Hochmut
von
Arthur Phasen
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Nach Begrifferklärung ist Hochmut eine Haltung der Welt gegenüber die Wert, Rang und Fähigkeit der eigenen Person, ohne diese unter Beweis gestellt zu haben, als hoch ansieht.
Betrachtet man diese Definition genauer, kann man leicht die Grenze zwischen Hochmut und Stolz ziehen.
Stolz ist abhängig von Leistungen, während Hochmut, unabhängig von Handlungen, das Selbst als überlegen ansieht, oder wie Immanuel Kant es formulierte,
Der Hochmut ist ein Ansinnen an andere, sich selbst im Vergleich mit uns gering zu schätzen.
also die Definition aus der entgegengesetzten Perspektive heraus. Nicht das selbst als überlegen ansehen, sondern die Anderen als unterlegen.
Hochmut ist eine Gesinnung, die in den meisten Menschen schlummert. Oft offenbart er sich nicht im direkten Umgang miteinander sonder wirkt versteckt unter dem Mantel der gesellschaftlichen Anerkennung. Personen die auf gesellschaftliche Ablehnung stoßen unterliegen, für viele, nicht den mitmenschlichen Tugenden. Diese Einstellung wurde leider durch unsere, stark dem Materialismus verfallenen Gesellschaft propagiert und hat sich tief in die Köpfe der Bevölkerung gefressen. Der Wert des Menschen wird hierbei auf das offensichtliche beschränkt (Aussehne, Kleidung, Reichtum, Hierachie) Dies beweist sich zB. durch die Unterscheidung von “Du“ und “Sie“ im deutschen Sprachgebrauch und um es auszudehnen, dass bestehen auf Titel (Dr., Ing., etc.) die, Ganzheitlich betrachtet, keinerlei Auswirkung auf den Wert des jeweiligen Menschen haben.
Sie leben am Rand der Gesellschaft und haben somit unseren Respekt nicht verdient?
Ein Bettler sitzt zitternd in einer dunklen Gasse, streckt die Hände zum Himmel und blickt demütig zu Boden. Er wippt mit dem Körper auf und ab um seinen Kreislauf anzuregen und nicht an Ort und Stelle zu erfrieren. Schnee fällt in glitzernden Flocken tanzend zu Boden und bezuckerte die Einkaufspassage in friedlichem Weiß. Eilig huschen Passanten durch die enge Gasse. Der Gestank nach Urin, Kot und Schweiß lässt sie den bettelnden erblicken. Einige schütteln verächtliche den Kopf, andere beschimpfen und bespucken ihn, wieder andere treten auf ihn ein, doch niemand vermag es den Bettler zu vertreiben. Selbst nach mehreren Stunden in eisiger Kälte, bis auf die Knochen durchgefroren, geschunden, geschlagen und gedemütigt verweilt er am selben Ort.
Schließlich passiert ein Weiser die Stelle an der, der Bettler verharrt.
Er sieht die Massen wie sie ihn mustern, wie ihre Blicke ihn abwerten und gering schätzen. Daraufhin nimmt der Weise seine Jacke, hängt sie dem Bettler wärmend über die Schulter und setzt sich neben ihn in den Schnee. Die Massen blicken ihm verständnislos entgegen, tuscheln und können nicht an sich halten den Weisen über seine Beweggründe zu befragen, die ihn dazu trieben sich diesem Abschaum zu nähern. Der Weise mustert die Massen und bittet den Bettler sich zu erheben. Daraufhin mustert er auch diesen und spricht:
“Ich erblicke ihn und stelle fest: Er besitzt Arme und Beine wie ihr, er vermag es aufrecht zu stehen und ist sogar befähigt zu sprechen, er friert in der Kälte wie ihr und seine Haut schlägt Blasen wo sie verbrannt wird, wie die Eure. Nun frage ich euch, was unterscheidet euch von diesem?
Ist es die Vorsehung die euch besser bemittelt hat? Sind es die Kleider die eure Glieder vor Erfrierung schützen?
Dieser Mann hat denselben Wert wie ihr in dieser Welt, nur niemand von euch nimmt sich die Zeit diesen zu suchen weil ihr über ihn urteilt, aufgrund von Äußerlichkeiten. Ihr lasst euch abschrecken durch seinen Gestank und seine Erscheinung. Er der hier sitzt in eisiger Kälte, friert, um sein überleben bangen muss, geschunden, getreten, bespuckt und dennoch kein böses Wort über euch verlierend.“
Ich denke, jeder Mensch, jedes Tier, alles Leben hat Respekt verdient, niemand sollte sich anmaßen, über andere zu richten nur weil sie sich vielleicht nicht von den gesellschaftlichen Richtlinien maßregeln lassen, weil sie nicht die Mittel haben sich den Luxus anzuhäufen den viele als selbstverständlich ansehen, oder schlichtweg nicht unserem Glauben angehören.
Hochmut sehe ich bereits in Situationen zwischen Mensch und Tier. Wie kommt der Mensch dazu sich in der Weltordnung über das Tier zu stellen?
Die meisten Tiere bilden ein natürliches Gleichgewicht mit ihrer Umgebung. Anders der Mensch, der aufgrund seiner selbst zugeschriebenen “Überlegenheit“, aufgrund der Annahme er sei der Regent, der Inhaber unserer Welt, mit dieser umgeht als wäre sie eine Einwegkamera. Der Mensch preist seinen, den Tieren überlegenen, Verstand. Doch was nützt der schärfste Verstand wenn man nicht davon gebrauch macht? Was hilft es zusammenhänge erkennen zu können, wenn wir uns nicht die Mühe machen sie zu sehen? Wir betrachten unsere Welt als wäre sie ein Ding das jederzeit Ersatz findet. Doch sie ist Leben. Wir haben das Glück auf ihre wohnen zu dürfen, wir haben das Glück, dass Tiere und Pflanzen die Erde bewohnen, die das Klima unter der Atmosphäre in ein Gleichgewicht bringen, oder zu bringen versuchen, dass wir Menschen ständig gefährden. Wir beginnen erst über Konsequenzen nachzudenken, wenn sie längste eingetreten sind.
Hochmut ist, wenn ein Mensch sich eine Vollkommenheit beimisst, die bei ihm nicht zu finden ist.
(Zitat Baruch de Spinoza)
Oft ist es schwer zwischen Hochmut und Stolz zu unterscheiden. Stolz ist ein zweischneidiges Schwert. Lässt man ihn hinter sich droht man sich zu vergessen, die eigenen Wünsche und das Selbst dabei zu verlieren. Setzt man seinen Wert jedoch zu hoch behindert er einen und errichtet einem Grenzen wo keine sind.
Wir Menschen sind ebenfalls Tiere. Tiere gesegnet mit Verstand. Dieses Werkzeug sollten wir nutzen, in jeder Lebenslage. Wir sollten, bevor wir über andere urteilen, ihre Lebensweise kennen lernen, ihre Ziele zu verstehen suchen, ihr Umfeld erforschen und ihren Wert entdecken.
Ein machtvolles Werkzeug zu gegenseitigem Respekt ist Toleranz. Selbst wenn es uns manchmal nicht gelingen mag die Lebensweise des anderen kennen zu lernen, seine Ziele zu verstehen, sein Umfeld zu erforschen und seinen Wert zu erkennen, kann uns das Werkzeug “Toleranz“ den Weg des Gerechten weisen. Jedes Leben hat seinen Wert auf dieser Welt. Im Guten wie auch im Bösen.
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