Herbstnachtsträume, Kapitel 1: "Aufbruchsstimmung
von
Yellow Orchid
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wirklich wollte, dass du dorthin gehst. Die Schule hier ist vielleicht klein, aber durchaus gut.“
Hailey hatte nichts darauf erwidert. Mit mulmigem Gefühl im Magen hatte sie kaum merklich genickt. Nie in ihrem Leben wäre ihr auch nur der Gedanke gekommen, dass ein schuleigener Bus sie zu dem Internat bringen würde – ihr neues Zuhause -, doch hatte sie in den letzen Tagen erfahren, dass auch diese Dienstleistung zu den Angeboten einer Eliteschule gehörte. Kopfschüttelnd zwang sich Hailey dazu, die Gedanken an den Abschied zu verdrängen. Sie musste jetzt all ihre Konzentration auf ihre neue Schule richten.
Endlich hatte sie die schmale Strasse erreicht, die nur selten benutzt wurde. Mitten am dünnen Gehsteig entdeckte Hailey schliesslich das Schild. Heftig keuchend liess sie sich auf ihrem viel zu grossen Ziehkoffer nieder. Wessen Idee war es bloss gewesen, ihre gesamte Garderobe samt beim Waschen geschrumpften T-Shirts und viel zu enge Jeans mitzunehmen? Nicht zu vergessen die leuchtend pinke Pyjamahose, die ihr vielleicht als fünfjährige noch gepasst hatte. Dies hatte sich nun eindeutig als ein grosser Fehler entpuppt.
Doch wie ihr das Dröhnen eines Motors verriet, das nur Sekunden später die Stille erstickte, blieb Hailey keine Zeit, ihre Gedanken solch belanglosen Dingen zuzuwenden. Lange Schatten verrieten den Bus, der gerade eben in Haileys Blickfeld aufgetaucht war. Laut Angaben ihrer Grosseltern war der Bus den ganzen Tag durch verschiedene Landschaften gefahren, um neue Schüler abzuholen und sie am Sonnabend wohlbehütet im Internat abzuliefern. Gegen halb acht abends gäbe es dann eine Begrüssungsrede des hiesigen Direktors und am nächsten Morgen würden die restlichen Schüler eintreffen. Um zehn Uhr beginne schliesslich der Unterricht nach Stundenplan. Wie Hailey wusste, teilte sie sich ein Zimmer mit einem Mädchen aus dem Norden. Und obwohl sie dem Internat zu Beginn sehr skeptisch gegenüber gestanden war, spürte sie nun doch leise Freude für das Neue in sich aufkeimen - das ungeduldige Kribbeln hatte sich bereits über ihren ganzen Körper verteilt. In Gedanken versunken nahm sie nicht wahr, wie viele Sekunden wiederum verstrichen, ehe der Bus ratternd vor ihr zum Stehen kam. Eine Tür am vorderen Ende des Wagens öffnete sich, durch die nun ein burschikoser Mann trat; die Arme muskulös, breite Schultern, dafür ein umso dünnerer Hals.
„Sie sind also der Busfahrer?“ Hailey hatte das Bedürfnis gehabt, etwas zu sagen, was sich ihr jetzt eindeutig als Missgriff darstellte.
„Chauffeur“, berichtigte sie der Mann sogleich, sein Blick wurde kühler, als fühlte sich der Mann in seiner Würde verletzt. Welcher Chauffeur wollte schon mit einem Busfahrer verglichen werden?
„Gut.“ Schon wieder war ihr Mundwerk schneller als ihr Verstand gewesen. Verlegen trat Hailey von einem Bein auf das andere. „Damit will ich wirklich nicht sagen, dass das schlecht wäre, weil ein Chauffeur nämlich durchaus viel können muss. Also Autofahren…und so. Busfahren wohl auch.“ Hailey deutete mit zittrigen Fingern auf das Verkehrsmittel vor ihr. „Und wie steht’s mit Motorradfahren?“ Es dauerte einige Sekunden, ehe Hailey bewusst wurde, was sie eben gesagt hatte. „Vergiss es.“, fügte sie schüchtern nickend an. „Vergessen Sie es, wollte ich sagen. Egal.“
Der Mann ihr gegenüber lachte nicht. Er beobachtete Hailey reglos, ehe er selbst zum Sprechen ansetzte. „Dein Name?“
„ Hailey…Summer.“ Insgeheim gab sie der Situation, in der sie sich nun wiederfand, die Schuld an ihrem unsicheren Auftreten - noch nie hatte sie sich alleine auf Reisen begeben.
„Reihe 12, Platz am Fenster.“ Der Mann hatte nach einer Liste gegriffen, nickte dann zufrieden. Anscheinend unsicher, was das Mädchen nun ausbrüten würde, griff er mit dem einen Arm nach dem Koffer, während er Hailey mit der anderen Hand in Richtung Tür dirigierte.
