Ich
von
Addicted
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Regalen ruhen, und sauge so förmlich mein Wissen ein. Ich bin in der Bücherei, während ich in der Bücherei bin. Ich könnte auch in der Bücherei sein, während ich auf meiner Insel wäre, doch ich bin hier. Denn ich habe vorhin, also in der für Sie realen Welt (ihr armen Menschen!!), einen Mann gesehen, der mich angeschaut hat, also hätte ich ihm etwas getan. Sein Blick war so von Hass durchtränkt, dass es mir kalt den Rücken herunter lief und es noch jetzt immer tut, denke ich an ihn. Und ich muss an ihn denken, denn ich muss mich rächen. Ich denke an ihn, und suche ihn, sauge wissen auf um mir damit einen Plan auszudenken, wie ich ihn leiden lassen könnte: Ich könnte ihn enthaupten, so wie man es bereits mit Königen gemacht hat, ihn vielleicht verbrennen und dabei gemütlich zuschauen und meine Hände an der Hitze wärmen. Doch...jetzt hab ich die Idee: Ich steche ihn ab. Nein, noch besser: Ich fessle ihn, und dann steche ich ihn ab. Ob sein Blick dann auch noch derselbe sein wird? Nein, das wird er nicht. Er wird das sehen, was ich bin: Gott! Ich urteile über das Leben, über den Tot, heilen oder lasse sterben. Doch jetzt...seien Sie still...ich sehe ihn. Wie kümmerlich er in seiner linken Hand einen Korb hebt und dabei mit der rechten in Büchern umherblättert. In Büchern, die seinen Verstand bestimmt um weiten überfordern, während ich diese Schriften bereits als dreijähriger las. Und ich weiß noch genau, wie ich den Weg zu jener Welt entdeckte, in der ich über all das Wissen frei verfügen kann.
Damals kam mein Vater nämlich nach Hause, und schlug zuerst meine Mutter, zog sie aus und machte Dinge mit ihr, die kein Mensch, sei er erst drei oder schon dreißig, hätte zu Gesicht bekommen sollen. Er würgte sie nicht nur, damit hätte ich noch Leben können, denn das tat er fast zweimal täglich. Nein, in dieser Nacht misshandelte er sie. Und als sie regungslos am Boden lag und ihre Schreie verstummten, hörte er mich kleinen Wicht in der Ecke heulen und jammern. Mit einem Ruck zog er seinen Gürtel von der Hose und dann machte er mit mir jene Dinge, die meine Mutter zu verhindern gewusst hätte, wären ihre Lungen in diesem Augenblick noch imstande gewesen, genügend Luft einzusagen, und wäre ihr glasiger Blick der einer Lebenden gewichen. Doch nichts tat sie, während mein Vater auf mich einschlug, mir seine Macht demonstrierte die er sonst nirgendwo zeigen durfte. Sie lag da, leblos, und sollte nie wieder aufstehen. Und ich? Ich bin plötzlich nicht mehr da. Zumindest nicht in jener Welt, die SIE ihr zuhause nennen. Nein, ich war nicht mehr da. Ich war in meiner. ICH wurde zu Gott. Und irgendwie sollte ich meinem Vater dafür danken, dass er mir das Portal zu meiner Welt offenbarte. Während er auf mich einschlug und seine starken Hände meinen kleinen Kindeskopf gegen die Wand knallen ließen, war ich weg. Ganz weit weg. Ich hörte weder das Knacken meiner Knochen, doch das befriedigende Stöhnen das er in diesem Moment von sich gab. Doch dann, als die Schmerzen für meinen Körper erträglicher wurden, drang ich wieder in diesen ein. Langsam hob ich diesem Moment meinen Kopf, spürte das warme Blut überall auf meiner Haut, und blickte meinen Vater an. Dieser stand, ebenfalls blutverschmiert (und ich bin mir sicher, dass auch das Blut meiner Mutter an ihm haftete), mit gehobenem Arm, in deren Hand er den langen Gürtel hob der auf meinen armen Köper einschlug, als wäre er eine Fliege die es zu jagen galt. Ich blicke ihn und sagte: „Was hast du getan?“ Ich sagte es sehr langsam und eindringlich. Das war möglich, weil ich in diesem Augenblick meine Kindheit verlor. Ich war nicht mehr drei Jahre alt, ich war so alt wie ich sein wollte. In diesem Moment stand ich auf, obwohl meine Knochen schmerzten, und ging, oder vielmehr kroch, zu meiner Mutter, deren Atem ich nicht mehr spürte. „Du hast sie getötet.“, sagte ich. Mein Vater, anstatt einsichtig zu sein, schlug ein letztes Mal mit meinem Gürtel nach mir, während er schrie: „Das bleibt unter uns! Das bleibt unter uns!“. Wie gesagt, er schlug das letzte Mal nach mir, denn ich tötete ihn in dieser Nacht und niemand bekam etwas davon mit, denn für die Polizei schien es mehr als nur absurd, dass ein dreijähriger Junge seinen Vater hätte töten können. Doch ich tat es.
Und dieser Mann, der nun vor mir steht und aussieht als könnte er keiner Fliege was zu leide tun, ist wie mein Vater. Ich spüre es. Bringt ihn ersteinmal etwas in fahrt, kennt er kein zurück mehr. Ich beobachte diesen Mann, wie er ein Buch anschaut, und doch spüre ich wie er etwas anderes im Sinn hat. Wird er nachher heimgehen und seine Kinder schlagen? Seine Frau vergewaltigen? Ich habe die Macht, ihn zu stoppen, und SIE dürfen dabei sein! Wie gesagt, sehen Sie es als ein Privileg an! Doch...warten sie...Ich muss sie leider enttäuschen. Ich muss wieder in jene Welt zurückkehren, die sie für sie real halten. Leider muss ich diesen Akt des Tötens, der mir mindestens so viel Freude bereiten würde wie Ihnen, hinauszögern. Ich hab in diesem Gefühlsrausch die Zeit vergessen und mein Vater kümmert sich nun einmal nicht um meine Welt- wie auch? In dieser, der einzig wahren Welt, hab ich ihn getötet, aufgeschlitzt. Doch in der Welt die die Menschheit fälschlicherweise für wahr hält, ist er noch vorhanden, ein trauriges Bild eines Mannes, der an der Flasche hängt wie ein Kleinkind an der Brust seiner Mutter. Er säuft und hat den ganzen Tag nichts anderes zu tun, als sich über die Welt aufzuregen- und über mich. Doch jetzt, während ich laut denke, bringt es mir Einsicht. Einsicht darüber, dass auch SIE nicht real sein können. Nein, das sind Sie nicht. Genauso wenig wie mein „Vater“. Der Gedanke, diese Welt die sie für voll halten, sei wirklich real, klingt auch mehr als nur absurd. Eine Welt, in der ich nicht Gott bin? Eine Welt, in der die Menschheit verschiedene Götter anbetet, als könnten sie sich nicht entscheiden? NEIN! Ich bin der einzig wahre Gott! Ich bin alles! Doch: War ich damit auch all die Personen, die ich in meinem Leben bereits in den Büchern las? Einstein, Goethe, Hitler, Nietzsche? In der Tat! Ich bin es! Also, lassen Sie und diesen Mann töten, und damit auch mich! Denn ich bin Gott!
© 2007 by Mathias Eigl
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Kommentare
Heike schrieb am 2007-06-14 17:54:13:
Eine sehr komische, etwas andere aber dennoch tolle Geschichte! Echt gut!
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