Ich träume nicht mehr
von
Pandora
1
2
Wenn ich heute zurückdenke, kann ich es immer noch nicht glauben. Wieso um alles in der Welt ist es nach über 8 Jahren doch noch passiert? Über 8 Jahre, in denen ich mir nichts mehr gewünscht hatte. Am Ende war der Wunsch, die Sehnsucht, [naturgemäß] etwas abgeflaut, doch nie ganz aus meiner Seele entschwunden. Immer war da dieses Verlangen nach Nähe, diese tiefe Zuneigung zu ihr.
Angefangen hatte es nach der Grundschule, als auf uns alle eine neue Situation zukam und wir uns innerhalb kurzer Zeit mit ganz anderen Leuten auseinandersetzen mussten.
Mit ihnen die nächsten fast 10 Jahre durchs Leben gehen. Mit ihnen an manchen Tagen mehr Zeit verbringen als mit der Familie, mit ihnen lachen und weinen, streiten und sich freuen. Später mit ihnen feiern und trinken. Doch sie war immer etwas anderes in meinen Augen. Sie war mehr.
Dieses hübsche Mädchen mit seinen blonden Haaren und den blauen Augen. Sie war eine Faszination, die ich so nirgends in meinem bisherigen Lebensumfeld kannte. Und ich war mit dieser Meinung nicht alleine – leider. Schnell bildeten sich in den ersten Monaten kleine Grüppchen. Unter den Jungen gab es die Chefs, die Loser und die Mitläufer, deren Zuneigungen nach oben oder unten sich ambivalent gestalteten. Nichts halbes und nichts ganzes, das war auch ich lange Zeit. Und so bestanden die ersten drei bis vier Jahre vor allem aus einer Träumerei von ihr. Eine Zeit, in der mir mehr und mehr klar wurde, dass mich irgendwas mit ihr verband. Und eine Zeit, in der ich wusste, dass dieses Band nie geknüpft wird.
Es war nicht diese klischeehafte Liebe, denn ich war nicht in sie verliebt. Ich hatte nur einen banalen Wunsch: Eine tiefe Freundschaft mit diesem Mädchen. Als wir alle in die Pubertät kamen, änderte sich das Bild. Mittlerweile war ich halbwegs aufgestiegen in der Klassenhierachie, mein offener und humorvoller Charakter kam mit den Jahren besser an und so gelang ich das erste Mal in die Außenbereiche ihrer Sphäre. Eine Randnotiz, mehr nicht. Ein Neuling unter den „Großen“, die schon seit Jahren mit ihr und ihrer Clique abhingen.
Und bis zum Abschluss in der 10. Klasse festigte sich eine Basis zwischen uns. Meine Sehnsucht und meine Gefühle nach diesem Mädchen, die irgendwo heftig zwischen Freundschaft und Liebe pendelten, erlebten Auf- und Abschwünge im wöchentlichen Rhythmus. Und irgendwann wurde es stiller um uns. Und ich ich dachte, dass das Band nie fester geknüpft wird.
Die Basis blieb, die konnte niemand mehr zerstören. Aber mehr war da nicht, ich war einfach noch immer nicht attraktiv genug für eine Freundschaft. Um kein falsches Bild von ihr zu zeichnen: Sie war weder eingebildet noch wählerisch. Wahrscheinlich war es meine Wahrnehmung, nicht mehr ganz unbeeinträchtigt, die einen Ausbau der lockeren Freundschaft verhinderte. Ich war zu verkrampft, zu ernst, als dass ich auf lange Zeit hätte unbeschwert mit ihr umgehen können.
Mittlerweile war sie zu einer richtig hübschen und vor allem attraktiven jungen Frau geworden, deren betonte Kurven mir auch mehr als zusagten. Doch immer noch war da dieser einfache, bescheidene Wunsch nach einer richtigen Freundschaft zu ihr. Und immer noch sollte es zwei Jahre dauern, bis ich in den gewaltigen Strudel geraten sollte, der mich und alles bisher geschehene mächtig durcheinander wirbelte und wie ein langes Vorspiel aussehen ließ.
