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Kategorien > Liebe&Leben > Handycap

Ich, ganz anders!

von Janne Bohn

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„Wieso jetzt?“ Sie strahlte mich nur an und schien nicht zu verstehen, was ich meinte. „Ich denke nicht das wir zusammen passen, nicht als Freunde und schon gar nicht, als Paar du musst dir wohl jemand anderen suchen, der in deine Welt passt oder zumindest reinpassen will, nur merke dir, wenn du die Leute weiter nach solch Oberflächlichkeiten bewertest wirst du nie jemanden finden, der deinen Ansprüchen genügt.“ Es ist dieser Zeitpunkt. Wovon ich rede und mit wem? Mit dem Mädchen, das für mich immer alles gewesen ist. Das Mädchen, dem ich fast 2 Jahre jeden Morgen, jeden Mittag, eigentlich rund um die Uhr, hinterher gelaufen bin, hinterher gesehen und bewundert habe. An sie gedacht. Und trotzdem wusste ich immer, dass ich sie nie haben könnte. Nicht etwa, weil ich nicht gut aussah oder einen schlechten Charakater hatte, zumindest soweit ich das beurteilen konnte. Als ich neu auf die Schule kam, hatte sie sogar ein Auge auf mich geworfen. Dennoch gab es da ein entscheidendes Problem. Ich stotterte. Es war eine Art Krankheit. Ich konnte nichts dagegen tun. Das allerdings schien ihr mehr, als gleichgültig zu sein. Für sie war ich damit die neue Nummer 1 auf ihrer Looser-Liste. Und seitdem verging kein Tag, an dem ich nicht an sie dachte und mein Handycap verfluchte. Das ging sogar so weit, dass ich anfing mich selbst dafür zu hassen, was totaler Schwachsinn war, da ich daran absolut keine Schuld trug. Ich wollte nicht mehr, als mit ihr zusammen zusein, aber war es nicht sowieso immer, dass man die Dinge, die man nicht bekommen konnte, am meisten wollte. Dochdafür, dass ich das bekommen konnte, musste ich es schaffen, normal zu sprechen. Immer war es ein Problem, die Leute sahen mich an und hatten einen guten Eindruck von mir, ich passte perfekt in ihre oberflächliche Welt. Doch das hielt nur so lange an, bis ich versuchte zu sprechen. Dann war es immer die gleiche Reaktion. Manchmal ein höfliches Lächeln, etwas beschämt von den Leuten, die noch einen Funken Anstand besaßen. Von den anderen gab es ein Kopfnicken und damit war ich für sie erledigt und jedesmal zerbrach etwas in mir. Mit jedem mitleidigen Lächeln, Kopfnicken oder anderer Mimik, mit der ich bedacht wurde. Ich wollte kein Mitleid, alles was ich wollte, war dazu gehören. Normal sein. Doch das schien unmöglich und so versuchte ich zu lernen, damit umzugehen. Doch es wollte mir einfach nicht gelingen, ich tat alles was in meiner Macht stand. Versuchte es mit singen, lautem Lesen und ich weiß nicht, mit was noch allem. Und trotzdem wurde keine meiner Bemühungen mit Erfolg belohnt. Bis jetzt. Was sich geändert hatte? Ich hatte 1 ½ Jahre mein gesamtes Taschengeld gespart. Für viele Jungen und Mädchen in meinem Alter unvorstellbar. Kein Kino, kein Bowling, keine Feiern, wo hin ich abgesehen davon, dass ich sie mir nicht leisten konnte, sowieso nicht zu eingeladen wurde. Jedoch bereue ich es nicht eine Sekunde, mein ganzes Geld gespart zu haben. Es hatte sich nun wirklich mehr als bezahlt gemacht. Ich hatte mein Geld genommen und mir davon eine professionelle Therapie ermöglicht. Sie war noch sehr neu und es gab keine 100 %% Erfolgschancen. Dennoch war es für mich der einzige Weg und so zögerte ich nicht eine Sekunde die Einverständniserklärung zu unterschreiben. Und zu meinem Glück, die Therapie war erfolgreich. Ich konnte Sprechen, ganze Sätze, ich konnte Gedichte lesen, singen. Es war wie im Himmel. Als ich aus der