Geschichte einsenden Links & Rings AGBs Impressum
Kategorieauswahl
Wir freuen uns über jeden Autor, der hier auf Storyparadies.de seine Geschichten veröffentlichen möchte.Da jeder Autor Feedback braucht, sind Kommentare, solange es sich um konstruktive Kritik handelt, möglich und auch ausdrücklich erwünscht. Bitte verwenden Sie zur Einsendung der Geschichten und Kommentare unser Formular und beachten Sie dabei unsere Regeln.
Suche


Kategorien > Fantasy > Humor & Spannung

Hell House

von Jace

Der Mond brach zwischen den Wolken hervor und vereinzelte Strahlen des matten Lichtes fielen durch die dichten Baumwipfel auf den modrigen Untergrund. Heute Nacht war die perfekte Nacht. Eine Nacht, die wie geschaffen war für ihren perfiden Streich.
Das blonde Mädchen, das sie begleitete klammerte sich regel-recht an Gibsons Arm fest. Er hatte eigentlich nicht damit ge-rechnet das Tamara Wilkins wirklich mitkommen würde. Aber sie hatte es dennoch getan. Nun standen die beiden und Dagger Woods vor einem halb zerfallen alten Haus.
Vor zwei Jahrzehnten hatte hier ein Brand gewütet und die jun-ge Familie, die damals hier lebte, hatte ihr Leben verloren. Die Eltern und ihre drei Kinder waren in dem Feuer umgekommen. Sie alle hatten sich im obersten Stockwerk aufgehalten, welches fast vollkommen ausgebrannt war.
Gibson hatte von einigen Bekannten gehört, das Tamara ihn schon seit einiger Zeit ziemlich scharf fand, aber nicht den Mut hatte ihn anzusprechen. Immerhin war sie ja auch zwei Klassen unter ihm.
Sie hatte sich wahnsinnig gefreut als er sie eingeladen hatte, doch als er gesagt hatte wohin der Ausflug gehen sollte, wollte sie erst einen Rückzieher machen.
Für Gibson war sie nur eine weitere Eroberung unter vielen. Er würde sie heute noch flachlegen, dafür würde er mit Dagger schon sorgen. Sie würden ihr eine solche Angst einjagen, dass sie gar nicht anders können würde, als sich ihm an den Hals zu werfen. Es musste nur die richtige Atmosphäre geschaffen wer-den. Und dieser Ort war, wie gesagt, einfach perfekt.
Gibson führte sie die morschen Treppenstufen hinauf auf die Veranda. Er spürte den Druck von Tamaras Hand auf seinem Oberarm und ein breites Grinsen überflog sein Gesicht. Dann sah er sie mit Unschuldsmiene an und fragte sie: „Hey, du hast doch nicht etwa Angst. Oder etwa doch?“
„Nein, sicher nicht.“ Die Worte verließen ihren Mund nur sto-ckend und Gibson wusste in diesem Moment, dass sein Plan aufgehen würde.
Dagger trottete hinter ihnen her. Er spielte seine ganz eigene Rolle in diesem Stück, die perfekt zu ihm passte. Er würde Gib-son nicht unbedingt als Freund bezeichnen, aber da er für diese Sache immerhin zwanzig Dollar bekam, machte es ihm nichts weiter aus ihm zu helfen, die Kleine rumzukriegen.
Wenn man jemandem einen gehörigen Schrecken einjagen wollte und nicht wusste wie, dann trat er auf den Plan. Er war in Condray Wood der Meister des Grauens schlechthin. Er hatte eine Tasche voller nützlicher kleiner Utensilien dabei, zum Teil gefüllt mit Artikeln von seiner letzten Halloweenparty. Aber auch diese würden später ihren Zweck erfüllen. Er war schon am spä-ten Abend hier hergekommen und hatte einige Sachen präpariert um wirklich auf Nummer sicher zu gehen. Wenn die Leute ihn anheuerten, dann bekamen sie astreine Qualität.
„Du willst da doch nicht wirklich reingehen, was ist, wenn das ganze Ding zusammenstürzt, wenn wir da drin sind?“
„Süße, das wird es nicht. Wenn die Gefahr bestehen würde, dass es einstürzt, dann wäre es schon vor Jahren eingestürzt, alles klar!“ Gibson legte seinen rechten Arm um ihre Schulter und deutete auf den Türknauf mit einem ermunternden Blick in ihre Richtung.
Tamara war das Unbehagen, das sie empfand ins Gesicht ge-schrieben. Dennoch, sie wollte nicht als Feigling dastehen und griff nach dem kalten Metall, das sich aber keinen Millimeter be-wegen wollte, als sie daran drehte. „Er geht nicht auf!“
„Lass mich mal ran, das kann ja nicht angehen, dass wir hier draußen in der Kälte stehen sollen.“ Gibson drehte den Türknauf mit Leichtigkeit herum und die Tür schwang quietschend auf, so dass es einem durch Mark und Bein ging.
Tamara schob seinen Arm von ihren Schultern und ging einige Schritte zurück. „Hör zu, es mir egal was du jetzt vielleicht sagst. Aber ich werde da mit Sicherheit nicht reingehen. Nein, kommt nicht in Frage.“
„Hör mal, das ist absolut sicher, vertrau mir. Ich garantiere dir, dass wird das Erlebnis deines Lebens. Komm schon.“ Er fasste sie wieder bei der Hand und zog sie trotz ihrer Proteste in Innere des Hauses.
Dagger jedoch ging um das Haus herum und nahm den Hinter-eingang. Er musste seine Show perfekt inszenieren, dass war er seinem guten Ruf schuldig. Gibson würde die Vorarbeit leisten und er musste den Höhepunkt des Spektakels genauestens vor-bereiten.
Gibson und Tamara standen in der großen Eingangshalle. Vor ihnen erstreckten sich zu beiden Seiten Treppen, die ins zerstörte Obergeschoss führten. Ein Kronleuchter lag zerschellt auf dem Boden mitten im Raum. Gibson zündete eine Kerze an, die er mitgebracht hatte. Das flackernde kleine Licht erhellte den Raum nur mäßig.
„Weißt du, im Ort erzählen sich die Alten, dass die Geister der Familie hier immer noch sein sollen. Dass dies hier ein abgrund-tief böser Ort ist. Die Leute sollen durch die qualvollen Schmer-zen, die ihnen durch das Feuer zugefügt worden sind, wahnsin-nig geworden sein. Nachdem die Flammen sie dann vollkommen verzehrt hatten, sollen ihre Seelen hier gefangen gewesen sein und alle, die unbedacht diesen Ort aufsuchen, sollen sie die glei-chen Qualen zufügen. Landstreicher, die hier Unterschlupf ge-sucht haben, soll man am nächsten Morgen vollkommen verkohlt aufgefunden haben.“
Tamara verzog das Gesicht. „Hör auf mit diesem Mist, sonst gehe ich gleich wieder.“
„Schon gut. Ich dachte mir, da du ja noch nicht so lange hier lebst, kennst du diese Story sicher noch nicht.“
„Und was wollen wir hier jetzt?“
„Wart es einfach ab, ich hab eine wirklich bombige Überra-schung für dich.“ Sein Gesicht war direkt vor ihrem und er konnte ihren Atem riechen. Er stellte sich hinter sie und raunte ihr ins Ohr: „Kleine Führung gefällig?“ Gibson schob sie vorwärts und Tamara setzte sich langsam in Bewegung.

