Heaven & Hell XL 2
von
Darkangel
Mrs. Jonathannana Krishnam war nervös. Es war diese Art von Nervosität die scheinbar aus dem Nichts auftauchte und auch nicht mehr verschwinden wollte. Ihr Magen hatte sich zu einem stacheligen Ball zusammengerollt und ihre Hände zitterten. Und was das Schlimmste war, unter ihren Achseln begannen sich langsam aber unübersehbar Schweissflecken zu bilden. Kurz und gut, für Jonathannana war alles wie es immer war. Trotzdem war da noch diese andere Nervosität. Dieses nagende, unbehagliche Gefühl im Hinterkopf das einem sagen wollte:
"Gleich passierts, gleich passierts, gleich.."
"Mrs. Krishnam?"
Jonathannana schreckte aus ihren Gedanken hoch und blickte in das sorgfältig geschminkte Gesicht von Sue-Ellen. Sue-Ellen war Mr. Mayers Sekretärin. Sie konnte zwar nicht tippen, hielt Stenographie wahrscheinlich für eine Erkrankung des Verdauungstraktes und war die schlechteste Kaffeeköchin der Welt, trotzdem musste Jonathannana neidisch zugeben, dass sie in ihrem roten Minirock und ihrer cremefarbenen Bluse einfach fantastisch aussah. (14)
"Mr. Mayer erwartet sie jetzt."
"Danke." Hektisch sammelte sie ihr Manuskript vom Stuhl neben ihr auf und presste es beschützend an ihre Brust. Dann stand sie auf und trat durch die Tür aus Milchglas in das geräumige Büro von Mr. Mayer. Sue-Ellen lächelte sie aufmunternd an und schloss leise die Tür hinter ihr. Jonathannana stand in dem gewaltigen Büro und lies ihren Blick über die marmorgetäfelten Wände gleiten. Während ihre Beine sie wie von selbst in Richtung des riesigen Schreibtisches trugen der am anderen Ende des Zimmers thronte. Der Tisch war so geschickt vor dem dreiteiligen bis zur Decke reichenden Fenster platziert, dass die Helligkeit den Mann der dort saß nur als dunklen Schemen erkennen ließ. (15) Als Jonathannana den Raum zur Hälfte durchquert hatte, begann sich der Schemen am Tisch zu bewegen. Der großgewachsene Mittvierziger kamm mit ausgestreckten Armen auf sie zu und sie bemerkte drei Dinge. Erstens sah er unverschämt gut aus, zweitens saß sein Anzug perfekt und drittens fand sie, dass ihr Rock um mindestens zwanzig Zentimeter zu lang war.(16)
"Ah, Mrs. Krishnam, oder darf ich Jonathannana sagen," eröffnete Mr. Mayer das Gespräch während er mit ausgestreckter Hand auf sie zusteuerte.
"Jonathannana ist sicher in Ordnung Mr. Mayer," piepste sie als Antwort. Er lachte.
"Ich bitte sie meine Liebe, nennen sie mich doch Marvin, wie alle meine guten Freund," erwiderte er und führte sie am Ellebogen bis zum Tisch, wo er sie mit sanfter Gewalt in einen der beiden riesigen Lederstühle drückte. (17)
"Also gut. Marvin," nickte Jonathannana und fummelte nervös an ihrem Kragen herum. Ein joviales Lächeln spaltete das Gesicht vor ihr.
"Darf ich ihnen etwas zu trinken anbieten, meine Liebe?"
"Einen Gin-Tonic. wenn das möglich wäre?"
"Aber natürlich, natürlich."
Mr. Mayer umrundete den Schreibtisch und drückte einen Knopf. Aus der Gegensprechanlage ertönte Sue-Ellens Stimme.
"Mrs. Boddom, bringen sie uns doch bitte zwei Gin-Tonic."
Mr. Mayer wandte sich wieder Jonathannana zu und setzte sich, immer noch jovial lächelnd auf die Kante des Schreibtischs.
"Ich muss sagen, dass ich überrascht bin, meine Liebe," begann er nach einer kurzen Pause. Jonathannana schrumpfte in ihrem Stuhl zusammen.
