Ich sah ihn
von
Hermione
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Ich sah ihn
Jede Nacht, wenn ich mich ins Land der unendlichen Träume begebe, erscheint sie mir.
Ich schließe die Augen, aber nicht freiwillig, denn ich weiß genau, was passiert, wenn ich einschlafe.
Denn dann erscheint sie
und ich kann mich nicht mehr aus der dunklen Welt reißen, nein, denn diese Welt droht mich jeden Tag mehr zu verschlingen.
Manchmal glaube ich sogar, dass ich eines Tages nicht mehr aufwachen werde, aber wie lässt sich der Schlaf vermeiden?
Gar nicht, denn der Schlaf ist etwas völlig natürliches.
Jedes Tier schläft, ja sogar Pflanzen schlafen und selbst Vampire schlafen, falls es welche geben sollte.
Um die Frage gleich zu beantworten: Ja, ich bin abergläubisch.
Ich glaube schon daran, dass es Wesen der Nacht gibt, ich bin eine regelrechte Anhängerin von ihnen; ich laufe nur in schwarzer Kleidung herum, bin von Natur aus sehr blass und sammle alles, was mit Hexenkult und Unterwelt zu tun hat.
Und trotzdem fürchte ich mich vor der Gestalt, die mir da jede Nacht erscheint.
Die Umrisse sehen aus wie die eines Menschen, eines großen Menschen, und jede Nacht wird die Sicht auf das Wesen klarer; auch der Traum, der immer an einer gewissen Stelle abbricht, wächst langsam aber stetig, wie eine Serie, bei der jeden Tag ein neuer Teil gezeigt wird.
Meine Eltern wissen von diesem Traum, und ich bin deswegen seit mehr als einem Jahr in Behandlung, bekomme irgendwelche Tabletten, die mich high werden lassen aber nichts gegen diesen Traum bewirken.
Das hab ich meinen Eltern auch schon gesagt, aber sie glauben mir nicht, halten mich für ne Psychopathin, weil ich nachts im Tiefschlaf schon mal aufs Dach unseres Nachbarn geklettert bin.
Natürlich wusste das dann die ganze Ortschaft.
Aber was hätte ich tun sollen? Ich träumte, ich kletterte einen Felsen hoch, und oben war sie, diese Gestalt, in einen langen schwarzen Umhang gekleidet.
Komm
komm zu mir. Die Stimme gehörte einem Mann.
Eine tiefe, sanfte geschmeidige Stimme, in der dennoch Gefahr lag. Ich kletterte und kletterte, schien die Ebene aber nie zu erreichen.
Und plötzlich verschwand der Mann, und ich fand mich auf dem Dach unseres Hauses wieder, laut um Hilfe schreiend.
Der Schlaf legte seine starken Arme um mich und ließ mich nicht mehr los.
Ich kämpfte, um wach zu bleiben, doch ich versagte
die Müdigkeit war zu groß.
Die Blätter rauschten im Wind, als wären da tausende dünne Stimmen, die zu mir sprachen.
Aus den Stimmen drang ganz klar die eine, die mir so vertraut schien. Sanft, wohltuend und doch Angst erfüllend.
Stieg ich aus dem Bett? Ich wusste es nicht, ich schien über den Boden zu schweben, auf das Fenster zu
das sich öffnete.
Den kalten, glatten Stein der Hausmauer fühlte ich dennoch.
Aber das Bild, das sich mir tagsüber bot, war nicht mehr dasselbe.
Es war der Felsen, den ich schon so oft zu erklimmen versucht hatte, es aber nie geschafft hatte.
Und da war er wieder. Dieser Mann, dessen Gestalt so verschwommen wirkte er streckte seine Hand nach mir aus.
Komm
komm zu mir. Seine Stimme hypnotisierte mich; ich musste zu ihm
Meine Hände suchten halt und rutschten öfters beinahe ab, denn der kalte Schweiß auf ihnen machte das Klettern beinahe unmöglich.
Ich fühlte den starken Wind, wie er um meinen Körper strich, ihn in die Tiefe reißen wollte.
Diesmal würde ich es ganz bestimmt schaffen, diesmal würde ich mein Ziel endlich erreichen und die Träume ein für allemal beenden können.
Voller Elan kletterte ich empor, und mein Wunsch schien erhört zu werden; das Gesicht, der Körper des Mannes wurde klarer.
Mit letzter Kraft erklomm ich den Rest des Felsens, und verharrte kurz, um den Mann in meinen Träumen anzusehen.
Sein Haar war so schwarz wie sein Mantel, den er trug und sein Gesicht unnatürlich blass.
Seine Augen waren von einem stechenden blau er lächelte.
Komm
nimm meine Hand. Wie erlösend und schön seine Stimme doch klang
meine Hand erfasste die seine.
Ich konnte meine Augen nicht von seinen abwenden.
Endlich
hab ich dich!
und mit einem Lächeln ließ er meine Hand so plötzlich los, dass ich erst einige Sekunden später realisierte, was geschehen war.
Meine andere Hand fand keinen Halt mehr, ich verlor das Gleichgewicht und stürzte, immer tiefer, in die ewige Tiefe, so wie es schien
Der Tod hatte es also doch geschafft, mich zu überlisten.
Am nächsten Tag fand man die Leiche einer jungen Frau, die auf das Dach ihres Hauses geklettert war und von dort aus gesprungen war.
Das Seltsame daran war, dass die Frau eine Rose auf ihrem Rücken liegen hatte
Ich weiß nicht genau, was mir beim Schreiben dieser Geschichte durch den Kopf gegangen ist... so wie es bei einigen anderen Geschichten auch der Fall war =)
Über Kommentare zu der Geschichte freue ich mich natürlich, würde mich auch freuen, wenn ihr meine anderen Stories, die ich hier veröffentlicht habe, lesen würdet... als Buchautorin benötige ich möglichst viele Meinungen zu meinen Geschichten =)
Danke, danke.
Hermione
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Kommentare
BlackRose schrieb am 2006-09-20 13:32:36:
*seuftz* *schluchtz* einfach super *schleim schleim * <<<---- zu mindest hört sich das so an ises aber nicht . der kern dieser geschichte ist super gut herraus gearbeitet und die stimmungen kommen perfeckt rüber , man hatte das gefühl ob man in der geschichte mit dabei wäre und sogar den wind spüren könnte ( nein mein fenster is zu und ich spinne nicht ) echt einfach klasse ! ( ich arbeite immer noch nicht , aber wenn du meinen komi liest weist ja dann wer ich bin ^^ )
silent_lain schrieb am 2006-08-24 10:06:40:
Ich finde die Story sehr gut. Ich mag das Düstere und Nachdenkliche daran. Sie ist kurz, simpel geschrieben, und enthält dennoch ein Fünkchen Unwirklichkeit, welches versucht sich dem Leser/der Leserin zu offenbaren.
Hoffe du haust mal was richtig horromäßiges raus. würde mich freuen....
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