Herbstnachtsträume, Kapitel 1: "Aufbruchsstimmung
von
Yellow Orchid
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diesem Bus fast schon unerträglich heiss?
Der Junge hatte sich ebenfalls gesetzt. Von ihrer Neugier getrieben wagte Hailey einen zweiten Blick. Unmittelbar spürte sie, wie sie sich von ihm angezogen fühlte. Der Junge besass eine unbeschreibliche Ausstrahlung; nachdenklich und geheimnisvoll, sich zugleich aber seiner irritierenden Ausstrahlung bewusst. Verärgert über ihre Gedanken, schüttelte Hailey den Kopf und versuchte den Anblick des Jungen aus ihrem schneller schlagenden Herzen zu vertreiben. Stattdessen versuchte sie krampfhaft, ihre Gedanken zurück auf das Internat und die Fahrt dorthin zu richten. Doch es war bereits zu spät.
Der Junge schien ihren starren Blick bemerkt zu haben und hob zögernd den Kopf. Schelmisch grinste er sie nun an. „Muss man nicht zuerst die Arme um die andere Person schlingen, damit man davon sprechen kann, dass man sich jemandem um den Hals wirft?“
„Wahrscheinlich“. Wahrscheinlich?! Eine nicht gerade originelle Antwort, wie Hailey beschämt bewusst wurde. Sie spürte, wie Hitze in ihren Körper stieg. Während sie versuchte, ihre glühende Haut mit den erstaunlich kalten Handflächen abzukühlen, zwang sie sich zu einem Lächeln. „Was liest du da?“ Sie deutete mit einer schwachen Kopfbewegung in Richtung des Buches, das er noch immer aufgeschlagen in seinen Händen hielt.
„Tolstoi.“ Der Junge hatte seinen Blick noch immer nicht abgewandt; unvermindert interessiert betrachtete er nun Hailey.
„Alte Literatur, also.“
„Alt, aber zugleich zeitlos. Allerdings bin ich vor deinem plötzlichen Auftauchen wohl oder übel kurz eingenickt.“
„Aha.“ Hailey räusperte sich leise. So sehr sie sich auch darum bemühte - sie schaffte es einfach nicht, einen vollständigen Satz zu bilden. Warum musste ihre Stimme denn auch so unmenschlich heiser klingen?
Einige Minuten des Schweigens folgten, während sie sich bemühte, kluge Worte zu sammeln, um die Konversation aufrecht zu erhalten. „Holen wir noch andere ab?“ Eine dämliche Frage in Anbetracht der langen Bedenkzeit, die sie sich genommen hatte.
Ungläubig über ihre eigene Dummheit schüttelte sie kaum merklich den Kopf. Doch der Junge schien keineswegs genervt, stattdessen begann er sie erneut aufmerksam zu beobachten – das Kribbeln, das eben noch für Haileys Unsicherheit für das Neue gestanden hatte, verwandelte sich nun in einen heftigen Sturm, zusammengesetzt aus allen möglichen Gefühlsregungen. Und während sie noch den in ihrem Innern wütenden Gefühlschaos auf den Grund gehen wollte, setzte der Junge bereits zu einer Antwort an.
„Ich glaube nicht. Die von ihren Eltern geliebhätschelten Schüler werden allesamt gefahren, und an diesem Internat wird es nur sehr wenige geben, die nicht… geliebhätschelt werden.“ Der Junge zuckte immer noch lächelnd mit den Achseln. Wie Hailey in diesem Moment bemerkte, hatte er ein aussergewöhnlich schönes Lachen.
Sie schluckte heftig, gewillt, den Knoten in ihrem Hals zu vertreiben.
„Ich bin übrigens Chris“, fügte er nun hinzu.
„Hailey.“ Immer besser gelang es ihr zu lächeln. Zumindest hoffte Hailey, dass ihr Grinsen nicht allzu gequält wirkte. „Na, dann kann ich mich also auf ein spannendes Schuljahr einstellen. Nichts ist interessanter, als zu beobachten, wie Menschen auf Liebesentzug ihre Krallen ausfahren.“ Mit diesen lockeren Worten versuchte sie zu verbergen, dass es ihr durchaus Sorgen bereitete, sich unter solche Leute zu mischen. Doch ihr Gegenüber hatte offenbar bemerkt, dass der Witz von Hintergedanken gezeichnet gewesen war.
„Dann gehst du also nicht freiwillig dorthin?“
„Das Internat soll ja gut sein“, gab Hailey widerstrebend zu. Sie wusste, wie schwierig es für ihre Eltern war, für das Schulgeld aufzukommen. Es war schrecklich, wie wenig dankbar sie sich für diese aufopferungsvolle Geste zeigte. Wie neugierig sie auf das Neue auch war…die Unsicherheit blieb.
„Wird wohl so sein.“ Chris nickte leicht, doch ein kurzes Aufblitzen in seinen Augen sagte Hailey, dass er mehr wusste, als er zugab. Oder hatte sie sich getäuscht?
Erneut trat ein Schweigen ein, das Hailey jedoch nicht als negativ einzustufen vermocht hätte. Minuten verstrichen.
