IKEA, oder wie wir "Benno" und "Dunö" adoptier
von
Alf Schauder
1
2
protestiere ich, was aber eiskalt abgetan wird. Energisch werde ich an meiner Jacke gepackt und zurück zum Möbelmarkt gezerrt.
Das Essen, natürlich Köttbullar, schmeckt so wie es aussieht und heißt. Köttbullar – erinnert mich persönlich an eine Pfütze Kotze. Könnte ich mir durchaus vorstellen das diese zweifelhaft benannte Spezialität bald in veränderter Bedeutung in die Jugendsprache einfließt: „Scheiße, da hat jemand hingeköttbullart!“ Ja, durchaus passend. Ich krame schon wieder nach IKEA-Stift und –Zettel. Wunderbar, meine Verleger werden sich freuen. Vielleicht sollte ich doch öfter hierher kommen. In einer kreativen Flaute könnte IKEA meinen Ideenreichtum wieder ins Rollen bringen. Aber andere Gründe sehe ich nicht hier so schnell nochmal freiwillig aufzukreuzen. Ganz im Gegensatz zu den sonstigen Kunden. Eigentlich kann man das hier nicht als Möbelmarkt bezeichnen: Eher als Familienwochenendvergnügungspark in dem jeder seinen Gelüsten nachkommt. Eltern kaufen ein, die Kinder toben derweil im hauseigenen Kinderparadies und nachher isst man gemeinsam. Das füllt dann einen ganzen Tag, wobei man die Verstauzeit der ganzen Pakete nicht zu knapp berechnen sollte, weil man am Ende noch von der Dunkelheit überrascht wird.
Ich komme zum Glück nicht dazu scharf abzubremsen, wobei ich es mir fast wünsche, als wir zu Hause ankommen und Silke leichtfüßig die Treppen zu unserer 2. Stock-Wohnung hinauf schwebt und ich unten mit meinem Polo stehen bleibe, dessen Heckschürze am unteren Rand deutliche Kratzer aufweist. Ein Wunder das uns nicht die Achse unterm Hintern weggebrochen ist. Ja, geil. Warum eigentlich Heckschürze? Warum eigentlich so schwere Pakete? Warum eigentlich nicht Parterre? Warum eigentlich nicht Neubau mit Aufzug? Warum eigentlich IKEA? Warum Silke denke ich nur halb, weil sie eigentlich eine tolle Frau ist.
Ich möchte nur noch schlafen nachdem ich eine Stunde die Kartons nach oben transportiert habe. Und immer wenn ich auf der letzten Treppe war ging das verdammte Treppenhauslicht aus, so dass fast um Haaresbreite die Stufen wieder hinuntergestürzt wär, wobei mir die Möbel sicherlich alle Knochen im Leib gebrochen hätten. Silke kam nur nochmal runter um den Dekoscheiß zu holen. Tatsächlich ist alles auch schon drapiert, als ich schließlich das letzte Paket in der Wohnung zerre. Neues Bild an der Wand, bunte Vase auf dem Schuhschrank, eine unsägliche Stehlampe in der Ecke. Ich stapel alles ins Gästezimmer, der Aufbau wird sicherlich mehrere Wochen in Anspruch nehmen, Nachlieferung von Schrauben nicht mit eingerechnet.
Meine Augen brennen und jeder Muskel in meinem Körper schreit nach Erholung. Schlafen! Unser Bett ist übrigens nicht von IKEA; da hab ich mich durchgesetzt. Da hätte Silke mit Trennung drohen können. Ein Schwedenbett kommt mir nicht unter die Bandscheibe, die ich nach der heutigen Aktion auch wegschmeißen kann. Gerade will ich ins Bad entschwinden, als Silke mir mit den zwei Rotweinkelchen „Svalka“ entgegen kommt und auf einen „erfolgreichen Tag“ anstoßen will. Ich exe den Wein und zieh mir die Hose aus, die ich gekonnt über die neue Standleuchte „Dunö“ schmeiße, deren Papierschirm dabei von oben bis unten aufreißt. Gute Nacht, Düno. Silke motzt, ich zucke mit den Schultern. Silke wirft mir die Jeans hinterher, ich putze mir die Zähne. Silke versucht den Schaden mit Tesafilm zu reparieren, ich steige ins Bett. Silke kommt ins Bett, ich schlafe schon halb. Silke schimpft auf die IKEA-Lampen, ich grinse.
1
2
Kommentare
Johannes Beck schrieb am 2008-01-28 09:52:33:
Wow, humor- und niveauvoll. Gefällt mir sehr gut.
Gruß jo
Kommentar hinzufügen