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Kategorien > Jugendliebe > Life Is Peachy With(-Out) You

Herbstnachtsträume, Kap. 4: "Darf ich vorstellen?

von Yellow Orchid

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(4) - Darf ich vorstellen? –



Die letzten Sommertage schienen vorüber. Immer häufiger legte sich morgens eine dicke Schicht Nebel über die Gebäude des Internats, der kein Platz mehr für die wärmende Sonne liess. Die Kleider wurden dennoch nicht züchtiger - Nicki glaubte sich wie jedes Jahr, seit sie sich an dieser Schule wiederfand, in einem wirren Schauspiel mit schrägen Charakteren gefangen. Dieses Jahr galt es die Sommerbräune mit allen Mitteln zu behalten. Genervt blickte Nicki an sich herunter – ihre Haut war weiss, wirkte fast schon kränklich, so, wie sie es immer tat. Die schwarze Kleidung, die sie trug, bot dazu einen ausserordentlich guten Kontrast. Dass niemand diesem Modetrend folgte - daran hatte sie schon längst nicht mehr zu knabbern.
Misstrauisch beäugte Nicki das Sandwich, das sie in der Schulküche gekauft hatte. Für ein Eliteinternat schienen das Salatblatt unappetitlich braun und die einzelne Scheibe Tomate ungewohnt säuerlich riechend.
„Wollen sie uns jetzt alle auf Diät setzen?“ Mürrisch legte sie das Brötchen zurück auf ihr Tablett.
Der Junge ihr gegenüber – ebenfalls in schwarz gekleidet, jedoch mit olivfarbener Haut und langen Rastas – grinste sie über den Rand seines Buches hinweg an. Adam, der einzige Freund, der ihre Neurosen halbwegs verstand und zumindest ansatzweise ebenso verrückt wie sie selbst war.
„Vielleicht wollen sie bloss neue Esstrends setzen?“
„Vergammelte Tomaten? Und seit wann liest du?“ Mit knurrendem Magen starrte Nicki auf den Teller Pasta, der sich auf dem Adams Tablett auf der anderen Tischseite befand.
„Du klingst überrascht“, erwiderte Adam gespielt beleidigt.
„Seit wann liest du?“ So leicht konnte er sie nicht aus der Fassung bringen. Sie kannte Adam viel zu gut – gemeinsam waren sie durch die verschiedensten Lebensabschnitte gerauscht: Von der „Der erste saftig-rote Pickel“-Phase bis hin zur „Wir sind nun zu alt für Barbies und Game Boys“-Phase. Daher konnte Nicki mit felsenfester Inbrunst behaupten, dass Adam einfach nicht der Typ Mensch war, der das Lesen eines Buches als Vergnügen betrachtete.
„Seit mir meine Englischlehrerin Hausaufgaben für die nächste Stunde aufgegeben hat.“
„Du erledigst die Hausaufgaben?“ Nicki sagte dies mit ungewollt schriller Stimme. Erschüttert schüttelte sie den Kopf. „So tief bist du also schon gesunken.“ Wie hatte die Zeit sie doch alle verändert?, fügte Nicki in Gedanken hinzu. Als sie noch naiv, stolze Barbiebesitzerin und Piercing-los gewesen war, dachte Nicki weiter, war alles eindeutig einfacher gewesen. Mürrisch wagte sie einen weiteren begierigen Blick auf den Pastateller ihr gegenüber.
„Ich bin letztes Jahr fast durchgefallen, vergessen? Meine Mutter reisst mir den Kopf ab, wenn ich so weiter mache.“ Adam lachte schallend, doch Nicki beachtete ihn nicht gross.
„Ein Buch. Kein einzelnes Blatt Papier, kein Comic. Ein Buch.“ Noch immer ungläubig schüttelte Nicki den Kopf.
„Richtig festgestellt. Willst du etwas Pasta?“ Der Junge seufzte theatralisch. „Sonst fallen dir ja noch die Augen aus dem Kopf.“
„Pasta?“
„Nimm ruhig.“
Erst allmählich verstand Nicki die plötzliche Wendung ihres Gesprächs. Es lag ihr auf der Zunge, Adam erneut wegen seines plötzlich aufgetauchten Pflichtgefühls aufzuziehen, doch da ihr Magen ihr mit Boykott drohte, begnügte sie sich schliesslich mit einer Gabel Pasta.
Die Spaghetti hatten eindeutig besser ausgesehen, als dass sie tatsächlich auch mundeten, schloss Nicki resigniert. Dennoch stibitzte sie eine weitere Gabel. Ja, entschied sie schliesslich, das Kantineessen war wie gewöhnlich äusserst gewöhnungsbedürftig. Adam hingegen verhielt sich an diesem Tag so gar nicht gewöhnlich.
Ehe Nicki jedoch ihren Gedanken Ausdruck geben konnte, wurde sie von einem fremden Jungen unterbrochen, der von ihr unbemerkt an den Tisch getreten war und empörender Weise sofort Adams ungeteilte Aufmerksamkeit zugesprochen bekam.
