Herbstnachtsträume, Kap. 12
von
Yellow Orchid
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Sorry, dieses Kapitel ist wieder einmal recht lange geworden :-) Es gibt aber auch wieder mehr von Juliane und Dominic. Ich hoffe, euch gefällt der Teil :-) lg
- Vom Verzeihen und Gedeihen -
Reglos sass Hailey auf ihrem Bett. Die Karte, die ihr heute von ihren Grosseltern zugestellt worden war, hatte sie erstmals seit vielen Wochen auf die Veränderungen aufmerksam gemacht, die sie durchlebt hatte, seit sie sich an dieser Schule befand und hatte gleichzeitig aufgezeigt, wie schnell die Zeit doch entschwunden war; der Dezember hatte bereits seine eisigen Finger nach diesem verrückten Fleck Erde ausgestreckt – hatte das Datum nicht eben noch Ende August gelautet? Hailey hatte nicht bemerkt, wie die Tage kürzer geworden waren und mit ihnen die Bäume ihr nacktes Antlitz offenbarten. Tatsächlich hatte sie anscheinend jede Sekunde dazu aufgewendet, sich täglich von Neuem dem Wahnsinn einer Eliteschule zu stellen. Doch was hatte sie bisher überhaupt in Anbetracht der aufgewendeten Mühe erreicht? Sie hatte beinahe einen Kuss erhalten, flüsterte ihr ihre innere Stimme vor Sarkasmus triefend zu. Sie hatte stundenlang über Freundschaft gesprochen und fühlte sich nicht schlauer als vorher. Und zu guter Letzt hatte sie die Erfahrung gemacht, dass – wie verkehrt die Welt auch war – es immer noch schlimmer kommen konnte. Das Ergebnis fiel also mehr als nur niederschmetternd aus.
Mit dem Anflug eines Lächelns setzte sie sich auf. Welche Zeilen hatte sie einst in einem Lied erlauscht? „Your mistakes they not define you now, they tell you who you’re not. You’ve got to live this life you’re given like it’s the only one you’ve got.”, summte sie leise vor sich hin. Das Singen von Worten hatte sie längst aufgegeben – sie wollte keinem irdischen Wesen einen bleibenden Ohrenschaden bereiten. Aber irgendein Kern Wahrheit lag schon in diesen zwei Sätzen. Eine Weisheit fürs Leben sozusagen: Mach Fehler und sei stolz drauf, immerhin lebst du nur einmal. Hailey lachte vergnügt. Sie durfte also nur halbe Küsse erhalten. Sie durfte über Freundschaft nachdenken und nicht schlauer werden. Ausserdem war es durchaus nicht verkehrt, Teil einer verkehrten Welt zu sein – das alles gehörte zu irgendeinem Teufelskreis – zusammengestickt aus Missgeschicken - der vielleicht eines Tages nach vielen, vielen Fehlern Hailey überdrüssig und Gnade walten lassen würde, indem er sie aus seiner Bahn warf. Immerhin gab es trotz all dem Kräftespiel im Weltall immer noch Meteoriten, die sich trotz strengstem Ordnungsprinzip befreit hatten. Hailey hatte es also durchaus verdient, vergnügt zu lachen – sie war auf dem besten Weg, einer dieser Meteoriten zu werden, betrachtete man nur die Anzahl ihrer Missgeschicke in Bezug auf den zurückgelegten Zeitraum. Reinste Physik, also.
Für diese kleine Unachtsamkeit – ihr Lächeln - erntete sie einen giftigen Blick ihrer platinblonden Zimmergenossin; ausnahmsweise las diese in einem Schulbuch und wollte offenbar in ihrer Leselust nicht gestört werden. Da sie die Lektüre jedoch verkehrt herum hielt, schloss Hailey, dass der Lerneffekt nicht gross sein würde. Vielleicht war auf diese Weise die Versuchung geringer, die Stirn voller Konzentration kraus zu ziehen und so unnötig Faltenbildung zu riskieren? Hailey schauderte es bei diesem Gedanken.
Hatte sie sich letztendlich ebenfalls verändert? Zielte sie unaufhaltsam in die Richtung, die sie unweigerlich zu den typischen Charaktereigenschaften reicher Jugendlicher führen würde? Würde sie ebenfalls bald nur noch Äpfel essen, als begehre sie, das gleiche Schicksal wie Eva zu erreichen? Ein Spiel mit dem Feuer, anders ausgedrückt? Gibt Äpfel her, auch wenn ich dafür ins Exil verbannt werde… Würde sie bald nie mehr Lachen dürfen, nur damit ihre Haut glatt blieb?
