Herzschlagen
von
Shagohood
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Donner grollte in der tiefschwarzen Nacht. Fern war er, aber dennoch laut. Blitze zuckten durch den Himmel. Gleichsam grellen Rissen aus Licht zerschnitten sie die Dunkelheit des Himmels und gaben Eindruck auf die unbekannte Schönheit, welche sich dahinter versteckte. Sie lieferten das einzige Licht, denn der Mond war durch die Gewitterwolken verborgen. Der starke Wind schien verspielt zu sein. Ständig wechselte er seine Richtung und unterwarf die Bäume wie Grashalme seinem Willen. Durch den starken Wind an jeden Punkt der Nacht getragen, prasselten die Regentropfen gegen das Fenster. Das Gebäude war im Kreuzfeuer des Regens.
John stand am Fenster und lauschte den Geräuschen. Obwohl er keine Angst vor Gewittern verspürte, zuckte sein Körper bei jedem Blitz zusammen. John suchte den Grund dafür in seiner eigenen Nervosität. Sein Herz raste. Zum tausendsten Male an diesem Tag fasste er in die Innentasche seines Jacketts um sicher zu gehen, dass der Gegenstand nicht verloren war. John holte tief Luft und drehte sich um. Das Krankenzimmer war zwar nicht besonders groß, aber es war wenigstens ein Einzelzimmer. In der Mitte stand ihr Bett. Links davon ein karger Hocker und rechts diverse Geräte, welche mit gleichmäßigen Klängen garantierten , dass es seiner Liebsten auch gut ging. John setzte sich langsam und leise auf den Stuhl und schaute sie an. Sie war wunderschön. Während sie schlief, senkte sich ihr Brustkorb gleichmäßig auf und ab. John war verliebt. Nur die Wunden an ihrem Körper ließen ihn nicht vergessen was passiert war. Ansonsten verlor er sich jedesmal aufs Neue in ihrer Schönheit. Seit dem Unfall waren nun schon ein paar Wochen vergangen, doch die Spuren waren immer noch zu sehen. John hatte Glück und ihm war nichts passiert. Doch sie hatte weniger Glück. Er war froh, dass sie manchmal noch das Bewusstsein wieder erlangte und sprechen konnte. So hoffte er, dass es auch in jener Nacht passieren würde. Sein Herz raste. Wieder fasste er sich in die Innentasche. Er würde sie fragen und sie würde zustimmen.
Sie hatten einfach zu viel durchgemacht, als dass sie ablehnen könnte. John erinnerte sich an jede Kleinigkeit. Wie sie sich kennengelernt haben, wie sie sich zum ersten Mal getroffen haben und wie sie sich das erste Mal geküsst haben. John lächelte. Schon komisch wie ein Erlebnis das Leben verändern konnte. Als er bemerkte, dass dieser Gedanke auch auf den Unfall zutraf, verschwand sein Lächeln. John atmete tief ein und schaute sie erneut an. Donner grollte in der Ferne. Wieder zuckte John zusammen. Sein Herz raste.
Er nahm behutsam ihre Hand. „Liebling?“, flüsterte er. Sie reagierte nicht. „Liebling, bitte wach auf!“, flüsterte er etwas lauter. Sie stöhnte auf und drehte ihren Kopf in seine Richtung. Langsam öffnete sie ihre Augen. John lächelte und holte das Etui aus seiner Innentasche. Ohne Worte zu verwenden, klappte er es auf und holte den Ring heraus. Bei dem Anblick des goldenen Ringes, kam ein schwaches Lächeln in ihrem Gesicht zum Vorschein. Während er ihr den Ring über ihren Finger schob, fing er an die Worte zu sprechen, die er so oft geübt hatte. „Liebling, willst du meine …“ Ein lautes, schnelles Piepen unterbrach seinen Satz. Augenblicklich fing sie an sich zu krümmen. Der Ring fiel von ihrem Finger. Sie hatte Schmerzen. Ärzte stürmten das Zimmer. John wurde beiseite geschoben. Fassungslos konnte er nichts weiter tun als zusehen. Das schnelle Piepen war nun ein anhaltender Ton. Sein Herz raste. Ihres nicht.
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Kommentare
Mularion schrieb am 2010-07-20 16:02:22:
Wirklich eine tolle Geschichte. Die Gedanken, die du da hinein gebracht hast lassen einen manchmal richtig zusammen zucken, aber der Schluss ist ein wenig mager. Es wäre noch dramatischer und trauriger geworden, wenn du vielleicht ein paar seiner Gedanken, die er beim Krümmen ihres Körpers, hingebracht hättest. Vielleicht hättest du auch mal auf ihre Schmerzen ein wenig mehr eingehen können, aber es ist eine wirklich gute und traurige Geschichte. Das mit dem Schluss ist nur meine Meinung.
lg Mularion
Juls schrieb am 2007-12-11 22:09:02:
Tod...
Aber diesmal eine völlig andere Form der Hoffnung: die Zweisamkeit. Ein Augenblick der Zweisamkeit in deinen Geschichten.
Ich bin sehr froh darüber, dass du dieses Gefühl festgehalten hast... den des Gewinnens und des Verlustes.
Das verrät einiges über dich, weißt du das ;)?
Lady schrieb am 2007-06-21 10:30:36:
Nicht schlecht...also die geschichte finde ich wirklich gut....das erinnert mich so an jack und rose =)
ld marty =)
sina franke schrieb am 2007-06-20 20:59:55:
unglaublich, wirklich herzzerreisend. wunder schön.
d7u benutz hervoragende adjektive, dass gefällt mir. mach witer so
ganz liebe grüße sina
"Lisachen" schrieb am 2007-06-19 16:35:30:
Hmmm....
ich weiß gar nicht was du hast.....ich denke da fehlt eigentlich nichts!
Die ist so schön dramatisch traurig......
Hdl
"Lisachen"
Engin schrieb am 2007-06-19 14:46:26:
echt schöne aber traurige Story Marten, mein herz rast auch und deins? :D
Malte schrieb am 2007-06-19 14:31:27:
Sehr schöne Geschichte...
Freu mich auf die nächste ;)
Beste Grüße
Malte
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