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Kategorien > Alltag > Begegnungen

ICE 848 / Wagen 21 / Raucher

von Charly Brown

Mein Blick schweift durch das Abteil während der Zug an einem der inzwischen unzähligen Bahnhöfe halt macht.

Wieder streift meine Hand in Richtung der Hemdtasche um eine weitere Zigarette zu Tage zu fördern, die mir dabei helfen soll die Langeweile für die nächsten drei Minuten zu vertreiben.

Kaum dass die Flamme den Tabak zum Glühen bringt, erspähe ich dich durch eine der dichten Rauchwolken, die immer wieder durch die Klimaanlage zerteilt werden, nur um sich danach umso dicker zusammenzusetzen, dein Gesicht.

Fast verschlucke ich den Qualm meiner eigenen Zigarette und nur mühsam kann ich den Hustenreiz unterdrücken.
Mein Blick verharrt auf dir, während du der Natur nachschaust, die an deinem Fenster vorbei zieht.

Erst als sich dein Blick zu mir wendet bemerke ich, dass ich dich anstarre.
Schnell wird der Kopf unbeteiligt gen Decke gewendet, nur um kurz darauf wieder dein Bild vor Augen zu haben.

Wie fein geschnitten deine Gesichtszüge sind. Du hast dir keine Mühe gegeben sie zu übermalen. Pures Selbst, ohne Schminke. Nichts außer dem, was dir die Natur an Schönheit mitgegeben hat.
Mitsamt dem kleinen Muttermal auf deiner bleichen Haut, unter den so vertraut wirkenden braunen Augen.
Ich fühle mich selbst darin versinken, während mich die Scham ergreift, dich so verstohlen zu beobachten.

Eine kleine Strähne des sanften dunklen Haares löst sich und gleitet langsam nieder auf deine Wange. Mit viel Bedacht wird sie langsam wieder zurückgeschoben. Deine Augen berühren wieder meinen Blick. Wie genieße ich dein Lächeln.

Es wirkt so rein, so ehrlich, als ob all die Widrigkeiten dieser Welt dich noch nie erreicht hätten.
Betörung umfängt mich und viel zu spät bemerke ich, dass ich dein Lächeln nicht erwidere.
Und so wendest du dich ab und dein Lächeln erlischt.

Langsam erhebe ich mich und schreite den Gang herunter, während alles in mir danach schreit dich endlich anzusprechen. Am Ende meiner Gedanken stehe ich vor dem Bistro und auf dem Rückweg halte ich zwei Tassen Kaffee in meinen Händen.

Doch als ich deinen Platz erreiche ist er verlassen.

Kommentare

Jaimy schrieb am 2009-06-04 21:46:59:
Wie wahr, wie wahr. Diese Geschichte über diesen flüchtigen,aber doch recht intensiven Augenblick, kennt wohl jeder und hat mich berührt. Toll!
mario159 schrieb am 2009-02-26 00:04:28:
Ach menno das Leben schreibt doch immer wieder die schönsten und auch die traurigsten Geschichten, wie in deinen Fall.
Echt super geschrieben diese Zugfahrt wird man nicht so schnell vergessen.
misskaikiki@yahoo.de schrieb am 2007-01-31 23:20:38:
Klasse einfach klasse, wie aus den waren leben. man weiß genau gleich, wie er sich fühlt, ohne das du genauer auf die gefühle eingegangen bist. klasse, einfach nur klasse, kann man dazu sagen. weiter so!
Muehlnikelpetra@aol.com schrieb:
So ist das Leben, gut geschrieben!
psychoboarderli@hotmail.com schrieb:
Berührt mich irgendwie total. Schöne Geschichte, und wie gesagt gut geschrieben. lg
Pellaton123@hotmail.com schrieb:
Sehr gut, berührt mich auf irgendwie, solche Momente, die eine kleine Ewigkeit dauern...
Pellaton123@hotmail.com schrieb:
Sorry, sollte natürlich "auch" heissen...
D.K. schrieb:
Schöne Geschichte über verpasste Gelegenheiten-wie es im Leben leider öfters ist.
areg schrieb:
oh mann, die Geschichte berührt einen wirklich.
x02044la@brgg.at schrieb:
So kann auch eine Zugfahrt zu einem Abenteuer werden...
Echt tolle Geschichte.
kleine_142000@yahoo.de schrieb:
schöne geschichte, wem gings noch nicht so dass man solch eine gelegenheit verpasst hat?!

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