Am Ende des Sommers in unserem letzten Schuljahr sind wir als Klassenverband ans Mittelmeer gefahren. 7 Tage, die mir immer in Erinnerung bleiben werden, weil dort etwas passierte, was man kaum beschreiben kann. Es war nichts konkret greif- oder sichtbares, sondern fand auf einer höheren Ebene statt. Meine Gedanken waren nun schon seit langer Zeit nicht mehr so intensiv bei ihr, ich hatte auch nicht wirklich Lust auf die Fahrt, da ich die meisten der Leute zwar mochte oder zumindest sympathisch fand, ich mir aber sicher war, dass mir einige nach kurzer Zeit auf den Geist gehen würden. Und so war es auch schon am ersten Abend, wo die meisten von uns ziemlich erschöpft waren von dem abrupten Klimawechsel und der langen Fahrt.
Deswegen war mir das Wichtigste an diesem Abend auch nur ein gutes Bett, alles andere stand ohne schlechtes Gewissen hinten an. Nein, es war eindeutig nicht der Anfang dieser Woche, der vermuten ließ, dass hier innerhalb weniger Tagen etwas entstehen würde. Der Grundstein dazu wurde erst am Abend des zweiten Tages gelegt. Mit ein paar Leuten, wovon nur einer wirklich mein Freund war, zog ich abends zum Strand. Wir setzten uns in den jetzt abgekühlten Sand am Meer, tranken heimisches Bier aus Flaschen und Dosen und spielten dämliche Partyspiele. Trotzdem hatte ich aufrichtig Spaß und konnte mir vorstellen, die Woche so doch noch mit guten Erinnerungen durchzustehen.
Mitten in diese erfreuliche Erkenntnis hinein passierte es. An einem Strand am Mittelmeer, die Nacht war bereits seit einiger Zeit hereingebrochen und die Sterne am ansonsten pechschwarzen Himmel leuchteten, erfüllte sich ganz unverhofft nach 8 Jahren mein Traum. Dass ich das zu diesem Zeitpunkt so nicht wahrnahm, lag nicht nur daran, dass ich schon einige Liter Bier getrunken hatte. Ich war ein wandelnder Gefühlsbrei. Bei mir schlugen die Hormone seit einiger Zeit in alle Richtungen merkwürdig aus, ohne dass ich erklären könnte, wieso.
Ich entdeckte neue und alte Freundschaften, empfand hier und da mal stärker für verschiedene Mädchen, mochte plötzlich einige Leute nicht mehr. Beinahe wöchentlich wechselten die Sympathien für die Menschen in meinem Umfeld. Vielleicht hatte sich da im Unterbewusstsein bereits was angedeutet, dass ich aber auch an diesem Abend noch nicht erkennen konnte.
Wir trafen auf eine andere Gruppe von uns, die aus nördlicher Richtung den Strand entlang lief. Mit ihrem Auftauchen war unsere gemütliche kleine Runde unterbrochen, die Stimmung war einfach hin. Einige der anderen wollten bei unseren Spielen mitmachen, das stieß auf wenig Gegenliebe und so löste sich das ganze auf und wir waren eine riesige Gruppe, die nun weiter südlich wanderte. Und jetzt, so ganz unerwartet, lief sie neben mir und wir redeten über einige belanglose Dinge. Ich weiß nicht mal mehr worüber und wie lange, aber wir redeten, nur wir beide. Wir fanden einen Platz unterhalb der Promenade, wo sich weitere Jugendgruppen aufhielten. Jeder schien sich bereits seit Stunden mit Bier und Schnaps anzufreunden.
Auch ich schien scheinbar unerschöpfliche Reserven in meinem Rucksack zu haben und dies ließ mich am nächsten Morgen grübeln, ob das ganze tatsächlich geschehen war. Denn irgendwann zu weit fortgeschrittener Stunde saß ich wieder neben meiner Angehimmelten. Sie war ebenso wie ich betrunken. Wir machten Witze, sprachen über alles mögliche und am Ende erbot ich mich sogar, sie auf bequemen Wege zurück zum Hotel zu bringen. So endete diese Nacht für mich. Ich lag im Bett, schlief ein und dachte an gar nichts. Am nächsten Morgen war mein Körper eher wach als mein Geist. Im bewussten
1
2
Kommentare
Keine Kommentare vorhanden.
Kommentar hinzufügen