Trotzig griff Hailey nach einem Schokobon, das neben ihrem Kopfkissen lag; seit wohl mehr als nur geraumer Zeit, doch ein Verfallsdatum war nirgends auffindbar. Wo sie bereits in Lebensmitteln dachte - vielleicht sollte sie ihren lachenden Kürbis mit roter Farbe lackieren – dann wäre er nicht nur aussergewöhnlich, sondern auch modisch heiss begehrt. Und zu alledem würde sie nach erfolgreicher Durchführung ihres Plans wie die Faust aufs Auge in diese wirre Welt passen. Wenn er doch bereits gegen das allgemein gültige Regelwerk für das Aussehens eines Kürbisses verstiess – er lachte! – würde er gegen etwas rote Farbe sicher nichts einzuwenden haben.
Nachdenklich griff Hailey nach dem Kürbis auf ihrem Nachttischchen und drehte ihn zwischen Zeigfinger und Daumen. Auch dieses Geschenk war bereits ein Monat alt. Sie seufzte schwach. Damals hatte Chris sie noch küssen wollen – heute waren sie in ihrer Beziehung weit weniger intim als an diesem längst vergangenen Abend. Und nun stand bereits der Weihnachtsball vor der Tür, von Halloween waren lediglich ihre Erinnerungen und dieser kleine Kürbis geblieben. Erneut seufzte Hailey. Die Zeit verging wirklich viel zu schnell. Wie um sicherzugehen, dass sie nicht zu schnell voran schritt, griff Hailey nach einem Schulbuch und überprüfte gleich zwei Mal, dass sie es richtig herum hielt. Der Fehler, einem dieser reichen Jugendlichen zu ähnlich zu werden, stand auf der Liste der Dinge, die sie noch erledigen musste und wollte, um dem Teufelskreis zu entgehen, an unterster Stelle. Lieber erhielt sie noch weitere zwanzig Fastküsse – solange es nur mit dem Kuss beim einundzwanzigsten Mal klappte.
Wie hatte sie nur so doof, so blöd, so idiotisch, so hingerissen sein können? Wie hatte sie – sowieso schon die Verrücktheit in Person – es geschafft, noch verrückter zu handeln? Bis zu diesem Tag hatte Nicki geglaubt, dass ein gewisses Level an Verrücktheit existierte, das nur von ganz bestimmten Wesen überboten werden konnte. Forscher gehörten dazu, die den Sinn des Lebens dadurch erforschten, dass sie merkwürdige Laute von sich gaben. Erwachsene Männer vielleicht, die in einem Supermankostüm zu Sommerzeiten seelenruhig durch die Stadt schlenderten – als läge es an den anderen, dass die Blicke plötzlich auf ihnen hafteten. Oder Tierfreunde, die Tauben zur Mittagszeit mit ihrem Imbiss fütterten. Nicht, dass Nicki etwas gegen komische Laute, Superman oder Mittagessen hatte. Nur – hätte der Forscher nicht auf ein Vokabular zurückgreifen können, das auch normalsterbliche Leute verstanden – so hätten sie zumindest ihre Gedanken teilen können, ohne gleich als psychisch labil eingestuft worden zu sein. Und hätte der Super-Mann mit seinem Spaziergang nicht bis Frühling warten können – da wäre es zumindest kühler und angenehmer gewesen. Schliesslich der Taubenflüsterer; hätte er nicht zumindest ein Brötchen für die Tauben kaufen können anstatt sie mit Junkfood zu vergiften? Nicht, dass sie etwas gegen Fremdsprachen, Hitze oder fettige Spaghetti hatte. Nur… Nicki seufzte frustriert. Auf alle Fälle – worauf sie eigentlich hatte hinaus wollen – hatte Nicki stets gedacht, dass selbst ihr Verstand sich vor solch hoch angesetzten Levels, wie dem
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Kommentare
BadAngel schrieb am 2010-08-18 17:16:40:
BItte schnell weiter schreiben.Es ist mega spannend!!!!!!!!!!!!
Emily schrieb am 2010-06-22 08:32:10:
Das wird immer besser...!!!! Und die Teile sind nie zu lang.
Eher zu KURZ!!! Weiter so!!! :)
!!! schrieb am 2010-06-21 16:28:22:
Lang? von mir aus könntest du noch mehr seiten schreiben!!!
die story ist sooo schön!!! schreib schnell weiter!!!
LG
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