ICH KANN DICH SEHEN, IMMER!
von
Kathrin R.
Prolog
Langsam stieg Laura die Treppen des alten, verlassenen Gymnasiums hoch. An
den hellgelben Wänden hingen Gemälde ehemaliger Lehrer und Lehrerinnen der
Schule. Es roch moderig und der Staub kitzelte in ihrer Nase. Es war kaum zu
glauben, wie dieser Ort in nur wenigen Monaten in denen er unbenutzt war so
hatte verkommen können. Endlich kam Laura ans Ende der breiten Wendeltreppe.
Sie schaute sich um. Durch die Ritzen eines kleinen, mit Holzbrettern
vernagelten Fensters drang Tageslicht in die Dunkelheit des Flures. In einer
der Ecken stand ein alter Kleiderständer, an dem noch ein Gestreifter Schal
hing. Ansonsten war alles kahl und lehr.
Wie in Zeitlupe bewegte Laura sich auf die erste Tür zu und öffnete sie mit
einem lauten Klicken. Sie sah auf die, von der Polizei auf dem Boden
gezeichneten Umrisse einer kleinen, schlanken Person. Ein paar Meter weiter
waren große, dunkle Flecken zu sehen. Blut.
Nicht zum ersten mal fragte Laura sich, wie es nur so weit hatte kommen
können.
Zitternd und weinend drehte sie sich auf den Fersen um und rannte so schnell
sie konnte den Flur entlang und die Treppe hinunter. Sie nahm kaum etwas
wahr. Tränen verschleierten ihr die Sicht. Mit voller Wucht riss sie die
große, fensterlose Eingangstür auf und lief orientierungslos in den dunklen
Wald hinein.
Nach einer Weile beruhigte sie sich wieder und lies sich auf einen kleinen
Baumstumpf sinken. Ihre Beine taten weh und ihre langen, schwarzen Haare
hingen ihr ins Gesicht. Offenbar hatte sie ihr Stirnband verloren. Aber das
kümmerte sie momentan wenig.
Laura horchte auf. In die beängstigende Stille hinein hörte sie ganz in der
Nähe das leise knacken zerbrechender Zweige und Äste. Sie war wie gelähmt.
Erneut zerbrachen Äste. Laura stand auf und schaute in die Richtung, aus der
das Knacken zu kommen schien. Zwischen den dunklen Umrissen der Tannen
erkannte sie eine große Gestalt, die genau auf sie zuging. Mit einem
entsetzten Aufschrei drehte sie sich um und versuchte zu fliehen. Nach ein
paar stolpernden Schritten fiel sie schmerzhaft auf die Knie. Ihr Verfolger
hatte sie fast eingeholt. Sie zitterte und ihr Herz pochte wie wild. Ein
letztes mal versuchte Laura auf die Beine zu kommen, doch sie konnte nicht,
Jemand hielt sich an der Schulter fest. Panisch tritt und schlug sie um
sich, doch ihr Verfolger war stärker. Verzweifelt versuchte sie die Gestalt
zu erkennen. Es war ein Mann. Er war groß und kräftig. So sehr sie sich
jedoch anstrengte, sein Gesicht konnte sie nicht erkennen. In dunklem,
heiserem Ton, flüsterte er: „Der Täter ist zum Tatort zurückgekehrt,
Laura!“
Sie fragte sich gerade, woher der Fremde ihren Namen kannte, als sie
plötzlich eine Hand auf ihrer Stirn fühlte. Der Mann war verschwunden und
sie war auch nicht mehr im dunklen Wald. Sie lag völlig verschwitzt und
schwer atmend in ihrem großen Metallbett. Die Hand auf ihrer Stirn gehörte
ihrer Mutter, die sie jetzt besorgt ansah. „Du solltest endlich zum
Arzt gehen, Liebes!“, verkündete Frau Belden. „Das geht jetzt
schon ein paar Wochen so. Ich mache mir allmählich ernsthaft sorgen.“
Sie strich sich über das braun gefärbte Haar und seufzte. „Ich hole
dir eine Tasse Fencheltee, mein Schatz.“ „Danke“ flüsterte
Laura matt. Immer der gleiche Traum! Und an den letzten zwei Monaten, die
ihr das Leben zur Hölle gemacht hatten konnte auch ein Arzt nichts mehr
ändern. Nur das sie das dass niemanden erzählen konnte.
Eins
Laura Belden schlich auf Zehenspitzen in die Küche. Im Nebenzimmer hörte sie
die gedämpften Stimmen ihrer Eltern und ihrer Tante. Tante Louisa wohnte
zeit dem Autounfall, bei dem ihr Mann, Urs und ihr neun Monate alter Sohn,
Tim ums Leben gekommen waren, bei ihnen. Der Einzug sollte eigentlich nur
vorrübergehend sein, aber daran dachte schon bald keiner mehr.
Vorsichtig lugte Laura durch den kleinen Spalt in der Tür, die zum
Wohnzimmer führte. Ihr Vater steckte gerade eine weitere lila Kerze in die
große Sahnetorte, die auf dem kleinen Wohnzimmertisch noch größer wirke, als
sie in Wirklichkeit war. Ihre Mutter und Tante Louisa legten jeweils zwei
Päckchen auf das weinrote Sofa daneben.
„Ich wecke sie auf!“, flüsterte Frau Belden. Laura schlich so
schnell sie konnte zurück in ihr Zimmer und kroch unter die Warme Bettdecke.
