Herbstnachtsträume, Kap. 11
von
Yellow Orchid
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- Schluss mit Schauermärchen -
Der Schneefall musste über Nacht tatsächlich zugenommen haben, dachte sich Nicki, als sie sich endlich aus ihrem Bett gequält hatte. Sie liebte den Schnee und das, was er anrichtete: Er setzte den Häusern und Bäumen Puderzuckerhüte auf, brachte das Treiben auf den Strassen durcheinander und bescherte ihr ab und zu einen freien Tag. Allerdings konnte Nicki Montagmorgen so überhaupt nicht ab - der Beginn der Woche und abends die trostlose Aussicht auf vier weitere Tage Schule. Vielleicht würde ihnen ja der Schnee einen Morgen Ausfall schenken?
„Weiterschneien!“, befahl Nicki deshalb flüsternd, musste aber augenblicklich erkennen, dass – wenn es so weitergehen würde – der Schnee das Duell mit dem erbarmungslosen Schulleiter verlor. Gab es vielleicht einen Wettergott, den Nicki anbeten konnte? Sie seufzte leise. Eigentlich hätte sie sich beeilen sollen, da sie für die erste Stunde bereits in zehn Minuten auf der Matte stehen musste.
Nur schwer gelang es Nicki, sich dem Anblick des munteren Treibens hinter der Fensterscheibe zu entreissen und sich dem zuzuwenden, was der Tag für sie bereithalten würde: Unterricht. Wie konnte man bloss auf die Idee gekommen sein, Physik als erstes Fach der neuen Woche lehren zu lassen? Diese ersten 45 Minuten reichten für Nicki meist schon aus, um sich die Hoffnungen, sich irgendwann engagierter für die Schule zeigen zu können, in Trübsal vergraben zu lassen.
Wie Nicki feststellen musste, hatte ihre Zimmernachbarin ihre Raumhälfte bereits verlassen; das Bett war gemacht, die Sachen weggeräumt. Nicki wagte es nicht, einen Blick auf ihr eigenes Chaos zu werfen – dies hätte die geringe Motivation, die sie ob des Schneefalls verspürte, nur zurück auf den Nullpunkt gesenkt. Mit einer fahrigen Bewegung griff sie nach ihrer Schultasche, die sie mit zig Buttons zu Bands, die sie mochte, beheftet hatte, und trat in den Flur. Heftig keuchend hielt sich Nicki die Nase zu; es roch verdächtig nach Montagmorgen.
Dann eilte sie, so gut es ihre müden Beine zuliessen, die Treppe hinunter in das Erdgeschoss. Ihr Hauswart hatte es sich bereits auf einem kleinen Stühlchen auf der gegenüberliegenden Seite der Wand bequem gemacht und schnarchte leise vor sich hin. Bald schon, so dachte Nicki zumindest, würden die zarten Stuhlbeinchen dem Gewicht nachgeben und der gute Mann zu Boden krachen – was vielleicht kein schlechter Start in den Morgen bedeutete. Immerhin war man dann wach und verspürte an den richtigen Körperstellen Schmerzen, um es anschliessend als unmöglich zu betiteln wieder einzunicken.
„Du siehst schrecklich aus.“
Überrascht war Nicki einen Schritt zurückgesprungen. Nahe an der Tür, mit einem abweisenden Blick und einem hämischen Lächeln bestückt, fristete Lauren anscheinend bereits seit längerer Zeit ihr Dasein – Nicki meinte zu sehen, wie ihr linker Fuss bereits ungeduldig über den Boden scharrte.
„Dankeschön.“ Wieder einmal hatte Lauren ihr Talent für nette Bemerkungen bewiesen. Unauffällig musterte Nicki die Kleider, die sie trug; eigentlich war alles völlig normal. Ein schwarzer Pullover, der ihr fast bis zu den Knien reichte, dazu einfache schwarze Strumpfhosen und schwarze Chucks – alles ganz in schwarz, so, wie Nicki sich darin wohl fühlte. „Warum?“, hackte sie deshalb nach. Gleichzeitig rügte sie sich innerlich für das Interesse, das in ihr durch Laurens Aussage gekeimt war. Warum um Himmels Willen liess sie sich von diesem Mädchen aus der Fassung bringen?
„Du hast dunkle Ringe unter den Augen.“ Lauren lachte selbstzufrieden.
Erstaunt hob Nicki die Brauen. „Dann harmonieren sie ja perfekt mit meinem Pullover.“, meinte sie bloss.
„Du hast aber grüne Augen. Da fällt das auf.“ Nur kaum merklich hatte sich Laurens Miene geändert – ein Hauch Unsicherheit schwebte nun darin mit, was durchaus ungewöhnlich war, wie Nicki dachte.