Dagger saß auf dem Küchentisch. Er hatte zehn Minuten um sein Make-up aufzulegen und musste sich ganz schön beeilen. Er musste unbedingt fertig werden, bevor Gibson mit dem Mäd-chen hier auftauchte. Wenn alles nach Plan lief, würde er ihr jetzt gerade die einzelnen Räume zeigen und zum Schluss in die Kü-che kommen, wo sie den verbrannten Leichnam eines armen alten Penners auf dem Küchentisch liegen sehen würden.
Er hatte zu Hause eine Maske vorbereitet, die er im Design ei-ner vollkommen verkohlten Haut modelliert hatte. Er zog sie sich über. Sie passte perfekt. Dann besprühte er sie mit einer speziel-len Flüssigkeit, so dass es aussah als wären die Wunden ganz frisch. Er setzte sich noch durchgefärbte schwarze Kontaktlinsen ein, was dem ganzen noch den letzten Pfiff gab. Zum Schluss schmiss er sich noch in einen Haufen ausgefranster und verwa-schender alter Klamotten, so dass er jetzt wirklich wie der aller-letzte Penner aussah.
Er legte sich auf den Tisch und versuchte so tot wie möglich auszusehen. Jetzt musste er nur noch warten, bis Tamara krei-schen würde. Dann wusste er, dass er wieder einmal Erfolg ge-habt hatte. Unter der Maske lächelte er versonnen und stellte sich ihre schreckenverzerrtes Gesicht vor.

