Herbstnachtsträume, Kap. 5: "Vom Reden und Lernen
von
Yellow Orchid
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steht das Wort ‚Seifenoper’ bereits breit und leuchtend auf deiner Stirn, wenn du die guten Zeiten und die schlechten Zeiten irgendwie miteinander verknüpfen willst. Jetzt musst du es nur noch in deinem Roman, den du gerade in dein Notizheft schreibst, erwähnen.“ Nur kurz hielt Lauren inne, um Luft zu holen. „Oh, pardon. Da wird das Wort ‚Seifenoper’ dann neben all den ‚gute Zeiten’ und dem sonstigen Kitsch, die du zu Dutzenden da rein geschrieben hast, untergehen, also funktioniert mein Plan doch nicht richtig.“
„So weit sind wir noch nicht, um bereits über einen genaueren Fortlauf nach unserer Begriffesammlung diskutieren zu können. Lasst uns später über solche Dinge sprechen. Sammeln wir besser erst weiter Begriffe.“ Juliane schüttelte schwach den Kopf, ehe sie ihre Aufmerksamkeit wieder ihrem Notizbuch zuwandte. Anscheinend hatte Juliane ihr überhaupt nicht zugehört, schloss Lauren verärgert.
„Davon haben wir doch bereits fünf Seiten. Was willst du mehr?“ Ungläubig starrte Lauren zu Juliane herunter.
„‘Banane‘ und ‚Schale‘. Schreib das noch auf. Aber bitte getrennt; es soll schliesslich nicht ‚Bananenschale‘ heissen.“, warf Nicki ein.
Tatsächlich blickte Juliane erneut von ihren Notizen hoch. „‘Banane‘ und ‚Schale‘?“
„Würde denn die Banane ohne ihre Schale überleben? Würde irgendjemand noch Bananen essen? Das nenne ich wahre Freundschaft.“
„Oh, gut.“ Lauren sah, wie sofort der Stift in Julianes Hand zuckte.
„Das sollte wohl Sarkasmus gewesen sein.“, murmelte das Mädchen mit den blonden Engelslocken. Hailey, wie sich Lauren erinnerte. Nur selten warf sie etwas ein, was Lauren ihr nicht verübeln konnte.
Das Mädchen mit den strähnigen Haaren, das Lauren als Kaitlin zu benennen wusste, keuchte erschrocken auf.
„Alles in Ordnung?“ Nicki hatte von ihrem stumpfen Bleistift abgelassen und den Blick gehoben.
„Hailey hat sich plötzlich gemeldet und ich war gerade etwas abgelenkt…“, murmelte Kaitlin mit unsicherem Blick.
„Pass auf, sonst erstickst du noch an den M&Ms, die du ständig in den Pausen in dich hineinstopfst.“ Lauren verdrehte genervt die Augen. Das, was sie nun am wenigsten gebrauchen konnte, war Ablenkung. Sie sassen nun bereits seit über zwei Stunden an ihrem Projekt, ohne wirklich weiter gekommen zu sein. Dominic wartete beim Fussballfeld auf sie, und würde sie zu spät kommen, müsste sie sich seine ganze Trainingsstunde über gedulden, ehe sie mit ihm sprechen konnte. Zudem bedeutete es die letzte Trainingsstunde bevor eine grössere Pause anstand – das heisst, sein Coach Old Bernie würde die eigentliche Trainingszeit mit Sicherheit stark strapazieren.
Kaitlins Wangen glühten rosarot, wie Lauren nun bemerken musste. Nicki sah sie kühl an.
„Lass deine Aggressionen an anderen Menschen aus.“
„Ich wüsste nicht…“ Ehe Lauren zu Ende sprechen konnte, wurde sie bereits unterbrochen.
„Wir schreiben Tagebuch.“ Es war Hailey, die gesprochen hatte.
„Tagebuch?“ Juliane, die der drohende Streit zwischen Nicki und Lauren kalt gelassen hatte, schaute verwirrt auf.
„Wir berichten von den Fortschritten in unserer Gruppe, was nicht unbedingt schwierig sein dürfte, weil wir alle so verschieden sind.“ Hailey nickte zuversichtlich.
„Nennst du die Entwicklung unseres heutigen Gespräches fortschrittlich?“ Lauren schüttelte herablassend lachend den Kopf.
„Uns bleibt noch genügend Zeit. Keine Eile also, uns irgendwann zu einer Gruppe zu entwickeln, deren Mitglieder sich nicht ununterbrochen bekriegen.“, entgegnete Hailey.
„Vielleicht sollten wir eigene bisherige Erlebnisse einbinden? Pro Sitzung spricht jeder über einschneidende Erlebnisse aus seiner Vergangenheit? So lernen wir uns besser kennen und können Erinnerungen teilen.“ Juliane schloss sich Hailey an und nickte ebenfalls, die Augen vor Begeisterung wild funkelnd.
