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Kategorien > Humor > Seltsames

Ikea – oder die List des Teufels

von Devin Duncan

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Ich passierte den Eingang und betrat die riesigen Hallen mit einem Gefühl des Widerstandes und der Überlegenheit. Auch heute wieder sollte meine Standhaftigkeit auf die Probe gestellt werden. Ich war nicht allein, eigentlich war ich nur gekommen, um meine Familie zu begleiten und diese vor den teuflischen Verführungen der hiesigen Macht zu bewahren.
Wir gingen eine Treppe hinauf, die uns in eine noch größere Halle führte.
Pfeile auf den Gängen wiesen uns den Weg. Wir folgten ihnen blind, ohne zu ahnen, was uns am Ende erwarten würde. Schon nach den ersten Schritten sah ich, mit welcher List hier vorgegangen wurde, mit welcher Aufdringlichkeit, die mir schon beinahe bedrohlich vorkam.
Die Pfeile, die nur in eine Richtung führten, man wollte uns genau hier haben und gab uns keine Alternativen. Dann fielen mir diese Schriftzüge auf, überall waren sie, Lettern wie von einer anderen Welt. Die Buchstaben waren zu Wörtern zusammengesetzt, die aus einer anderen Sprache stammten, da sie für mich keinen Sinn ergaben. Manche klangen wie Namen, nett, freundlich, gerade zu harmonisch, wie beispielsweise der Name des sympathischen Mädchens aus der Nachbarschaft, oder der des immer fröhlichen alten Mannes, den man auf der Straße traf. Andere hingegen verband ich mit etwas Sonderbarem, mit etwas mystischem, wie Laute aus verworrenen Zaubersprüchen, Bezeichnungen für Dämonen und Hexen oder Reagenzien für ein Teufelselexier. Nein, hier musste es einen tieferen Sinn geben, der hinter diesen eigenartigen Worten stand. Kaum war mir dieser Gedanke gekommen, war ich auch schon damit beschäftigt des Rätsels Lösung zu finden. Vielleicht handelte es sich hierbei um Anagramme. Ich schaute auf die einzelnen Buchstaben, riss sie in Gedanken aus ihren Zusammenhang und bastelte sie in einer anderen Reihenfolge wieder zusammen. Nach einer Weile musste ich bemerken, dass ich mit dieser Theorie falsch lag. Skeptisch sah ich auf all die unheimlichen Namen, während wir unseren Weg durch die Halle fortsetzten.
Minuten später war es dann geschehen. Sie hatten uns mit ihren Tricks überlisten können. Im Einkaufswagen, den mein Vater vor sich her schob, lag ein langes Paket mit einem dieser Namen oben drauf, der mich spöttisch anlachte. Drinnen befand sich eine Gardine, die wir somit in Begriff waren, käuflich zu erwerben. Dieses traf bei mir auf Verständnislosigkeit, wie konnte man sich denn freiwillig schwedische Gardinen anschaffen? Für ihren Stahl sollen sie ja bekanntlich berühmt sein. Kein Wunder, denn auch ich würde jedem bezeugen, dass die Nordmänner ein Händchen für Metal haben. Gitarrensaiten sind schließlich auch aus Stahl.
Eine Zahl riss mich plötzlich aus den wilden Assoziationen, die mir dieses Kaufhaus in den Kopf gesetzt hatte. Eine teuflische, bösartige Zahl, die den unartigen Charakter hatte mich zu verführen und meinen Willen zu verderben nahm besitz von mir. Nicht die Zahl des Tieres war es, die mich letztendlich zum Sündenfall trieb, denn sie war weit aus niedriger. Der Billigpreis einer Schreibtischlampe war es, der mich zum Äußersten gezwungen hatte. Also verhielt ich mich wie jeder andere der getäuschten Verwirrten, genannt Kunden und legte die diabolische Verführung, Produkt, in den Einkaufswagen.
Nach dem langen, aber doch interessanten Tag, aus dem ich durchaus einige Erfahrungen ziehen konnte, war es eine Wohltat sich endlich wieder auf den Weg nach Hause zu machen. Während ich den Ausgang passierte und über mir der Name des Kaufhauses in blau gelben Buchstaben thronte, als wolle er unvorsichtige Menschen warnen, wurde ich Zeuge, wie jemand hinter mir den besten Satz formulierte, den ich an diesen Tag gehört hatte. Ein Satz, der den ganzen Umfang meiner Gedanken aufgriff und sie auf das reduzierte, worauf es eigentlich ankam:
„Ins Ikea zu gehen und nichts zu kaufen, ist wie auf ne Kirmes zu gehen und nichts zu trinken.“

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