„Gibson, ich will nicht mehr. Ich friere verdammt noch mal.“
„Nur noch die Küche, dann sind wir durch und können wieder nach Hause. Aber sieh mal, wenn man hier lebt, dann muss man dieses Haus einfach mal gesehen haben und zwar alles, sonst kann man doch gar nicht mitreden, dass musst du doch einse-hen.“
„O.k. Fünf Minuten, länger nicht.“
„Kein Problem, Süße!“

Dagger lag auf dem Tisch und zählte die Sekunden. Es war fast totenstill. Aus den Nebenräumen aber hörte er gedämpft die Stimmen von Gibson und Tamara. Sie würden gleich hier sein und dann konnte der Spaß losgehen.
Doch dann fiel ihm durch die dumpfe Stille hindurch ein leises Scharren auf, das unter dem Küchentisch hervorzukommen schien. Wahrscheinlich waren es Ratten. Wenn hier welche he-rumliefen, würde die Kleine wahrscheinlich kreischend davonren-nen. Das wäre einfach Klasse.
Zu dem Scharren gesellte sich jetzt ein leises Quietschen, ein Wispern und Rumoren, das den Raum zu erfüllen schien. Dagger wurde unruhig und setzte sich auf. Er sah sich um. Konnte aber durch die schwarzen Kontaktlinsen nicht allzu viel sehen. Er woll-te sie aber auch nicht rausnehmen und so seine Aufmachung ruinieren.
Das alles gefiel ihm überhaupt nicht.
Der Tisch auf dem er saß fing an zu vibrieren und er sprang panikartig herunter. Unter den Dielen konnte er ein schwaches Leuchten wahrnehmen, das nun langsam immer mehr an Intensi-tät gewann und Daggers Gesicht noch grausiger Aussehen ließ.
Er nahm die Kontaktlinsen heraus. Es ging ihm nun total am Arsch vorbei, ob die Show funktionieren würde. Hier stimmte et-was nicht.
Hier stimmte etwas sogar ganz und gar nicht.
Er wich von dem Tisch zurück in Richtung Hintereingang. Die Tür stand noch immer offen schlug nun aber mit einem lauten Knall zu. Er wirbelte herum und stürzte auf sie zu. Dagger rüttelte verzweifelt an dem Griff, doch er rührte sich nicht.
„So ein verdammter Bullshit!“
Er drehte sich wieder um und blickte in gleißendes Licht, das den Tiefen des Hauses entdrang. Es schoss förmlich empor und strahlte die vergilbte Decke an. Es schien sich dort oben zu ver-dichten, schien an Konsistenz zu gewinnen. Es formte sich selbst zu fünf schillernden Kugeln. Reine Energie flimmerte an der De-cke.
Sie schwebten zwischen Dagger und der rettenden Tür, die in die Eingangshalle führte.
Eine der pulsierenden Energiekugeln löste sich aus dem Ver-bund und schwebte auf ihn zu. Sie tanzte vor seinem Gesicht, schien ihn zu studieren. Dagger zog die Maske von seinem Ge-sicht und starrte das grelle Licht an, unfähig sich abzuwenden.
Er hatte immer von einer übersinnlichen Begegnung geträumt. Er hatte sich aber nie im Leben geträumt, dass er dann solche Angst haben würde.
Das Licht schoss wieder an die Decke, verharrte dort einen Au-genblick und schoss dann direkt in seinen Brustkorb. Es durch-drang Haut, Muskeln und Knochen mühelos ohne sie zu beschädigen.
Dagger wurde auf den Boden geworfen. Der Aufprall raubte ihm den Atem. Er fühlte unglaubliche Hitze, die sich in seinem Körper ausbreitete. Er versuchte zu atmen, doch seine Kehle war wie zugeschnürt. So verzweifelt er auch versuchte, einen Atemzug zu erlangen, so fester schien sich seine Luftröhre zusammenzuzie-hen. Er fühlte unwahrscheinlichen Druck auf seinem Brustkorb lasten, als hätte sich jemand auf ihn drauf gesetzt.
Schließlich wurde ihm klar, dass er den Boden unter seinem Rücken nicht mehr fühlen konnte. Bis ihm schließlich bewusst wurde, dass er in der Luft schwebte, dass seine Füße den Boden nicht mehr berührten.
Langsam senkte sich ein schwarzer Schleier über seine Augen. Und der Druck in seinem Brustkorb steigerte sich ins unermessli-che.
Das letzte was er sah, war wie die Tür ihm gegenüber aufge-stoßen wurde und Gibson hereinkam, Tamara hinter sich. Er sah wie sein Gesicht jede Farbe verlor und er wie angewurzelt auf der Stelle stehen blieb.

