display leuchten. Auf dem Display stand:"Mama Handy". Ich würde meine Mama nie mehr sehen.
1
Kommentare
Keine Kommentare vorhanden.
Kommentar hinzufügen