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Kategorien > Jugendliebe > Life Is Peachy With(-Out) You

Herbstnachtsträume, Kap. 5: "Vom Reden und Lernen

von Yellow Orchid

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Versuch, ihren schrillen Ausruf vergessen zu machen.
Sie erhielt keine Antwort.
„Hallo.“ Ohne zu überlegen hatte sie die Begrüssungsfloskel noch einmal wiederholt, nicht sicher, ob er sie nicht erkannt oder nicht gehört oder gar beides nicht getan hatte. Erneut blieb ihr Gegenüber ihr eine Antwort schuldig. Stattdessen starrten sie die merkwürdig funkelnden Augen nun teilnahmslos an – so zumindest meinte es Nicki erkennen zu können. Dieser Junge schien wirklich nicht viel von seinem Sprechorgan zu halten.
„Hallo.“ Sie begann sich blöd vorzukommen. Ungeduldig trat sie von einem Fuss auf den anderen. Gleichzeitig jedoch spürte sie, dass sie nicht einfach umkehren konnte; irgendeine Region in ihrem Verstand hielt sie davon ab, ohne eine Antwort erhalten zu haben, wieder in der Dunkelheit zu verschwinden. Vielleicht war das Aufflackern der Strassenlampe sogar ein göttliches Zeichen dafür gewesen, dass Nicki hier bleiben sollte? Oder lag es bloss daran, dass sogar ihr ein gewisses Mass an Manieren eingetrichtert worden war? Kopfschüttelnd wagte sich Nicki einen Schritt vor; sie hatte ebenfalls nicht vor, Begrüssungsfloskeln über das ganze Schulgelände hinweg zu brüllen, nur um dann keine Antwort zu erhalten.
„Weisst du, mir gefällt es durchaus, Selbstgespräche zu führen…“ Und insgeheim führte sie fort: Wehe, du verstehst den Wink mit dem Zaunpfahl nicht. Ich weiss nämlich nicht, wie lange ich warte, ehe ich ihn nicht mehr nur noch zum Winken benutze… Denn immerhin galt Nicki allgemein als eine gnädige Person: Ein einfaches „Hallo“ als Antwort hätte ihr bereits genügt.
„Sorry, ich bin gerade nicht wirklich in der Laune zu reden.“
Tatsächlich zuckte Nicki erschrocken zusammen. Hatte Joonas soeben wirklich mit ihr gesprochen? Seine ersten Worte, wie Nicki bewusst wurde, abgesehen von dem rüden „Sommernachtstraum“, das er ihr damals womöglich zugeraunt hatte.
„Du bist nicht in der Laune, ein einfaches ‚Hallo’ in meine Richtung zu schleudern, egal wie schlechtlaunig es auch klingen mag?“ So leicht gab sich Nicki dann jedoch doch nicht geschlagen - in jeder harten Schale steckte bekanntlicherweise irgendwo ein weicher Kern. Ein gesprächiger Kern.
„Mir geht’s nicht so gut.“, erklärte Joonas und gab sich erneut kurzangebunden.
Schon zwei ganze Sätze. Nicki nickte – wie sie empfand – verständnisvoll.
„Da hast du Glück. Ich hab wirklich Talent, Leute aufzumuntern. Zumindest meistens.“
„Nein, schon gut.“
Nicki zuckte lächelnd die Achseln. „Dann hast du doppelt Glück. Es passiert sowieso immer gegen ihren Willen.“
„Na, dann…“ Joonas tat es ihr gleich und zuckte die Achseln. Wie bei ihrem ersten Zusammentreffen hatte er den Mund zu einem dünnen Strich verzogen, nur, dass es seine Mimik dieses Mal noch griesgrämiger wirken liess.
„Was tust du hier draussen?“ Nicki beschloss, zumindest einen letzten Versuch zu wagen, ein Gespräch mit ihm aufzubauen.
„Schlechtlaunige ‚Hallo’ verteilen.“
„Oh.“ Nicki konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. „Dann sollte ich jetzt wohl beleidigt sein, weil du mir ein solches ‚Hallo’ vorenthalten hast?“
„Nein, eigentlich solltest du dich geschmeichelt fühlen, dass ich bei dir eine Ausnahme gemacht habe.“ Mit gleichsam ausdruckslosem Gesicht schritt Joonas an ihr vorüber. Nicki folgte ihm stur. So leicht liess sie sich nicht abwimmeln.
„Ansichtssache.“
„Was?“
„Na, die Sache mit dem ‚Hallo’. Und was machst du wirklich so spät noch hier draussen?“ Nicki ertappte sich dabei, wie sie ungeduldig auf ihrer Unterlippe herum biss – dieser Junge trieb sie in den Wahnsinn.
„Ich bin zwei Jahre älter als du. Ich bin in meinem letzten Jahr.“