„Hast du das auch gehört?“ Tamara war herumgeschreckt und verließ die Stube.
„Was soll ich gehört haben?“ Gibson folgte ihr.
„Ich weiß nicht genau, so eine Art poltern, glaube ich.“
Sie stand in der Eingangshalle und versuchte in der Dunkelheit etwas zu erkennen. Gibson kam mit der Kerze an und hielt sie sich über den Kopf. „Unsinn, da war nichts, das bildest du dir ein. Komm, ein Raum fehlt noch.“
Tamara folgte Gibson zur Küche. Er drehte sich zu ihr um und öffnete die Tür. Er machte einen Schritt in den Raum hinein und erstarrte als er Dagger unter der Decke schweben sah.
Tamara stand hinter ihm mit weitaufgerissenem Mund und ge-weiteten Augen. Sie wollte schreien, brachte jedoch keinen Ton heraus.
Wie paralysiert ging Gibson weiter in die Küche hinein. Seine Füße wirbelten den Staub auf dem Boden auf.
Er hörte hinter sich Tamara kreischen und ihre Schritte als sie davon stürmte.
Es hat funktioniert. Aber er sollte nicht da oben sein.
Gibson konnte die Augen nicht von Dagger wenden, dessen to-ter Körper keine zwei Meter vor ihm schwebte. Aus seinem Mund und seinen Augen strahlte ein grelles Licht, dass fünfzig Zentime-ter vor ihm in der Luft abgeschnitten zu sein schien.
Es verließ den Körper und sammelte sich an einem Punkt zu einer kleinen leuchtenden Kugel. Gibson wurde der anderen vier gewahr, die links neben ihm schwebten und sich nun um Dagger versammelten.
Der Leichnam fiel auf den Boden.
Blut trat aus jeder Pore hervor und breitete sich auf dem höl-zernen Boden aus. Langsam sickerte es durch die Spalten der Dielen.
Die Irrlichter bezogen in einem Kreis um Dagger herum Positi-on. Schwebten wenige Zentimeter über der roten Flüssigkeit, die das grelle Licht reflektierte.
Sie strahlten auf und verbanden sich miteinander, von jedem führten zwei Linien reinster Energie zu zwei anderen. Sie zer-schnitten Dagger’s Körper, wo sie in ihn eintraten und bildeten einen Stern.
Das ist kein Stern, es ist ein Pentagramm.
Oh Gott, was haben wir getan. Die Alten hatten doch recht.
Der gesamte Boden vibrierte und das Pentagramm erstrahlte in rötlichem Glanz, dann explodierte der Boden förmlich unter dem Druck der nach oben gerichteten energetischen Entladung.
Gibson begann langsam zu begreifen, dass es besser für ihn wäre, es Tamara gleich zu tun und von hier zu verschwinden. Noch immer konnte er seinen Blick nicht von dem einmaligen Schauspiel wenden. Doch langsam begann er sich rückwärts zu bewegen.
Vor ihm klaffte ein Loch und er spürte, wenn er dort hinunter-sah, würde er seinen Verstand, sein Leben, seine Seele verlie-ren. Er bündelte seine gesamte Willenskraft und drehte sich um. Er verließ so schnell er konnte die Küche und rannte durch die Eingangshalle, wobei er beinahe über den Kronleuchter gestol-pert wäre.
Hinter ihm wurde das rote Glühen allmählich schwächer.


Kommentare

rene.rohr@live.de schrieb am 2009-11-30 18:29:47:
ok die geht ja aba hänsel und gretel war schon ganz krass lang
DeadPhoenix@gmx.at schrieb:
Deine Story ist dir gelungen, finde ich. Sie hat auch die passende Länge.. mach weiter so! :)

Dead Phoenix [Autorin + Leserin]

Kommentar hinzufügen



Aufgrund des extremen Mißbrauchs der Kommentarfunktion sind wir leider gezwungen, die Kommentare ab sofort redaktionell zu überprüfen. Wir bitten um Ihr Verständnis.