Ich male dir ein Bild
von
Lillium
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wieder Mal nach langer Zeit was von mir
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Ich male dir ein Bild.
Ich nehme den Bleistift und beginne ihn zu spitzen. Indem ich meinen Finger leicht auf die Spitze drücke, prüfe ich, ob es genügt. Das Blatt Papier liegt vor mir am Tisch, weiß, leer, ich setze den Bleistift darauf. Ich zögere. Der erste Strich ist der schwierigste, er entscheidet alles. Getan, die Illusion beginnt, ich widme mich nur dem Bild.
Ich lasse absichtlich im Vordergrund Platz und beginne mit dem Hintergrund. Mein Stil ist es, mit Details zu beginnen und erst dann das große Ganze zusammen zu setzten. Diese ganzen Bücher, die raten, einfache geometrische Formen zu benutzen, sie helfen mir keineswegs, sie geben mir keine hilfreichen Tipps. Vielleicht brauche ich gerade deswegen immer mehr Papier, als andere Zeichner.
Aber dieses Bild, das ich für dich male, für dieses Bild werde ich nur ein Blatt benutzen und mir mehr Mühe geben, als bei irgendeinem anderen. Auf dem Blatt ist bereits ein Urwald entstanden, ein Kakadu sitzt auf einem der Bäume und reckt seinen Kopf in die Luft. Was er sieht, weiß niemand, aber es scheint ihn zu bannen. Die Orchidee erblüht gerade in ganzer Pracht, doch entstanden ist sie erst, nachdem ich den Kolibri, der nervös flattert, davor gezeichnet habe. Er ist mir gut gelungen, er scheint wirklich in der Luft zu tänzeln und Nektar zu lecken.
Endlich kommt das Wichtigste. Ich beginne mit einem Detail, wie immer. Das lauernde Auge, starrt in den Regenwald. Rundherum ein Kopf, eine Nase, zwei Ohren, wobei das eine ein wenig hinter dem anderem verschwindet. Die großen Tatzen, sie schleichen über den weichen Boden. Er wartet, bis sein Opfer unaufmerksam ist und dann setzt er zum Sprung an. Was die Beute wird sieht man nicht, allerdings vermutet man wohl ein kleinere Unterart einer Antilope, oder ähnlichem. Die große Raubkatze steht im Mittelpunkt, der lange schwarze Schwanz, der muskulöse exakte Körper. Er sieht genauso aus, wie der im Zoo, der so trübselig am Gehegezaun entlang getrottet war. Nun ist er frei, so wie es sich für einen Panther gehört. Er lebt in meiner Zeichnung in Freiheit.
Erleichtert atme ich aus, lege den Bleistift weg und betrachte mein Bild, nein dein Bild. Ich erhebe mich, nehme das Blatt Papier in meine Hand und lege es dir erwartungsvoll vor die Nase.
Ich habe dir ein Bild gemalt, doch es zerriss mir beinahe mein Herz, als du mit dieser Gleichgültigkeit sagtest: „ Hast du nichts Besseres zu tun?“
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Kommentare
franke,sina schrieb am 2009-01-01 23:42:42:
wunderschoen.wunder, wunderschoen. mehr kann ich dazu nicht sagen, es verschleagt mir die sprache. ich sehe die farben, auch wenn es nur ein bleistift war. ich sehe die formen, man kann fast die blume richen und denkolibri falttern hoeren. unglaublich schoen.
lg sina
AlterMann schrieb am 2008-12-06 21:33:37:
Die wahre Kunst::: ist es nicht ein Bild lebensecht zu malen, sonder gegen allen Widerstand und gegen jede Abwertung zu lieben und sich dazu zu bekennen. Denn::: das Bild ist und bleibt ein Stück von Dir und Deiner Seele, egal ob Andere es zu würdigen wissen!
SO wie diese Geschichte - ich finde sie gut, kann mir Dein Gefühl vermitteln - andere finde sie blöde und schlecht umgesetzt - scheiß drauf, ich habe recht....des Alters wegen
Also:::: weiter so, und sonst mal mir ein Bild, an meine E-Mail (grins)!
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