Herbstnachtsträume, Kap. 2: "Alles nimmt seinen A
von
Yellow Orchid
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unschuldigen Geschöpfen ausgehen würdest. Es macht Spass, du solltest es mal versuchen.“
Lauren schnippte mit den Fingern. „Du rätst mir dazu, mir einen drogenabhängigen Badboy zu schnappen?“
„Ein bisschen unschuldiger sollte er wohl schon sein.“ Dominic zuckte lachend die Achseln.
Typisch für ihren Bruder. „Zu solchen Dingen werde ich in den nächsten Wochen keine Zeit haben. Ich muss an einem unsinnigen Projekt arbeiten. ‚Freundschaft‘ - dass ich nicht lache.“
„Aha. Dann warte erst mal das nächste Jahr ab. Ich musste heute Morgen meine erste Arbeit schreiben. Repetition. Man sollte den Lehrern sagen, dass Ferien nicht zum Lernen genutzt werden.“
„Du musst zumindest nicht Stunden deiner kostbaren Freizeit mit Kaitlin Hundsman und Nicole Mayer verbringen.“
„Ach, komm. Vielleicht sind die beiden ja gar nicht so schlimm.“ Dominic versuchte augenscheinlich, einen aufkommenden Lachkrampf zu unterdrücken. „Obwohl - viel schlimmer könnte es wohl nicht mehr werden.“
„Juliane Piper“, meinte Lauren bloss.
„Oha. Die volle Fraktion.“
Lauren nickte und nahm im gleichen Moment aus den Augenwinkeln wahr, dass Juliane sich den Weg zu ihr bahnte.
„Mir schwant Böses“, murmelte Lauren kopfschüttelnd.
Dominic grinste schelmisch. „Schicksal. Anstatt des drogenabhängigen Rockers erhältst du ein Mauerblümchen. Ich glaube, ich sollte jetzt gehen. Ich hab eben ein hübsches Mädchen…“
Lauren unterbrach ihn. „Hübsche Mädchen gibt es viele. Wie sieht es mit Intelligenz oder Charisma aus?“ Sie konnte wirklich nicht fassen, dass ihr Bruder so hatte werden können. Besass er vielleicht ein Gen, von dem sie glücklicherweise verschont geblieben war?
„Ach, komm schon. In unserem Alter hält das sowieso nicht lange. Das heisst, auf diese Eigenarten muss man keinen Wert legen.“
„Eigenarten?!“ Lauren schüttelte fassungslos den Kopf und starrte Dominic mürrisch hinterher, der bald schon in der Schülermasse verschwand. „Idiot“, murmelte sie und stellte sich innerlich auf das bevorstehende Gespräch mit Juliane ein.
Hailey sah ein kleingewachsenes, zierliches Mädchen auf sich zukommen. Es hatte hüftlanges, wirres rotes Haar und Hailey meinte, nur bereits an einem Ohr schätzungsweise zehn Ohrstecker abzählen zu können.
Das Mädchen hielt ihr gegenüber inne und meinte locker. „Was machst du hier?“
Erstaunt neigte Hailey den Kopf. Dass jemand hier freiwillig mit ihr sprach… Eine Premiere an diesem noch jungen Morgen. „Was meinst du?“
„Na, wir haben Pause“, führte das Mädchen aus, als liesse sich dies von selbst erklären und Haileys Verhalten daher so sonderbar, dass es zu Tuscheleien einlud.
„Das ist mir auch klar“, stotterte Hailey. Zumindest etwas, was sie gewusst hatte. Ansonsten hatte sich diese Schule ihr bisher eher als verwirrend dargestellt.
„Du bist neu, nicht?“ Das andere Mädchen liess ihr keine Zeit zu antworten. Stattdessen fuhr es unbekümmert mit seiner Erklärung fort. „Dann kannst du es nicht wissen. Nur Langweiler bleiben während der Pause im Klassenzimmer. Die interessanten Leute gehen nach draussen. Und da wir beide nun mal augenscheinlich typische ‚ich-will-interessant-sein’-Personen sind, gehen wir ebenfalls nach draussen.“
Hailey zögerte, erhob sich dann aber willig. Vorsichtig lächelnd folgte sie dem Mädchen aus dem Raum und auf den weitaus lauteren und volleren Schulgang. Sie bezweifelte, dass sich tatsächlich alle Schüler draussen versammelten. Doch Hailey beschloss, das Spiel des anderen Mädchens mitzuspielen.
„Und was macht ihr im Winter?“, fragte sie also unschuldig.
„Da frieren wir uns den Allerwertesten ab.“ Das Mädchen zuckte die Schultern, als sei dies die verständlichste Schlussfolgerung. „Ich bin übrigens Nicole Mayer. Aber nenn mich Nicki. Nicole klingt zu üblich. Zu uninteressant halt. Und uninteressant zieht in dieser Welt leider nicht.“
Hailey grinste amüsiert. „Na dann – hi Nicki.“
Nicki öffnete mit einem einfachen Tritt die Tür des Schulgebäudes und trat ins Freie. Eine ungewöhnliche Vormittagshitze schlug Hailey entgegen, als sie über die Türschwelle auf den abgehenden Kiesweg trat. Sie folgte Nicki unschlüssig zu einer Wiese, auf der sich etliche Holztische der Marke Eigenbau wiederfanden. Entschlossen trat Nicki an einen freien Tisch und bedeutete Hailey, sich zu setzen.
„Ich habe mich wahrscheinlich gleich gefühlt wie du. Einsam und Grau.“, meinte sie nun seufzend und legte das Kinn in die Hände.
„Grau?“, erwiderte Hailey kritisch.
„Grau. Ein grau der ganz grauen Sorte. Als ich neu war, hatte ich auch keine Freunde. Die habe ich bis heute nicht. Ausser vielleicht Adam. Aber den ausgenommen, habe ich mich bisher von den meisten Leuten ferngehalten. Aus gutem Grund, wenn du mich fragst.“ Nicki musterte sie grinsend.
„Oh.“ Hailey hob verwirrt die Augenbrauen. Sie wusste nicht, was sie sonst hätte sagen sollen.
„Du hast traurig ausgesehen, wie du alleine da gesessen hast. Darum habe ich dich mitgenommen. So hab ich meine gute Tat für diesen Tag auch bereits erledigt. Und natürlich auch, weil du mit mir in einer Gruppe bist und ich in naher Zukunft mit dir an einem Projekt arbeiten werde. Nicht das mir Schulprojekte was bedeuten, aber na ja… Irgendwie muss man ja durchs Jahr kommen.“ Nicki beendete ihren Wortschwall mit einem neckischen Grinsen und schnappte keuchend nach Luft.
„Na dann, danke für deine Fürsorge.“
„Höre ich da etwa Spott heraus?“
„Nein, nein, es ist nur, dass ich nicht erwartet hätte, dass sich jemand darum kümmert.“, beschwichtigte Hailey. Tatsächlich empfand sie Sympathie für das andere Mädchen, das aus welchem Grund auch immer den Mut aufgebracht hatte, sie mit nach draussen zu zerren. Um Haileys Lippen legte sich ein ehrliches Lächeln.
„Ich weiss, es gibt nicht viele gesellschaftsorientierte Menschen in der grossen, weiten Welt.“ Nicki seufzte theatralisch. „Hab ich’s doch geahnt: Da kommt Juliane.“
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Kommentare
jenny schrieb am 2010-02-03 16:06:54:
wow. echt gut. schnell weiter!!
lg
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