Die Zimmertür glitt auf und Laura sah das Gesicht ihrer Mutter, das sie
anstrahlte. „Alles Gute zum Geburtstag, Liebes! Komm schnell, die
anderen warten im Wohnzimmer!“ Frau Belden zog ihr die Decke weck und
die Fenstervorhänge auf. Schnell warf sich Laura ihren Morgenmantel über und
ging hinter ihrer Mutter durch die Kühe ins Wohnzimmer.
„Sechzehn! Sechzehn!“, schrie Tante Louisa. „Ich kann es
nicht glauben, dass du schon Sechzehn bist.“ Sie drückte Laura an sich
und grinste.
Lauras Vater schob sie auf das Sofa zu und hielt ihr ein kleines,
viereckiges Geschenk hin. Sie riss das orangegelbe Geschenkpapier hinunter
und öffnete die Schachtel. Ein paar silberne Ohrringe mit hellblauen
Steinchen glitzerten im Sonnenlicht. Sie waren wunderschön. „Passend
zu deinem nächstem Geschenk!“ meinte Herr Belden und reichte ihr ein
zweites, viel größeres Päckchen, in dem ein Silber und Blau gestreifter
Baumwollpullover war. „Danke, Vielen Dank. Die Sachen sind
super!“, freute sich Laura. Die beiden anderen Geschenke enthielten
eine CD von Robby Williams und einen Roman mit dem Titel:
„Brombeertage“. Nachdem Laura die Sechzehn Kerzen ausgeblasen
hatte, klingelte das Telefon. Als sie den Hörer abnahm erwartete sie am
anderen Ende ihre beste Freundin, Nancy, die ihr gratulieren wollte.
„Schau in fünf Minuten aus dem Badezimmerfenster!“, sagte eine
leise Mädchenstimme. „Nancy? Bist du das? Was soll der
Blödsinn?“ fragte Laura verwirrt. „Nancy?“ Ein leiser
Piepton in der Leitung, sagte Laura, dass die andere Person aufgelegt hatte.
„Verrückt!“, dachte Laura, „Das sieht Nancy gar nicht
ähnlich!“
Fünf Minuten später ging sie ans Badezimmerfenster. Es konnte ja sein, das
Nancy eine Überraschung für sie vorbereitet hatte.
Zuerst sah Laura auf die Straße, doch sie sah niemanden. Dann fiel ihr Blick
auf das Blumenbeet, direkt vor dem Fenster. Sie schrie entsetzt auf und wich
zurück. Ihr wurde schwindelig und zitternd sank sie zu Boden.
Tante Louisa kam aus dem Nebenzimmer gerannt und half ihr hoch. „Hast
du dir was getan, Laura? Was ist los?“
Mit zitternden Fingern wies Laura auf die kleine Gestalt im Blumenbeet.
Tante Louisa rief Herr und Frau Belden und rannte aus dem Haus zum
Blumenbeet.
Laura ging langsam hinter ihr her. Sie kniete sich auf den gepflasterten
Boden vor den Stiefmütterchen. Und starrte wie versteinert auf das kleine
Fellbündel das dort Blutverschmiert zwischen den Heidesträuchern lag.
Es war ihre Katze, Schnuffel, die sie erst vor sieben Monaten aus dem
Tierheim geholt hatte. Sie konnte nicht glauben, was sie dort sah. Alles war
so unwirklich. Dort lag nun ihr kleiner Schnuffel und starrte sie mit
leblosen, glasigen Augen an. Man sah deutlich den aufgeschlitzten Bauch der
kleinen Katze und die eine abgehackte Pfote.
Das war zu viel für Laura. Sie übergab sich und lief dann weinend und
vollkommen fertig ins Haus zurück.
Das Telefon klingelte erneut, doch Laura ignorierte es. Sie saß wie in
Trance auf dem Sofa uns starrte ihre Geburtstagstorte an.
Der Anrufbeantworter schaltete sich ein und Laura hörte die gleiche leise
Mädchenstimme, wie zuvor flüstern: “Das ist mein Geburtstagsgeschenk
für dich. Ich hoffe du freust dich.“
Zwei
Am nächsten Morgen war Sonntag. Laura hatte die ganze Nacht kein Auge zu
gemacht und über die schrecklichen Ereignisse ihres Geburtstages
nachgedacht.
[...]
Fortsetzung folgt!
Kommentare
flubell@gmx.de schrieb am 2006-05-10 13:57:53:
Die Geschichte ist echt Klasse ich bin echt gespannt wie es weitergeht!
djworks16@hotmail.com schrieb:
supi
GoodChris@freenet.de schrieb:
Hi. Arme Kittie!
Bis jetzt nicht schlecht, bin mal gespannt wie es weiter geht und ob es weiter geht-:)
sabs@hotmail.com schrieb:
Schreib bitte weiter!
Voll gut!
MarieArndt@web.de schrieb:
Schreib schnell weiter :)
Ist echt gut!!
jacky_1422@yahoo.de schrieb:
Wirklich eine klasse Geschichte... Schreib bitte weiter!!!
Pussy Cat schrieb:
*Schnief* Armes Kätzchen !!!! Aber ich glaube das hast du dier von einem Film abgekuckt ^^ ! Aber ich kann mich natürlich auch irren ^^`
schokobraun013@web.de schrieb:
die geshcichte ist echt gut!!! schrieb auf jeden fall weiter!!! bin schon gespannt wies weitergeht ;)
aqua_schaf@freenet.de schrieb:
Also die geschichte fängt ganz gut an, wann geht es weiter...
mach weiter so
! schrieb:
toll
beatzboy@hotmail.de schrieb:
die Geschichte is scho korrekt echt gut! die Fortsetzung wäre dazu bestimmt auch gut. also schreib schön fleißig!
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