Tür des Therapiegebäudes kam,dass für mich 2 Monate mein zu Hause darstellte, traute ich mich nicht den Mund auf zu machen. Aus Angst sie könnte nicht den gewünschten Effekt gehabt haben. Ganze 3 Stunden schwieg ich. Bis ich an meinem Lieblingsplatz angekommen war. Einem kleinen See in der Nähe meines Hauses. Ich setze mich auf den Steg und hatte auf einmal das Bedürfnis zu schreien. Einfach ganz laut zu schreien. Also tat ich es, ohne weiter drüber nachzudenken. Und war erschrocken über mich selbst. Erst waren es nur einige Wörter die meine Lippen verließen. Später waren es jedoch ganze Sätze. Und das ganz ohne ein Stottern. Ich konnte mein Glück nicht fassen. Noch nie in meinem Leben hatte ich mich so gefühlt.
Am nächsten Tag lief ich singend durch die Schule. Die anderen staunten nicht schlecht als sie mich hörten. Ich bekam ein paar sehr erstaunte Gesichter zu sehen. Es freute mich. Ich wurde gesehen. Die letzen Jahre war ich eher ein sehr unsichtbarer Schüler. Doch jetzt schien ich der Mittelpunkt der Schule zu sein. Dauernd kamen Leute zu mir an, es bildeten sich ganze Menschengrüppchen um mich herum, alle wollten wissen wie es möglich war, dass ich plötzlich so singen und sprechen konnte. Ich war gerade mittem im Satz, als die anderen Schüler einen Schritt zur Seite machten. Wegen ihr. Sie steuerte auf ihren High- Hells direkt auf mich zu. Cindy! Ich dachte sie würde, wie an sovielen Tagen zuvor an mir vorbei gehen ohne mich auch nur anzusehen. Doch mein Glaube wurde erschüttert. Sie ging direkt auf mich zu. Sah mir in die Augen. Doch es waren nicht die Augen die ich erwartet hatte. Sie strahlten nicht. Sie waren ausdruckslos. Nichts fröhliches war in ihnen, jedoch auch nichts trauriges. Sie waren vollkommen langweilig. Sie sagte etwas, das ich allerdings nicht hörte. Ich war wie erstarrt. Nicht etwa weil sie endlich mit mir sprach. Nein einzig und allein, weil mir nach so langer Zeit bewusst wurde, das ich einer Vorstellung hinterher gelaufen war die es so nie geben würde. Und schon gar nicht bei diesem Mädchen. Ich wollte sie nicht mehr. Das Mädchen, dass der einzige Inhalt meiner Gedanken und Träume war, seit ich sie das erste Mal gesehen hatte.
Sie war immer anwesend gewesen. In meinem Herzen. Jetzt wo es schien, als gebe es eine Chance, hätte ich nichts lieber getan, als weg zu laufen. Sie war nicht annährend der Mensch den ich in ihr gesehen hatte. Sie war oberflächlich. Noch so viel oberflächlicher, als all die anderen. Der Unterschied? Von niemandem hatte ich etwas erwartet. Alle waren mir egal. Doch nicht sie. So war sie der einzige Mensch der mich mit ihrem Verhalten enttäuschen konnte. Das tat sie nun, nur komischerweise genau mit dem was ich mir immer gewünscht hatte. Ich verstand es selbst nicht. Und ich war sicher ich würde auch noch meine Zeit brauchen um es zu verstehen. Doch Fakt war nunmal das ich sie nicht mehr wollte. Sie mit ihrem perfekten Aussehen und der perfekten Welt, in die ich nicht passen wollte. Ich sah sie noch einen Moment an, in diese Augen, die ich mir so anders vorgestellt hatte. Und sagte dann mit meiner ruhigen, gleichmäßigen Stimme: „ Wieso jetzt?“ Sie strahlte mich nur an und schien nicht zu verstehen was ich meinte. „ Ich denke nicht das wir zusammen passen, nicht als Freunde und schon gar nicht, als Paar du musst dir wohl jemand anderen suchen der in deine Welt passt, oder zumindest reinpassen will, nur merke dir wenn du die Leute weiter nach solch Oberflächlichkeiten bewertest wirst du nie jemanden finden der deinen Ansprüchen genügt.“ Mit diesen

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