„Mit dieser Masche kommst du nicht durch. Oder willst du etwa damit sagen, dass die Schulregeln deshalb für dich weniger gelten als für andere?“ Nicki schüttelte heftig grinsend den Kopf. Sie wusste nicht, was es war, das sie so amüsierte. Wahrscheinlich, so dachte sie zumindest, handelte es sich um sein ablehnendes Verhalten, das bezwecken sollte sie loszuwerden. Nicht mit mir, Freundchen, dachte sie nur bei sich. Hatte Nicki erst einmal Feuer gefangen, mussten ihre Gesprächspartner selbst eine Möglichkeit finden, es wieder zu löschen.
„Ich habe jemanden getroffen. Jetzt zufrieden?“ Joonas seufzte, allem Anschein nach aufgebracht. „Adam hatte mich schon vor dir gewarnt.“
„Dankeschön.“
„Du bedankst dich?“
Nicki konnte es sich nicht verkneifen schallend zu lachen. „Na, dass ihr über mich redet, heisst doch in anderen Worten, dass ich wichtig bin.“ Sie nickte grinsend. „Wen hast du getroffen?“ Ihre Neugier warf mittlerweile tänzelnde Flammen, Taktgefühl hin oder her.
„Er hat damit wirklich nicht untertrieben.“ Erneut entfuhr Joonas ein Seufzer.
„Du sprichst also mit ihm, schenkst mir aber kein einfaches, schlechtlauniges ‚Hallo’? Irgendwie hab ich so das Gefühl, dass die Sache mit der Ausnahme wirklich nicht als Kompliment zu verstehen ist.“ Gespielt enttäuscht verschränkte Nicki die Arme und blieb stehen. Tatsächlich machte auch Joonas Halt und wandte sich ihr zu.
„Wie sollte ich ihm sonst in der Schule helfen?“
„Zeichensprache.“ Eine einfache Erklärung, wie Nicki empfand.
„Zeichensprache?“ Ihr Gegenüber schien verblüfft.
„Da du ja allem Anschein nach nicht gerne sprichst…“
„Ist dir noch nicht die Idee gekommen, dass das vielleicht an dir liegen könnte?“ Erneut ein Seufzer.
„Ha!“ Triumphierend ballte Nicki die Hände zu Fäusten. „Hab ich’s mir doch gedacht. Deshalb auch die Sache mit dem vorenthaltenen schlechtlaunigen ‚Hallo’.“
Joonas durchbrach die sich auflockernde Atmosphäre mit einem einzigen Satz: „Ich habe heute Abend meine Ex-Freundin getroffen – sie ist… war nicht auf dem Internat. Deshalb das Treffen bei den Gitterstäben.“
Nicki senkte verdattert die Arme. „Was?!“ Wann hatte er entschlossen, ihr doch auf ihre Frage nach dem Grund für seinen nächtlichen Spaziergang zu antworten?
Joonas zuckte die Schultern. „Das wolltest du doch wissen, nicht?“ Nicki glaubte zu erkennen, dass seine Gesichtszüge sich verhärtet hatten.
„Also eigentlich…“ Tatsächlich war Nicki sprachlos. Welche Erwiderung mochte er von ihr erwarten?
„Genauer gesagt hat sie heute Nacht Schluss gemacht.“ Sie spürte instinktiv, dass Joonas nicht so gleichgültig war, wie er sich gab.
„Das erklärt wohl auch die Sache mit dem schlechtlaunigen ‚Hallo’“, folgerte Nicki vorsichtig. Sie fühlte sich zunehmend unwohl in ihrer Haut. Warum schaffte sie es bloss nicht, sensibler zu sein? Irgendwie machte es den Anschein, dass sie in jedes Fettnäpfchen tappte, das sich ihr bot, nie um den Gebrauch von spitzen Krallen verlegen, die den Napf zum Platzen brachten und Nickis Peinlichkeiten so für jeden ersichtlich werden liessen.
„Ja, das tut es wohl.“ Nicki hatte aufgehört, die Joonas Seufzer zu zählen.
„Dann hatte sie dich wohl einfach nicht verdient.“ Nicki stotterte dies mehr, als dass sie es klar aussprach; sie hatte keine Ahnung, was sie da gerade tat.
„Wie war das noch gleich mit deinem Talent für Aufmunterungen?“,

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Kommentare

!!! schrieb am 2010-03-15 17:32:51:
Wann gehts weiter? Ich hoffe doch ganz schnell!
lg
Smilla schrieb am 2010-02-08 19:02:00:
Boah hab ich mich gefreut als ich deine Fortsetzung gesehen habe ;D
Ein sehr schöner Teil, mach weiter so.
Bin total gespannt auf die Fortzsetzung, lieben Gruß Smilla.
MOon Dancer schrieb am 2010-02-08 16:27:16:
echt gut=) mach weiter so!!
lg

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