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Kategorien > Kurzgeschichte > Kinder

Herbstgeschichte

von christasasso

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Herbstgeschichte

Es ist November und alle Bäume um unser Haus herum haben braune Blätter. Viele sind schon heruntergefallen und liegen auf dem Boden.
Als ich vor einigen Tagen unter der grossen Eiche stand, hörte ich plötzlich leise Stimmen, aber niemand war in meiner Nähe.
Ich dachte : können Blätter reden, nein, das ist unmöglich.

Ich lauschte und hörte aber tatsächlich, wie zwei Blätter miteinander sprachen.
Das eine Blatt sagte : „ Du, Nachbarblatt, ich spüre, dass ich bald herunterfallen werde, aber eigentlich würde ich lieber hier oben bleiben, wer weiss, was mich dort unten erwartet. Hier bin ich sicher.“
Das Nachbarblatt antwortete: „ Ja, da hast Du recht. Auch ich würde lieber hier bleiben. Aber wenn wir beide gleichzeitig herunterfallen, können wir unten zusammen etwas unternehmen, was hältst du davon? “
„ Das ist eine gute Idee, so machen wir es. “ erwiderte das andere Blatt.

Wenige Minuten später fielen beide gemeinsam vom Ast des Baumes.
Auf dem Boden angekommen sahen sie sich ein wenig um. Sie trafen viele andere Blätter, die aber nichts anderes tun wollten, als herumzuliegen.

Die beiden Blätter langweilten sich schon nach kurzer Zeit. Dann kam ein Windstoss und sie wurden in den nahen Wald gepustet. Dort standen ganz viele Kastanienbäume. Sie staunten nicht schlecht, als sie die grossen Blätter sahen und hatten sogar etwas Angst. Aber schnell merkten sie, dass ihnen die Blätter nichts tun wollten. Auch sie lagen faul herum und wollten nichts weiter, als ihre Ruhe.

Mit dem nächsten Windstoss wurden die beiden Eichenblätter hoch in die Luft gewirbelt und sie flogen weit weg. Als der Wind nachließ, landeten sie auf einer Strasse. Das war sehr schlimm. Kaum angekommen, fuhr ein Auto ganz nah an ihnen vorbei, dann kam ein Mensch und hätte sie fast mit seinen grossen Schuhen platt getreten. Die beiden Blätter zitterten vor Angst und wären am liebsten wieder auf ihrer Eiche.
Wieder kam der Wind und blies sie fort. Unterwegs sahen sie von oben auf ihre Eiche herab und auf die vielen Blätter, die darunter lagen. Als sie dann einen Mann sahen, der die Blätter zusammenfegte und sie dann in die Mülltonne schüttete, waren sie doch sehr froh, dass sie dem entkommen waren. So flogen sie weiter durch die Luft, hinweg über Dörfer und Felder. Nach einer ganzen Weile landeten sie auf einem hohen Berg.
Dort oben gab es nichts weiter als kahle Felsen und wenn man hinaufschaute, sah man sogar Schnee.
Den Blättern war es sehr kalt und sie waren recht unglücklich.
So hatten sie sich ihre Abenteuer nicht vorgestellt.
Nachdem sie eine ganze Weile auf dem kalten Felsen gelegen hatten und vor lauter Zittern kaum noch miteinander sprechen konnten, kam ein heftiger Sturm auf.
Der packte sie und wirbelte sie so hoch in die Luft, dass ihnen ganz schwindlig wurde.
Nach einem endlos langen Flug taumelten sie ganz benommen auf den Erdboden.
Als sie sich etwas erholt hatten und sich umsahen, waren sie völlig verwirrt. Es lag lauter Sand um sie herum, nichts weiter, kein Baum, kein Strauch.
Sie waren tatsächlich bis nach Afrika in die Wüste geflogen.
Nachdem sie sich von dem ersten Schrecken erholt hatten, fühlten sie sich sehr wohl dort. Es war immer schön warm, nur nachts wurde es auch in der Wüste kalt. Das störte die Blätter aber nicht, weil sie sich – schlau, wie sie waren - mit Sand bedeckten, bevor sie einschliefen.
Tagsüber tollten sie herum und hatten riesigen Spass mit ihren vielen Spielkameraden, den Millionen von Sandkörnern.
Das war ein Leben, genau nach ihrem Geschmack.
Vielleicht triffst du die beiden Blätter, wenn du eine Reise nach Afrika machst.


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