„Dann entpuppt sich das alles tatsächlich immer mehr zu einer Stunde beim Seelendoktor; zuerst die Analyse der eigenen Vergangenheit, dann eine Diskussion zu den guten Zeiten.“ Lauren schüttelte ungläubig den Kopf.
„Und du glaubst tatsächlich, dass wir eine solche Stunde nicht schon längst nötig hätten?“ Nicki nickte ebenfalls. „Machen wir’s so.“
Dominic befand sich bereits vor dem zwei Meter hohen Gitter, das das Fussballfeld von der frei zugänglichen Wiese abgrenzte, als Lauren heftig schnaufend bei ihm ankam. Ihr Unmut, der während des Gesprächs mit den anderen Mädchen gekeimt war, war noch immer nicht vollständig abgeklungen. Sie hörte ihren Magen protestierend rumoren.
„Du bist jetzt den ganzen Weg gerannt und trotzdem sitzt dein Haar perfekt.“, stellte Dominic spitzbübisch lachend fest.
„Es ist ein Fussweg von fünf Minuten.“, warf Lauren mürrisch ein.
„Immerhin. Für jemanden, der normalerweise jede Art von Sport verabscheut, ist das keine schlechte Leistung.“
„Ich verabscheue Sport nicht. Ich kann nur Besseres mit meiner Freizeit anfangen.“ Noch immer keuchend strich sich Lauren eine einzelne Strähne aus der Stirn. „Aber jetzt genug mit den Komplimenten. Du wolltest mit mir sprechen. Ich nimm an, dass es nichts Gutes bedeutet, wenn du schon beginnst, meine Frisur zu preisen?“ Sie unterliess es, anzufügen, dass sie jegliche Diskussionen über ihr Haar hasste, vor allem nachdem sie sich die vorangegangenen Stunden gelangweilt hatte.
„Ich schätze, ich brauche deine Hilfe. Und glaub ja nicht, dass dies auf meinem Mist gewachsen ist.“ Dominic zuckte die Achseln.
Erleichtert stellt Lauren fest, dass sich ihr Atem normalisiert hatte. „Was ist nicht auf deinem Mist gewachsen?“
„Vielleicht muss ich das Jahr wiederholen.“
„Und dann mit mir im selben Jahrgang sein? Niemals.“ Ungläubig schüttelte Lauren den Kopf. Seit wann sollte ich ach so perfekter Bruder Schwierigkeiten in der Schule haben?
„Eigentlich habe ich eher erwartet, dass du lachst. Schliesslich ist es meine Schuld, wenn ich meine Zeit für… andere Dinge… verwende.“
Irritiert nickte Lauren. Ihr Bruder machte Eingeständnisse. Dass sie dies eines Tages erleben würde – darauf hätte sie normalerweise keinen Cent gewettet.
„Du kennst doch dieses Fach, das nur aus unnötigen Gleichungen und unverständlichen Formeln besteht?“ Tatsächlich schien es Lauren, als wirkte ihr Bruder unruhig. So begann sie zu begreifen, was ihr Bruder ihr eben mitteilen wollte.
„Mathematik?“ Nur kurz hielt sie inne. „Du kannst doch nicht… ich meine…“
Sie wurde von ihrem Bruder unterbrochen. „Dann könntest du mir also Nachhilfe geben?“
„Ich dir? Aber…“ von der Frage überrumpelt hob Lauren abwehrend die Arme. „Ich bin ein Jahrgang unter dir!“
Dominic verzog gespielt gekränkt das Gesicht. „Und das spricht dagegen, dass du mir helfen kannst?“
„Nein. Oder ja. Immerhin hinke ich dir ein Jahr nach. Wie soll ich da deinen Stoff verstehen? Ich denke nicht, dass sich ein Mädchen aus deinem Jahrgang weigern wird, dir zu helfen.“ Erneut fuhr sich Lauren durchs Haar. Ihre Finger zitterten. Alles hätte sie erwartet, nur nicht ein älterer Bruder, der sie um Hilfe bat.
„Wenn ich mit anderen Mädchen lerne,
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Kommentare
!!! schrieb am 2010-03-15 17:32:51:
Wann gehts weiter? Ich hoffe doch ganz schnell!
lg
Smilla schrieb am 2010-02-08 19:02:00:
Boah hab ich mich gefreut als ich deine Fortsetzung gesehen habe ;D
Ein sehr schöner Teil, mach weiter so.
Bin total gespannt auf die Fortzsetzung, lieben Gruß Smilla.
MOon Dancer schrieb am 2010-02-08 16:27:16:
echt gut=) mach weiter so!!
lg
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