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Kategorien > Hoffnung > stay strong

Hazel - Jetzt ist eine Zeit, stark zu sein 2

von Soraya

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Nach dem Unterricht lief sie wie immer so schnell wie möglich nach Hause. Vor dem Hochhaus blieb sie stehen und atmete tief durch. Dann ging sie hinein und stieg die Treppe hoch, bis zum sechsten Stock. Als sie die Tür aufschloss drang eine ekelerregende Welle von Gerüchen auf sie zu. Kindergeschrei, Hundegebell und Fernseherdröhnen. Doch Hazel stieg einfach durch das Chaos, stellte ihren Schulrucksack in eine Wohnzimmerecke und ging in die Küche. Dort machte sie sich eine halbe Scheibe Toast mit ein wenig Margarine und aß sie langsam. Mehr Appetit hatte sie nicht. Dann schmierte sie noch zwei Scheiben Toast mit Käse, legte sie auf einen Teller und stieg auf den Balkon. Dann kletterte sie geschickt durch ein Loch, dass von einer schmutzigen Matratze verdeckt wurde. Dahinter lag noch ein Balkon, doch dieser gehörte einer anderen Wohnung, bei der aber irgendwann der Zugang nach draußen vermauert worden war. „Colin? Hope?“ fragte sie vorsichtig. „Hope schläft.“ sagte ein kleiner Junge, der aus dem Schatten gekrochen kam. „Geht’s dir gut Colin?“ „Wo warst du?“ „Ich hatte zu tun, tut mir leid.“ „Hope hat geweint.“ „Verdammt! Hope soll nicht weinen! Hast du ihr das gesagt?“ „Ja.“ „Sie mag erst sieben sein und ihr Leben lang nur Dunkelheit gesehen haben, aber sie darf nicht weinen!“ regte sie sich auf. „Er hat dich vermisst.“ sagte der Junge ganz leise. „Hier. Iss.“ lenkte sie ab und gab ihm die Toasts. „Hast du Angst?“ „Wo vor?“ „Das Er wieder nach dir verlangt.“ „Hast du neue Flecken, zeig mal.“ „Lenk nicht ab!“ „Hast du, oder hast du nicht?“ „Ein paar, sind aber nicht schlimm. Also, antwortest du mir?“ „Gut, ich habe Angst. Ja, ich habe Angst.“ „Warum tust du das dann?“ „Darum.“ antwortete sie. „Für uns?“ Sie schwieg. „Wir kommen schon alleine klar.“ „Was ist mit Hope? Könntest du dafür sorgen, dass sie lernt? Könnest du ihr täglich Essen besorgen? und vor allem: Könntest du sie verstecken?“ fragte sie. „Nein.“ „Es ist besser so. Nur tut Hope mir leid. Aber sie kann sich wenigstens nicht daran erinnern. Und du musst auch in so einer Welt leben.“ „Mir macht es nichts aus. Solange du da bist.“ Sie lächelt. „Ich muss wieder zurück. Mach brav deine Hausaufgaben und lern vernünftig, ja? Ich bin heute Abend wieder da.“ „Mach ich. Und du? Hazel? Danke!“ Sie klettert wieder von dem Balkon und ist zurück im Wohnzimmer. Sie geht wieder in die Küche und kocht Nudeln. „Essen ist fertig!“ rief sie. Sofort kamen fünf Kinder angelaufen. Hazel hasste sie. Es sind ihre Stiefgeschwister. „Wurde auch Zeit!“ „Nudeln? Schon wieder?“ riefen sie durcheinander. Sie seufzte und stellte die Teller auf den Tisch. Dann putzte sie die Wohnung. Jetzt musste sie nur noch die beiden Hunde füttern. Das schob sie immer am weitesten hinaus. Denn die Hunde hießen nicht umsonst Killer und Teufel. Aber inzwischen hatte sie Übung darin in den Zwinger zu hüpfen, die vollen Näpfe auf den Boden zu stellen und dann schnell wieder rauszugehen ohne gebissen zu werden. Killer und Teufel gehörten ihrem Stiefvater. Seit er da war, ging noch mehr schief als vorher. Das letzte Mal richtig glücklich war Hazel mir fünf Jahren gewesen. Damals hat ihr Vater noch gelebt. Vielleicht lebte er immer noch, aber für Hazel war er gestorben. Als ihre Mutter mit Hope schwanger war, ist er einfach verschwunden. Sie konnte das Zeugnis ihres und seines Versagens nicht mehr sehen und sobald Hope geboren wurde, versuchte sie den Säugling zu töten, doch das Kind starb nicht. Ihre Mutter hatte es gerade unter anderem Müll in der Mülltonne versteckt, da sie davon ausging, dass es tot ist und war wieder ins Haus gegangen, als Hazel ihre Schwester rettete. Das kleine Mädchen dachte anfangs, dass das ein Versehen war, doch schnell wurde sie eines anderen belehrt, als ihre Cousine einen Tag später die Familie besuchte und Hazel mit dem Kind sah. Seitdem hatte sie sich wie eine Mutter um ihre Schwester gekümmert, erst fand sie, das wäre ein lustiges Versteckspiel, doch mit den Jahren fand sie es nicht mehr lustig, sondern traurig. Und doch, das Leben ging weiter. Ihre Mutter kam kaum noch einen Abend nüchtern nach Hause. Ab acht Jahren übernahm Hazel den gesamten Haushalt. Und dann, zwei Jahre später brachte ihre Mutter diesen Mann mit und beachtete ihre Tochter nicht mehr. Mit dem Mann kamen fünf neue Kinder und zwei Hunde und wieder war sie, Hazel es, die sich um alles kümmern sollte. Sie dachte, es käme nicht mehr schlimmer, doch es kam schlimmer. Er fand sie schön, wunderschön. Und Er hatte sie lieber als ihre Mutter. Besonders in der Nacht hatte Er sie lieb. Auch wenn sie nicht wollte, dass Er sie so lieb hatte, musste sie es sich gefallen lassen, schließlich bekäme sie und ihr Bruder sonst nichts zu essen. Und nur deshalb war Hazel ein braves Kind. Sie hätte ja außer ihr selbst auch ihrem Bruder und der geheimen Schwester geschadet. Hazel las viel, flüchtete sich in künstliche Welten. Und ein weiser Magier aus diesen Büchern hatte gesagt: ‚Sie können dich sehen, dich zerbrechen, zerstören. Doch sie können weder deine Gedanken, Gefühle und Träume sehen, zerbrechen und zerstören. Sie sehen dich, aber sie wissen nicht wer du bist. Gib ihnen deinen Körper, deine Hülle, aber nicht deine Seele, denn dann erst hast du verloren. Kämpfe für dein Ziel, aber zeige es niemanden, denn dann erst hast du gewonnen. Du darfst alles tun, nur nicht deine Seele zeigen.’ Und an diesen Spruch hatte sie sich seitdem gehalten. Und inzwischen war sie Meisterin darin. Wenn sie es nicht wollte, sah niemand ihr Innerstes. Wenn sie es wollte, konnte sie sich verstellen, hinter Masken verstecken. Wenn sie wollte, durchschaute niemand ihre Lügen, die sie Tag für Tag weiterspann. Und wenn sie wollte, konnte sie wie ein ganz normales Kind wirken.
Nachdenklich ging sie in ihr Zimmer, zog sich um und ging nach draußen. Gierig atmete sie die frische Luft ein. Mp3-Player an, loslaufen, alles hinter sich lassen. Und trainieren. Sie war flink, schnell, ausdauernd. Aber nicht flink, schnell, ausdauernd genug, noch lange nicht, sie musste besser, viel besser werden!