"Das Manuskript dass sie mir geschickt haben ist." er beugte sich zur Seite und fischte einen Packen Papier von seinem Schreibtisch.
". es ist außergewöhnlich."
Jonathannana errötete, sagte aber nichts.
"Sie wissen, ja dass sich meine Firma auf die Verfilmung besonderer Stoffe spezialisiert hat." (18)
Jonathannana nickte schweigend. Mr. Mayer runzelte die Stirn und hob an etwas zu sagen, aber bevor er dazukam öffnete sich die Bürotüre und Sue-Ellen trippelte mit einem Tablett in der Hand herein. Das Tablett stellte sie auf ein Sideboard neben dem Schreibtisch und zog sich wieder zurück. Mr. Mayer stand auf und nahm die beiden Gläser von denen er das eine Jonathannana reichte.
"Also, wo waren wir? Ahja. Die Verfilmung von speziellen Stoffen." Er nippte an seinem Gin-Tonic, Jonathannana nahm einen großen Schluck.
"Um die Sache kurz zu machen, ich bin begeistert, meine Liebe. Ich werde das Manuskript verfilmen."
Jonathannana war sprachlos und blickte ihn nur aus weit aufgerissenen Augen an.
"Der Regisseur steht bereits fest und die Schauspieler werden gerade gesucht. Ich schätze, dass wir in zwei bis drei Monaten mit dem Dreh beginnen können." Mr. Mayer zwinkerte ihr zu und nippte erneut an seinem Glas. Jonathannana wollte es ihm gleich tun musst aber feststellen, dass ihr Glas bereits leer war. Mr. Mayer nahm ihr zuvorkommend das Glas aus der Hand und stellte es wieder auf das Tablett, drückte den Knopf der Gegensprechanlage, bestellte noch ein Glas Gin-Tonic und reichte dieses, nachdem es ihm gebracht worden war, schweigend Jonathannana.
"Allerdings gibt es ein zwei kleine Änderungen die ich gerne eingebaut haben würde." Jonathannana nahm wieder einen Schluck und nickte.
"Aber ich fände es am Besten wenn wir dieses Thema bei einem intimen Abendessen besprechen würde." Das Lächeln wurde noch eine Spur breiter und Jonathannana kippte den Rest ihres Gin-Tonic hinunter. (19) Als sich das Glas geleert hatte, blickte sie Mr. Mayer aus großen Augen an und sagte:
"Sagen Sie mir nur wann und wo."
(14) Und noch mehr wissenschaftliche Erkenntnisse. Frauen beurteilen Frauen meistens nach ihrer Kleidung. Jonathannana war es völlig egal ob Sue-Ellen tippen oder Kaffee kochen konnte. Sie fand ihr Outfit fantastisch. Mr. Mayer war es zwar auch egal, dass seine Sekretärin weder Steno noch tippen konnte, doch fand er auch dass ihr Outfit fantastisch aussah - vorzugsweise, wenn es fein säuberlich zusammengefaltet über der Lehne seines Bürostuhls hing.
(15) Nein, das ist hier keine versteckte Andeutung auf was auch immer. Der Schreibtisch stand nur dort, weil Mr. Mayer den Effekt den das Licht in seinem Rücken auf Personen die den Raum betraten, hatte mochte. Ehrlich!
(16) Der zu lange Rock reichte ihr gerade bis zum Knie.
(17) Ist ihnen schon einmal aufgefallen, dass wichtige Personen dazu neigen, von anderen Personen zu verlangen sie mit dem Vornamen anzusprechen? Vorausgesetzt die wichtige Person A möchte etwas von der unwichtigen Person B.
(18) Der größte Erfolg der Firma bestand in der Verfilmung eines Buches dessen Inhalt sich auf "Mann trifft Frau, es gibt Probleme" zusammenfassen lässt. Jetzt werden sie natürlich sagen, dass sich fast jedes Buch auf diesen Satz zusammenfassen lässt. Der Unterschied hierbei ist jedoch die Tatsache, dass dies auch der einzige Satz war, der in besagtem Buch geschrieben stand.
(19) Siehe Punkt (9)
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