„Ausserdem steht dir das Haar von allen Seiten ab.“
„Aha.“ Nicki runzelte die Stirn. Mit einer schnellen Bewegung – sie hoffte inständig, dass Lauren es nicht bemerkt hatte – fuhr sie sich durch ihr Haar. Ebenfalls wie immer; chaotische, rotbraune Möchtegern-Locken. Damit hatte sie sich schon längst abgefunden. „Alle Seiten? Das wären rechts, links, vorne und hinten – ich zähle vier. Wäre es da nicht logischer, von ‚vier’ anstatt von ‚alle’ zu sprechen?“ Nicki stöhnte genervt.
„Das Haar steht dir von vier Seiten ab?!“, höhnte Lauren.
„Warum nicht?“ Nicki zuckte die Achseln.
„Es klingt merkwürdig, darum.“ Lauren seufzte, ihr Fuss rutschte weiterhin über den Boden, doch der immer gleich bleibende Bewegungsablauf wurde nun in schnellerer Abfolge ausgeführt.
„Was machst du eigentlich hier?“ Nicki hatte wortlos weitergehen wollen, doch Laurens Blick hatte das Bedürfnis in ihr geweckt, nach dem Grund für Laurens Unsicherheit zu suchen.
„Nichts.“, fauchte Lauren unerwartet heftig.
„Du stehst also freiwillig vor der Tür zum Ausgang und riskierst so, zu spät in die Schule zu kommen?“
„Ach komm, Nicki. Tu nicht so, als ob dich das allen Ernstes interessiert.“ Lauren bedachte sie eines zornigen Blickes.
„Vielleicht interessiert es mich nicht. Aber es amüsiert mich.“ Ehe Lauren etwas erwidern konnte, schrie Nicki begeistert auf: „Ich hab’s! Du stehst hier, um den Leuten den Tag zu vermiesen und sie mit falschen Komplimenten zu bezirzen.“
„Das widerspricht sich, Nicki. Ich kann ihnen nicht gleichzeitig den Tag vermiesen und sie bezirzen.“ Lauren stöhnte gelangweilt.
„Ein normaler Mensch würde das wahrscheinlich nicht schaffen. Bei dir könnte ich mir das jedoch durchaus vorstellen…“
„Verschwinde endlich!“, zischte Lauren.
Schadenfreudig lächelnd schüttelte Nicki den Kopf. „Ich war es ja schliesslich nicht, die dieses Gespräch begonnen hat.“
„Na schön, du hast gewonnen. Ich warte auf Dominic – meinen Bruder. Was ist so falsch daran?“ Lauren hatte sich von der Wand weggestossen und lief erhobenen Hauptes an Nicki vorbei. „Und jetzt entschuldige mich. Ich gehe ihn suchen.“
„Wenn du einen Rat von mir willst – begrüss ihn mit ähnlichen Worten, wie du sie bei mir benutzt hast. Ich kann dir versichern; sie versüssen einem jeden den Tag!“, rief Nicki lauthals hinterher. Der Hauswart auf dem Stuhl grunzte leise, regte sich aber sonst weiterhin nicht.
Lauren hob drohend die geballte Faust in die Luft – dann verschwand sie hinter einem Schüler, der sich eben an ihr vorbei in Richtung Ausgang zwängte. Nicki sah, wie er alarmiert den Kopf eingezogen hatte und nur knapp einer Kopfnuss entgangen war. Im ersten Moment lachte Nicky amüsiert – bis sie erkannte, um wen es sich bei diesem anderen Schüler handelte. Joonas.
Mühsam schluckte Nicki. Was wollte er denn jetzt noch hier? Hatte die Schule nicht bereits begonnen? Von Panik erfasst drückte sich Nicki gegen die Wand – doch Joonas hatte sie bereits erblickt und steuerte geradewegs auf sie zu.
„Nein, nein, und nochmals nein“, fluchte sie leise. Wie sollte sie ihm bloss gegenübertreten? Nicht umsonst hatte sie während den
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Kommentare
Manuela schrieb am 2010-06-22 15:10:33:
SCHNELL EINE FORTSETZUNG ! Kanns kaum erwarten mehr von der Geschichte zu lesen :-)
BadAngel schrieb am 2010-06-15 16:39:25:
Super Story
schnell weiter schreiben...
lg
!!! schrieb am 2010-06-15 15:04:51:
schreib bloß schnell weiter!!!
LG
Emily schrieb am 2010-06-15 13:31:29:
Oh...dieser Teil war wie die davor einfach nur atemberaubend!!!
Aber bitte mehr von Juliane und Dominic!!! Die sind toll !!!! xD
Nella schrieb am 2010-06-15 12:22:51:
Eine tolle Fortzsetzung :)
Ich hoffe du schreibst ganz schnell weiter.
Lieben Gruß, Nella.
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