Ich
von
Addicted
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ICH
Es geschah, als die beiden am wenigsten daran dachten, und so ganz will ich auch nicht darauf eingehen, doch ich bin ihnen natürlich ihrer Unachtsamkeit überaus dankbar, denn sonst wäre ich nun nicht hier. Doch Vergangenheit ist Vergangenheit, und sich dieses Paar vorzustellen die wenige Monate später meine Eltern wurden, liegt mir fern und ich rate es jedem zu unterlassen, was ich auch versuche. Doch wie komme ich darauf zu sprechen? Wie maße ich mir an, meinen Eltern für meine Zeugung zu danken? Weil ich etwas Besonderes bin. Ganz einfach. Viele mögen mich für verrückt erklären, denn schließlich hab auch ich nur zwei Beine, Hände, Ohren, doch ich gehe einen Schritt weiter wie meine sonst so ähnlich aussehenden, menschlichen Kollegen und behaupte zu sagen, dass ich mehr bin als das, wonach ich aussehe. Ich bin kein Mensch. Zumindest nicht einer im klassischen Sinne. Vielleicht bin ich eine Mutation, ein Missgeschick oder wie auch immer man mich nennen mag. Doch bin garantiert keines dieser Wesen, die Sie vielleicht aus den Filmen kennen oder aus Comics. Ich hab keine Flügel, bin auch sonst immer auf dem Boden, ich verwandele mich nachts nicht in einen Wolf oder treibe sonst irgendwelche Scherze. Ich sehe aus wie jeder andere Mensch auch, doch das besondere an mir ist das, was sich zwischen meinen Ohren abspielt: In meinem Gehirn. Ich kann mir nicht erklären was mich genau zu dem Macht was ich bin. Zumindest nicht den Grund für diese Mutation. Und doch weiß ich, dass ich anders bin, denn oft schaue ich im Park die Menschen an und versuche mir vorzustellen, wie ich wohl wäre, wäre ich wie sie. Hätte ich auch Haustiere und würde einen Hund an der Leine führen? Nein, dazu bin ich mir zu schade. Würde ich auch täglich zur Arbeit gehen? Nein, auch dazu wäre ich mir zu schade. Würde ich vielleicht auch jenen Tag im Jahr feiern, an dem sich der Tag der Geburt jährt? Gewiss! Diesen Tag zelebriere ich wie einen Festtag, denn ich bin froh hier zu sein, anders zu sein und jeden Tag auf´s Neue mich selbst zu überraschen. Doch genug geredet, dass muss ich diesmal eingestehen, denn jetzt bin ich nicht mit meinen Gedanken alleine, denn Sie sind hier, lesen diese Geschichte. Und obwohl ich in diesem Augenblick noch mehr von mir erzählen möchte weil Sie mich am Ende wahrscheinlich bewundern werden (was ich stets sehr genieße), muss ich Ihnen etwas aus meinem Leben erzählen, denn schlussendlich ist es egal, was für Fähigkeiten jemand besitzt, wenn sie nicht gefordert und geschult werden. Doch Lehrer sind im Allgemeinen Personen, die über den Dingen stehen und ihren Schülern in allem, wirklich allem, überlegen scheinen und es vielleicht meist sogar sind, doch kein Mensch dieser Erde ist mir überlegen. Also, wer hätte mich schulen können? Die Antwort lautet schlichtweg: Niemand. Ich selbst musste es tun und das tat ich. Und zwar auf eine absolut einzigartige Weise, wie ich mir heute noch immer eingestehen muss. Ich bastelte mir nämlich meinen Lehrer zusammen. In meinem Kopf. Und er war gut. Bis zu jenem Zeitpunkt, in dem ich besser wurde. Dann musste er gehen. Und von diesem Zeitpunkt an, wusste ich das ich das Beste bin was das Universum in all seinen Milliarden von Jahren hinbekommen hat, und spüre noch immer seine Blicke auf mir. Wie eine Mutter, die ihr Kind vor stolz trotzend anschaut, schaut es mich an, hat mich äußerlich sowie innerlich wachsen sehen und ich spüre das ich es glücklich mache, das Universum. Doch was macht mich so besonders? Ich könnte nun Fähigkeiten aufzählen, die den Rahmen hier und jetzt sprengen würden, deswegen zähle ich nur jene auf, die mir am Wichtigsten erscheinen. Doch auch das wichtigste Können lässt sich nicht ganz in einem Wort beschreiben, zumindest nicht so, dass Sie es verstehen. Ich möchte es mal so sagen: Mein Gehirn ist der Schlüssel zu allem. In ihm stecken Fähigkeiten, für die mich jeder Mensch beneiden würde. Darin erschaffe ich meine eigene Welt, besuche sie, kann sie anfassen und sie ist genauso real wie jene, in der sich mein biologischer Köper stets befindet. Und finde ich in der physiologischen Welt keine Lösung auf eventuelle Fragen die ich habe, tauche ich in meine ein, die sich in meinem Kopf befindet. Und um Ihnen diese Welt ein bisschen näher zu bringen, beschreibe ich Sie Ihnen nun ein wenig, denn wenn Sie schon einmal da sind, kann ich Sie von meinem Können überzeugen.
