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Kategorien > 2. Weltkrieg > Zum Nachdenken

Hitler und die Orangen

von Private Suicide

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Er war alleine. Ausgebreitet vor ihm lagen die Pläne für eine neue Weltordnung… Es war zu spät! Hatte er versagt, oder konzentrierte er sich einfach nur auf die falschen Dinge. Er lächelte. Sein Lächeln, war mehr ein verzerrtes Grinsen, als etwas Menschliches. Er war hässlich und auch seine Ideen machten ihn nicht attraktiver, sein Feldzug hatte die halbe Menschheit verheert, doch vermochten sie sein eigenes Leben nicht zu verändern. Niemand mochte ihn, respektierte ihn ehrlich als Menschen, doch wollten sie alle bei ihm sein, wenn er siegte. Was war es, was die Leute abschreckte? Sein Humor, welcher so überflüssig war, wie ein Lagerfeuer in einem monströsen Waldbrand? War er ein Monster? Nein, dass war ihm selbst klar, er war ein Nichts, ein Niemand, das einzige was kleiner war als sein Schwanz, war sein Ego. Doch wenn er seine Legionen befehligte, war er Gott. Wenn er auf den massiven Tribünen stand und von anderen geschriebene Reden auf die Massen herabschmetterte, verstand er, wer er wirklich zu sein schien. Oder sollte ich lieber sagen was…? Ein Tier hatten sie aus ihm gemacht, doch hatten sie ihn dazu verwandelt, oder war das nur der bittere Abglanz, stechender Realität? Schmerzlich vermischten sich Erinnerung, Träume und Wirklichkeit, wollten sie doch so gar nicht zueinander passen. Warum konnte er sein Bild nicht so beeinflussen wie er es wollte. Allmacht wünschte er sich, alles und jeden zu kontrollieren, doch gebot er nicht einmal über sich selbst.
Hitler stand auf. Sein Blick verharrte auf dem französischen Sofa, aus den Besitztümern eines Juden. Kriegsbeute nannten sie das. So verächtlich das auch klingen mochte. Er musste unwillkürlich schmunzeln. Millionen von ihnen hatte er umbringen lassen. Mag sein, dass jeder einzelne von ihnen ihm selbst überlegen gewesen wäre, doch konnte es keiner verhindern, keiner konnte ihn aufhalten. Einen Mann winziger Statur und wieselhaften Aussehens. Ein gescheiterter Landschaftsmaler, der Kunsthochschule verwiesen, ein verleugneter Künstler, später ein ruhm- und namenloser Soldat. Nun zitterte die ganze Welt vor ihm. Doch hatte er verloren, bald würden sie lachen! Bis zu seinem Tode würde er das Monster bleiben, doch wenn sie ihn kriegen würden sie ihn zum Gespött machen. Nein, sie müssten es sogar! Hitler das Muttersöhnchen. Hitler der gestörte Emotionskrüppel. Das dachten sie von ihm. Dennoch wagten sie nicht es auszusprechen. Noch nicht! Der Führer nannten sie ihn. Seine Grausamkeit hatte seinen Namen rein gewaschen und ihn groß gemacht. Doch war er für sie trotzdem nur ein Führer. Ein Diktator. Nie sah ihn jemand als Mann. Geschlechtslose Titel verschönerten nur seine weiblichen Züge. Wie gerne würde er begehrt werden. Für seinen Charme, seine Anmutigkeit. Allzu sehr liebte er seine Träume. Vollkommne Männlichkeit, wie die nordischen Helden, jene Arier, die Himmler zu züchten versuchte. Welcher Neid ihn erfüllte, hörte er die Pläne vom echten, reinrassigen Deutschen, war er doch selbst so weit davon entfernt. Wie sehr sehnte er sich nach einem üppigen Schmollmund. Östliche Schönheiten mit edelholzfarbenen Haaren und dunklen, traurigen Augen, die trotzdem voller Ergebenheit zu Ihm aufschauen. Nicht zu ihm als Staatsmann Hitler, sondern zu ihm als Mann. Wie sie seine Lippen berühren würden, seine Haut liebkosen. Ihn bewundern und mit den elastischen, dünnen Fingern über den durchtrainierten Leib fahren. Doch statt diesen humorvollen, eleganten Geschöpfen, hatte er Eva, ein naives Blondchen. Ihre kindliche Unschuld stach ihm ins Gesicht. Wie niedlich ihre goldenen Locken das Gesicht umrahmten. Sie war wie ein Kind. Doch er wollte eine Frau. Er bekämpfte seinen größten Wunsch, welcher ihm niemals erfüllt werden konnte. Denn er war schwach. Einer, welcher nie ein Mädchen anfassen durfte und wenn er einmal diese Chance bekam, wurde er immer bloßgestellt. Verspottet! Später dann kamen viele, doch immer wollten sie nur an der Seite des mächtigen Herrschers stehen, die Frau des Diktators sein. Dennoch wollten sie einen Teutonischen Berserker dieses Ranges, nicht den widerwärtigen kleinen Österreicher. Daran konnte er niemals etwas ändern, egal wie viel Macht er hatte, wie viele Kriege er Gewann. Würde er den Endsieg erreichen, so würde niemand mehr wagen weniger als seine Träume in ihm zu sehen.
Er besah die Landkarte vor sich… so viele Armeen, so viele Männer unter sich… nicht bedenkend, dass keiner seiner Generäle den Mut hatte ihm ins Gesicht zu sagen, dass keine davon mehr existierte. Eigentlich wusste er es, trotzdem führte er noch Angriffe, steckte die kleinen Fähnchen neu ein, die Namen der Kommandanten vor sich hin murmelnd. Er spielte den Krieg in seinem Bunker weiter, wohlweißlich, dass keiner seiner Befehle diese Abgeschiedenheit noch verließ. Sein ganz eigener Spielplatz. Nur fehlte an diesem Ort die Fröhlichkeit. Zurück blieb nur ein kleines Kind mit der Miene eines verlassenen Weisen. Die drückende Schwere der Ausweglosigkeit wurde ertränkt in Alkohol, Morphium und wirre Gedanken an nie zu erringende Siege. Alles das war die wahnsinnige Mischung in diesem kranken Gehirn.
Hitler stand vor einem Tisch. Alte Zeitungen, Briefe, Berichte. Seine Erfolge. Sein Ruhm. Nun war er ein elender Winzling in einem Gefängnis aus Tonnen von gemahlenen Gestein und Stahl. Einem verdammten Bunker. Er starrte auf die farbenblinden Erinnerungen.
Plötzlich hob er seinen Blick. Vor ihm lag eine pralle und saftige Orange. Wie viele Seelen hatte es gekostet, diese in den Letzten Kriegsjahren zu bekommen. Betont Majestätisch, hob er diese auf und roch an der, mit Kratern übersäten Schale. Welch tröstlich natürlicher Anblick in diesem kahlen Domizil.
Hitler aß sie und ging zu Bett. In dieser Nacht würde er seinen letzten Traum träumen…
Stille!

Lia

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Kommentare

Mimi schrieb am 2007-04-17 18:40:29:
Sehr schwierig zu beurteilen. Zwar manchmal sehr gut und wählerisch geschrieben, zwischendrin aber immer mal wieder unbeholfen. Außerdem frisst bei dir der Leser zu sehr aus der Hand. Du erklärst jeden Gedanken ausführlich, so dass dem Leser nichts überlassen bleibt. Aber vielleicht ist das ja gar nicht so schlecht.
Lg Mimi

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