„Joonas, da bist du ja.“, kam es prompt aus Adams Mund. Es folgte ein vergnügtes Lächeln, dass Nicki Kopfschmerzen bereitete. Irgendetwas stimmte hier nicht. Die ganze Situation wirkte irgendwie verkehrt. Und – natürlich - verstand Nicki nur Bahnhof. Was machte dieser Junge an ihrem Tisch? Und warum hatte Adam ihn bereits erwartet?
Missmutig hob sie den Kopf, um dem Neuankömmling genauer unter die Lupe zu nehmen. Der Junge hatte blondes, kurzes Haar und eisblaue Augen. Sein Mund war zu einem schmalen Strich verzogen, was ihn insgesamt ernst erscheinen liess. Er trug einfache Jeans und ein locker sitzendes Hemd.
„Danke, dass du gekommen bist.“ Adam nickte, offenbar immer noch erfreut.
Hätte Nicki Gedanken lesen können, hätte sie diese Trumpfkarte nun gezogen. Zu gerne hätte sie denn Sinn hinter Adams Worten verstanden. Warum sollte er plötzlich neue Kontakte schliessen wollen? Das passte so überhaupt nicht zu seinen Prinzipien, die da besagten, dass alle Internatsschüler hoffnungslose Dummköpfe waren. Ausgenommen Nicki, natürlich. Nicki, so lauteten Adams Erklärungen des Öfteren, war vielleicht hoffnungslos verwirrt, aber garantiert nicht dumm. So kniff Nicki irritiert die Augen zusammen und starrte Adam fragend an.
„Ähm, setz dich doch.“ Mit einer einfachen Geste deutete Adam auf den dritten Stuhl, der sich zwischen Nicki und ihm befand, Nicki bestimmt ingorierend. Der blonde Junge erwiderte nichts darauf. Wortlos rückte er den Stuhl zurecht und liess sich darauf nieder.
Nicki spürte instinktiv, dass sie eingreifen musste: Die völlig ungewohnte Situation drohte ihr über kurz oder lang die Sprache zu verschlagen. Und Nicki verschlug es unter normalen Umständen nicht so leicht die Sprache.
„Hallo auch.“, murmelte sie schliesslich. Joonas nickte ihr als Antwort lediglich zu.
„Was machst du hier?“ Nicki ahnte, dass ihre Frage leicht als unverschämt aufgefasst werden konnte. Deshalb fügte sie zögernd hinzu: „Nicht, dass mich deine Gesellschaft stören würde, sie ist nur etwas irritierend…“ Verdattert hielt Nicki inne und starrte auf das Buch, das der Junge soeben aus seiner Tasche gekramt hatte; es war dasselbe, in dem auch schon Adam geblättert hatte (dass er tatsächlich darin gelesen hatte, mochte Nicki nicht wirklich glauben).
„Er hilft mir.“ Adam grinste amüsiert.
„Was…?“
„Damit ich besser mit der Literatur klar komme. Du weißt schon… Ich und Bücher – wir pflegen nicht gerade eine freundschaftliche Beziehung.“
„Warum hast du mir nichts davon erzählt?“ Nur langsam begriff Nicki Adams Erklärung und doch fühlte sie sich keineswegs weniger verwirrt.
„Wenn du mich doch mal zu Wort lassen würdest. Aber du lachst dich ja schon kaputt, wenn ich ein einfaches Buch in der Hand halte.“
„Ein einfaches Buch? Dir ist der Schwierigkeitsgrad doch immer egal gewesen. Normalerweise hat es schon genügt, wenn du alleine das Wort ‚Buch’ gehört hast!“ Nicki schüttelte den Kopf. Sie wollte lachen, doch tatsächlich brachte sie es nicht fertig.
„Das hat sich jetzt nicht auf den Schwierigkeitsgrad bezogen.“ Adam nickte noch

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Kommentare

Ein-guter-Tipp schrieb am 2010-02-07 21:15:35:
Hallo, daß hat zwar nichts mit der Geschichte zu tun, aber ich muß hier mal was loswerden:
Nervt das euch nicht auch, wenn man in den Suchmaschinen nur Angaben findet,
die man nicht gebrauchen kann? Wenn man ein Suchwort eingibt, werden meistens
auf den forderen Plätzen nur irgendwelche Müllseiten angezeigt.
Das muß aber nicht sein, ich kenne jetzt eine Seite, wo man mit einem Klick
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Smilla schrieb am 2010-02-06 20:02:20:
Wirklich eine richtig tolle Geschichte!!
Du hast einen unglaublichen Schriebstyle.
Man kann sich richtig gut in die Personen hinnein versetzten.
Ich bin total von deiner Geschichte begeister und hoffe das so schnell wie möglich die Fortsetzung kommt, liebe Grüße Smilla (:

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