Meine Welt sieht auf den ersten Blick so aus, wie die Welt außerhalb meines Kopfes. Ich wohne in derselben Wohnung, trinke dasselbe Wasser, kenne dieselben Leute. Doch alles richtet sich nach mir. Ich bin der Mittelpunkt, sprühe vor Charme und Wissen, und möchte ich letzteres ein bisschen erweitern, so muss ich nur daran denken und ich weiß zum Beispiel im selben Augenblick den Namen des letzten Kaisers von China, oder wie viel Lichtjahre das Universum misst. Nichts bleibt mir verborgen, ich bin allwissend. Und nicht nur das: Ich kann hin, wo immer ich hin möchte, kenne keine Grenzen, weder als Entfernung noch als Möglichkeit. Liege ich in einer Sekunde in meinem Bett, umgeben von drei, manchmal auch vier Frauen, bin ich Sekunden später auf einer sonnigen Insel, genieße die Luft dort und auch sonst alles, was diese Insel zu bieten hat. Doch habe ich gleichen Augenblick Lust, auf dem Mond umher zu wandern, so tue ich dies, und alles ist mindestens genauso real wie in der Welt, in der ich geboren wurde. Doch einen kleinen Nachteil hat diese Sache: Ich sehe Menschen- auch in der für sie so realen Welt, sehe ich sie. Sie erscheinen, stumm und mit einem Blick in ihren Gesichtern, der tote aufwecken könnte. Sie erscheinen in allen möglichen Situationen: Komme ich aus der Dusche, stehen Sie da, fahre ich mit der Bahn, sitzen sie neben mir. Bin ich im Kino, erscheinen sie plötzlich im Film. Und stets sind sie ganz in weiß gekleidet, und werfen mir verhängnisvolle Blicke zu. Doch ich versuche diese Menschen zu ignorieren, weiter zu machen in dem was ich tue, sei es in der für Sie so real scheinenden Welt, oder in meiner, in der ich der Allwissende bin. Ich möchte schon sagen: Dort bin ich Gott. Dort steht mir jegliche Macht zu. Ich spiele Tot oder Leben, heile oder lass leiden. Treffe ich an einem Tag in der „realen“ Welt einen Menschen der es schlecht mit mir meint, besuche ich ihn meiner, lasse ihn ausbluten und sterben, genieße den Triumph in meinem Gesicht, wenn ich dabei in den Spiegel schaue. Jetzt, in diesem Augenblick, in dem ich beschlossen hab das sie Teil haben dürfen in an meiner Geschichte (und sehen Sie sich als privilegiert an), sitze ich in der Bücherei. Ich sitze auf einem Stuhl an einem Tisch, schaue in der Weite der Gänge, und blicke ohne einen Blick in meinen Augen zu haben. Würden die Menschen hier mich anschauen, würden sie sehen das ich nicht hier bin- phsychisch betrachtet. In Wirklichkeit laufe ich in dieser Bücherei durch die Gänge, breite meine Arme aus, berühre mit meinen Fingerspitzen die Bücher die links und rechts neben mir, die in den
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Kommentare
Heike schrieb am 2007-06-14 17:54:13:
Eine sehr komische, etwas andere aber dennoch tolle Geschichte! Echt gut!
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