„Und warum zwingt man dich, diese Schule zu besuchen?“ Chris Augen hafteten noch immer auf Hailey. Es schien, als brannte er sich jedes Detail ihres Gesichtes in sein Gedächtnis ein. Irritiert stockte Hailey kurz.
„Niemand zwingt mich.“ Toll. Sie hatte geradewegs so geantwortet, wie es jedes trotzige Kind getan hätte. „Also zumindest nicht direkt“, fügte Hailey deshalb noch leise hinzu.
„Es sind deine Eltern, nicht?“
Warum musste Chris Stimme bloss so unvergleichlich sanft klingen? Und wie um Himmels Willen war er zu der Idee gelangt, dass tatsächlich ihre Eltern der Grund für diese Veränderung waren? Sicher, auf gewisse Weise hatten solche Dinge wie Schulwechsel meist mit den Eltern zu tun…aber es gab sicher noch zig andere Möglichkeiten. Vielleicht hätte sie ja wegen schlechter Haltung von ihrer alten Schule fliegen können? Oder wegen Drogenkonsums? Warum musste Chris denn mit seiner These gleich richtig gelegen sein? War es wirklich so offensichtlich? Hailey war unangenehm heiss. „Ja.“ Sie hörte sich immer noch unnatürlich heiser an, ein weiterer Punkt, für den sie sich aufrichtig schämte. Hailey gab den Schmetterlingen die Schuld, die in ihrer Magengrube die Nach-Sturm-Zeit ausnutzen und übermütig jeden Winkel abflogen. „Sie sind in Kenia.“
„Kenia?“ Bewundernd hob Chris die Brauen. „Das ist ziemlich weit weg.“
„Leider, ja.“
„Und warum befindest du dich jetzt auf dem Weg in dieses Internat?“ Noch immer starrte Chris sie überrascht an.
„Sie sind Archäologen“, erklärte Hailey zögernd. „Sie arbeiten dort.“
„Und da bist du nicht mitgegangen?“ Erstaunt hob Chris die Brauen. „Die beste Schule ist doch noch immer die Realität.“
Hailey antwortete nichts darauf. In langen Debatten hatte sie mit ihren Eltern um ihre mögliche Zukunft in Kenia diskutiert, doch schliesslich hatte sie klein beigeben müssen. Schon alleine die Erinnerung an all diese Abende verschlugen ihr die Sprache. Und dann dieser Blick, mit dem Chris sie nun betrachtete…. Für einige Sekunden vergass Hailey vollkommen die Frage ihres Gegenübers, tauchte stattdessen ein in das irisierende Dunkel seiner Augen. Fast hätte Hailey geglaubt, er betrachtete sie auf die gleiche oder zumindest ähnliche Weise, doch sie entschloss sich sicherheitshalber, diesen Gedanken als Wunschdenken abzustempeln. Blamiert hatte sie sich in den letzten Minuten bereits zur Genüge.
„Woher kommst du?“ Haileys Stimme brach. Wäre sie alleine gewesen, hätte sie allerlei Beschimpfungen zu ihrem lahmen Mundwerk ausgestossen, doch so versuchte sie sich verzweifelt zusammenzureissen und nicht in das Grübchen in seinem Kinn zu starren, das jedes Mal auftauchte, wenn er sie wieder auf diese unbeschreibliche Weise angrinste.
„Ich komme aus einem dieser dunklen Orte, die in Filmen immer so glaubwürdig dargestellt werden. Ich glaube nicht, dass du mehr wissen willst.“, erwiderte
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Kommentare
fanpire 1612 schrieb am 2010-03-16 21:42:12:
hier ist ija meine namensstehlerin xD
hey laura ^^ ich hab mal dein kapitel gelesen und OO W.O.W. du hast ein total schönes deutsch! da kann cih überhaupt nicht mehr mithalten >.< :P
jedenfalls wollte ich diir diesen comment mal stehen lassen und dir noch sagen dass weiterhin kapitel von meiner story veröffentlicht wurden, wenn du wieder lust hast mit mir über mein deutsch zu diskutieren :P ich finde, du gibst immer so tolle feedbacks und auch sehr hilfreiche, darum wollte ich dich das wissen lassen.
würd miich freuen =)
md und lg
laura ^^
Yellow Orchid schrieb am 2010-02-03 18:52:19:
Huhu Leeza
Danke dir vielmals für dein nettes Feedback:-) Mein erstes Feedback überhaupt *freu* :-)
Du hast mir damit etwas die Befürchtungen genommen, dass der erste Teil überhaupt nicht gut ist - ich hatte die ersten 20 Seiten mit 15 geschrieben und mich dann erst drei Jahre später erneut an die Geschichte gesetzt. Deshalb hat mich der erste Teil immer besonders gestört, egal, wie lange ich daran herumgetüftelt habe :-)
ich hoffe, die restlichen Teile werden dir ebenfalls zusagen :-)
Gruss, YO
Leeza schrieb am 2010-02-03 08:39:13:
Du schreibst wirklich sehr schön. Genau richtige Mischung von Erzähltem und wörtlicher Rede.
Es macht Spaß deine Geschichte zu lesen!!!
Inhaltlich und sprachlich, und davon kann man hier leider nicht sooft reden...
Ich freue mich auf die Fortsetzung!!!
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