Im Bus war das Licht nur gedämpft. Kleine Glühbirnchen, die über den Sitzen befestigt worden waren, wiesen Hailey den Weg durch den Bus. Auf beiden Seiten fanden sich jeweils zwei Sitze, die nur durch einen schmalen Gang voneinander getrennt worden waren. Am Boden klafften in weisser Schrift Zahlen, die – wie Hailey ahnte – die Reihennummern angaben. Während Hailey sich den Weg zu ihrem Sitz bahnte, fiel ihr Blick auf neugierige Paar Augen - meist handelte es sich um Kinder im Grundschulalter, die das Mädchen nun interessiert betrachteten. Obwohl Hailey wusste, dass das Internat die Grundschulklassen und höheren Semester vereinte, erstaunte sie der Anblick der Kinder. Wie wäre es wohl für sie gewesen, in diesen jungen Jahren von ihren Eltern getrennt zu werden?
Weiter hinten entdeckte sie schliesslich die älteren Schüler. Erstaunlicherweise war der Bus jedoch erfüllt von einer Stille, die in keiner Weise auf die Anzahl Internatschüler in diesem Bus hindeutete; viele hatten sich hinter Büchern vergraben oder dösten leise vor sich hin.
Vor ihr auf dem Boden erspähte Hailey die Ziffern 1 und 2. Ihr Blick wandte sich nun in Richtung der Sitze, die dieser Reihe angehörten. Es gab zwei Fensterplätze, doch da einer davon bereits von einem Mädchen in Beschlag genommen worden war, erübrigte sich für Hailey die Frage. Sie richtete sich nach rechts und entdeckte eine Gestalt, die im Halbdunkel verborgen blieb; das Glühlämpchen über ihrem Kopf war entweder defekt oder gewollt ausgeschalten geblieben.
„Dürfte ich?“ Wie Hailey verärgert feststellen musste, war ihre Stimme noch immer heiser.
Mit einem Klicken flutete das schwache Licht der Glühbirne plötzlich über die beiden Sitze. Die Gestalt, die sich eben noch im Halbdunkel versteckt hatte, entpuppte sich nun als Junge, der ein Buch aufgeschlagen in seinen Händen hielt. Hailey schätzte, dass er nur geringfügig älter als sie selbst sein musste. Sein halblanges Haar erschien in dem gedämpften Licht der Glühbirne fast schwarz, die ebenso dunklen Augen verrieten nichts über ihn. Wäre nicht das unverkennbare Funkeln in ihnen zu erkennen gewesen, hätte Hailey geglaubt, er hätte ihre Anwesenheit nicht wahrgenommen. Alles in allem wirkte er verwegen.
„Hi.“ Irrte sie sich, oder deutete der Klang ihrer Stimme darauf hin, dass sie noch heiserer geworden war?
Sie spürte, wie sich ein Kribbeln über ihr Körper ausbreitete, als der Junge sie mit seinen dunklen Augen aufmerksam und unverhohlen musterte – Hailey schaffte es nicht, etwas in dem Blick zu lesen.
„Hallo.“ Breitwillig erhob er sich nun, damit Hailey sich an ihm vorbei auf ihren Platz drängen konnte. Er war über einen Kopf grösser als das Mädchen, sein Körper schlaksig, aber zugleich von breitschultriger Statur. Hailey roch den Duft von Shampoo und Pfefferminze, zugleich meinte sie jedoch, den Geruch von Zigaretten Tabak wahrnehmen zu können. Verlegen fuhr sie sich durch das Haar.
„Es ist normalerweise nicht meine Art, mich einem Jungen gleich so um den Hals zu werfen“, murmelte sie, als sie sich schliesslich in ihrem Sitz fallengelassen hatte. Bildete sie sich das nur ein, oder war es in
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Kommentare
fanpire 1612 schrieb am 2010-03-16 21:42:12:
hier ist ija meine namensstehlerin xD
hey laura ^^ ich hab mal dein kapitel gelesen und OO W.O.W. du hast ein total schönes deutsch! da kann cih überhaupt nicht mehr mithalten >.< :P
jedenfalls wollte ich diir diesen comment mal stehen lassen und dir noch sagen dass weiterhin kapitel von meiner story veröffentlicht wurden, wenn du wieder lust hast mit mir über mein deutsch zu diskutieren :P ich finde, du gibst immer so tolle feedbacks und auch sehr hilfreiche, darum wollte ich dich das wissen lassen.
würd miich freuen =)
md und lg
laura ^^
Yellow Orchid schrieb am 2010-02-03 18:52:19:
Huhu Leeza
Danke dir vielmals für dein nettes Feedback:-) Mein erstes Feedback überhaupt *freu* :-)
Du hast mir damit etwas die Befürchtungen genommen, dass der erste Teil überhaupt nicht gut ist - ich hatte die ersten 20 Seiten mit 15 geschrieben und mich dann erst drei Jahre später erneut an die Geschichte gesetzt. Deshalb hat mich der erste Teil immer besonders gestört, egal, wie lange ich daran herumgetüftelt habe :-)
ich hoffe, die restlichen Teile werden dir ebenfalls zusagen :-)
Gruss, YO
Leeza schrieb am 2010-02-03 08:39:13:
Du schreibst wirklich sehr schön. Genau richtige Mischung von Erzähltem und wörtlicher Rede.
Es macht Spaß deine Geschichte zu lesen!!!
Inhaltlich und sprachlich, und davon kann man hier leider nicht sooft reden...
Ich freue mich auf die Fortsetzung!!!
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