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Kategorien > Kinder Geschichten > Fantasiereisen

Hier und Jetzt

von Nicolas Giese

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"Guten Morgen, das hier ist mein Sohn Artur. Ich habe gestern angerufen, und mir wurde gesagt, ich kann gleich heute vorbei kommen.", sagte meine Mutter freundlich zu einer kleingewachsenen, pummeligen Frau mit Pumuckel-roten Haaren. Sie nahm mich bei der Hand und schob mich vor Sie. Hinter ihrem Rücken war es wohl doch nicht so sicher, wie ich gedacht hatte. Aber wenn ich groß bin, schaue ich bestimmt nichtmehr zwischen ihren Beinen hervor. Die Frau sah mich nett an, strich mir über den Kopf und schlug vor, dass ich mich doch zu den anderen Kindern gesellen soll, während Sie mit meiner Mutter redet. Ich sah meine Mutter an, und meine kleinen Fingerchen umschlangen ihren Oberschenkel. "Mama", quengelte ich. "Nun geh schon, die andren Kinder beißen doch nicht", flüsterte Sie mir beschwichtigend ins Ohr. Ich schaute mir die anderen Kinder etwas genauer an. Ein etwas größerer, braunhaariger Junge fiel mir auf, und kam mir irgendwie bekannt vor. Wieso nur ? Da fiel es mir wieder ein : Räuber Hotzenplotz. Genauso sah der Junge aus, auch wenn der Hut fehlte. Er spielte mit einer Erzieherin und zwei anderen Kindern UNO. Ich mag UNO, auch wenn ich immer verliere. Ich konnte mir die Regeln einfach nicht merken. Die Frau, die mit meiner Mutter sprach, bemerkte meine Interesse an der geselligen Spiele-Runde, kniete sich hin, bis Sie mit mir auf Augenhöhe war, und fragte mich, ob ich nicht mitspielen wollte. Ich errötete und bekam keinen Ton heraus. Ich stand wie angewurzelt da, und natürlich, ich wollte liebend gerne mitspielen. Aber ich traute mich nicht....
Es kam mir vor wie eine Ewigkeit, bevor ich ein "Ja" rausbrachte. Meine Hände spielten nervös mit einem Knopf an meiner Hose. Da ich mir nicht sicher war, ob Sie die Antwort verstanden hatte, hauchte ich noch einmal, dieses mal etwas lauter, meine Antwort. Die Frau hatte mich wohl verstanden, denn Sie ging vor zum Tisch. Dann drehte Sie sich um, nickte meiner Mutter zu, und wunk mich her. "Nun geh schon", lächelte meine Mutter zu und stupste mir leicht in den Rücken, so dass ich vorwärts stolperte. Ich ging mit der Frau, welche ganz offensichtlich auch eine Erzieherin war, zum Tisch. Nachdem ich mich vorgestellt hatte, wurde eine neue Runde gestartet, und ich bekam auch Karten.
Wie zu erwarten, beendete ich das Spiel als letzter, und auch das danach, und danach, und danach. Das wäre für mich natürlich nicht schlimm gewesen, wenn ich nicht neu hier wäre, und der Junge, der aussah wie Hotzenplotz (ich nannte ich nur noch "Räuber", ihm gefiel der Name sogar) nicht die ganze Zeit, wenn ich einen falschen Zug gemacht habe, mit den anderen Kindern getuschelt hätte. Und am Ende haben Sie immer gemeinsam gelacht, während Sie auf mich herrab blickten.
In solchen Momenten fühlte ich mich immer so klein. Ok, das war ich auch, für meine 5 ½ Jahre war ich wirklich nicht grade der Größte. Aber meine Eltern sagten, dass ich dafür umso größer werde, wenn ich groß bin, und dann allen auf den Kopf spucken kann. Aber das werde ich natürlich nicht machen. Obwohl... beim Räuber konnte ich mir das sehr lebhaft vorstellen.
Ich beendete die Runde, sprang vom Stuhl hinab und suchte meine Mutter. Sie stand mit der Erzieherin in der Ecke und beobachtete mich. Amüsiert und anscheinend sehr froh, dass ich so gut Anschluss gefunden hatte, löste Sie sich von der Betreuerin. Ich sprang ihr auf die Arme, die Sie mir empfangend hinhielt. Ich küsste Sie auf die Wange, und wunk der rothaarigen Frau beim Verlassen des Kindergarten zu.
"Und, wie fandest du es ?", fragte meine Mutter mit einem fröhlichen Unterton. "Klasse", rief ich vor Entzückung, und ein wenig Speichel sprang aus Begeisterung gleich aus meinem Mund auf die Rückseite des Fahrersitzes. Ich griff danach, aber konnte ihn nicht aufhalten. Nun, Mum bemerkt das bestimmt nicht. "Aber ich habe die ganze Zeit verloren", sagte ich nun merklich vorsichtiger. Der leicht enttäuschte Unterton war nicht zu überhören. "Aber das ist doch nicht schlimm", sagte meine Mutter tröstend, während Sie um eine Kurve fuhr. "Dieser eine Junge hat sich die ganze Zeit lustig über mich gemacht". Das stimmte, auch wenn er ja eigentlich er ganz nett aussah. Aber er wollte ja nicht mein Freund sein. Bei dem Gedanken wurde ich direkt ein wenig traurig.