Ein neuer Morgen. Alle saßen auf ihren Plätzen, als Hazel reinstürmte. „’Tschuldigung! Tut mir schrecklich leid! Aber meine Sch... ähm... mein Bruder ist krank.“ „Kann deine Mutter oder dein Vater sich nicht darum kümmern?“ „Schön wär’s! Mein Vater ist tot! Wenn er noch leben würde, müsste ich nicht... Ach, was geht sie das eigentlich an?!“ schrie sie und stürmte wieder aus dem Raum. Schweigen breitete sich in dem Raum aus. Hazel ging seit anderthalb Monaten in diese Klasse und jeder hatte sie bis jetzt als eiskalt und beherrscht eingeschätzt. Mit einem solchen Anfall hätte niemand je gerechnet. Außer vielleicht David. „Sie wird sich beruhigen und wiederkommen. Beginnen wir mit dem Unterricht.“
David schaute aus dem Fenster und sah sie über den Schulhof laufen und wusste, dass sie sich nicht beruhigen wird, dass sie nicht wiederkommen wird.
Bis zur Pause wartete er, dann hatte er sich entschieden. Er würde sie

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Kommentare

Gimliy schrieb am 2008-09-29 15:11:54:
Hi, ich bins. Die Geschichte ist wirklich super, echt.
Soviel Grausamkeit, ich wunder mich, wie das arme Mädchen das alles aushält. Ich bin schon auf die Fortsetzung gespannt.
Lg: Gimliy

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