"Aufstehen mein Schatz. Der Kindergarten wartet.", hörte ich eine leise Stimme, die wie eine Propellermaschine immer näher an mein Ohr flog. Ich öffnete leicht die Augen, und blickte in die glücklichen Augen meiner Mutter. Glücklich, aber leicht müde. Sie wendete den Kopf ab und verließ mein Zimmer. Früher war ich immer noch stundenlang liegen geblieben, und hab mich immer geweigert das Bett zu verlassen. Jetzt, wo Sie immer im Flur auf mich wartete, hatte ich keine Lust, im Bett liegen zu bleiben, schließlich wäre es alleine ziemlich langweilig. Und der Sandmann hatte mir nicht genügend Sand vorbeigebracht, als das ich noch länger schlafen könnte.
Ich sprang auf und rannte in Stoppersocken zum Frühstückstisch, der wie immer reichlich gedeckt war. Im Laufen wippe die Nase des Spongebob-Schlafanzuges lustig hin und her. Ich schaute ihn mir an, wie anscheinend alles um sich rum beobachtete und anlachte.
Schwupp, schon war ich über die Türschwelle der Küche gestolpert. Meine Knie fühlten sich so komisch, ungewohnt an. Unschlüssig, ob das jetzt gut oder schlecht war, sah ich meine Mutter an. Ihrem Gesicht nach, schien das ja garnicht schlimm gewesen zu sein, denn sie lächelte mich an.

Überschwänglich grüßte mich eine andere, mir unbekannte Erzieherin mich und meine Mutter und führte mich wieder in den Raum von gestern. Doch dieses mal waren viel mehr Kinder da. Sofort setzte ich mich an`s Lego, fand neue Freunde und baute ganze Städte aus Lego.
Kurz vor Mittagessen stand unsere Legostadt dann auch schon. Kinder, Mütter, Väter und Bauarbeiter zogen durch die große Stadt mit vielen kleinen Häusern und Bäumen. Dass meine Mutter weg war, hatte ich garnicht bemerkt. Mir schien es hier zu gefallen.
Auf einmal bemerkte ich eine Stimme rechts von mir, die ganz anders klang als die von dem Mädchen davor : Der Räuber. Er spielte einen Verbrecher. Ich griff mir einen Polizisten, setzte ihn in ein Auto und ließ ihn mit Blaulicht zum Räuber fahren. Tatü-Tataaaah, rief ich lauthals, und vor lauter Spaß vergaß ich alles um mich rum, nahm den Wagen nun komplett in die Hand, drehte mich hin, und her, und wieder hin, und die Sirene war überall zu hören. "Polizeiautos können garnicht fliegen", tönte die Stimme des Räubers. Erstaunt blickte ich ihn an. "Aber das ist ein Weltraumpolizist, der war früher mal Astronaut", antwortete ich rasch. Das wusste ich, denn ich wollte auch mal Astronaut werden, und Mama hat gesagt, dass Autos fliegen können, bis ich den Job habe. "Garnicht" "Und ob" Wir stritten immer weiter, und unsere Köpfe wurden immer roter, wie ein Rennauto. Kopfschüttelnd kam eine Erzieherin zu uns, zog uns auseinander, setzte uns an

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