Im Bierzelt
von
sky valley
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danach zweiter Versuch. Ein leichtes kribbeln breitet sich im Gehirn aus. Ich werde gelassener und locker .Mittlerweile schwank` ich schon leicht auf der Bank. Die Band spielt „Summer of 69“. Ich will mitsingen. Doch dieses mal klappts überraschenderweise nicht. Ich schaue durch die Runde. Überall weit aufgerissene Kehlen. Scheinbar bin ich der Einzigste der den Text nicht kennt.
Egal, ich mach dann einfach mal zu Grunzlauten den Mund auf und zu, merkt eh keiner.
Wirklich warm werd ich trotzdem nicht. Immer wieder kommt es mir vor, als würd ich für Augenblicke meinen eigenen Körper verlassen, und mir selbst zusehen. Dann erschrecke ich jedes mal vor mir selbst. Irgendetwas in mir wehrt sich erbittert. Es lässt sich nicht mal mit Alkohol bestehen. Mein Gleichgewichtssinn schon. Auch sehn auf einmal alle viel besser aus. An der Sache mit dem Schöntrinken ist auf jeden Fall was drann. Nach ein paar weiteren Musikjuwelen, läuft schließlich die allseits beliebte Cowboy und Indianernummer. Das Gefühl der Ablehnung meldet sich nun vehement. Diesmal muss ich kapitulieren. Nicht weil es mir peinlich wär, oder ich Angst hab mich zu Blamieren, obwohl ich mit meinem unkoordinierten Zappeln, unterbrochen von Gleichgewichtsproblemen, genau das erreich.
Nein, ich mag mich einfach nicht diese Art von Person, die dann darstellen würde. Ich sehe mich selbst da nicht als Maßstab, und wahrscheinlich entgeht mir auch viel Spaß.
Ich gehe hinten aus dem Zelt. Dort stehn die Sanitäranlagen. Ähnlich einladend wie die am Anfang.
Aber dafür darf man 50 Cent zahlen.
Ich stehe draußen, werfe einen Blick auf den schwarzen Himmel, und zünde mir eine Kippe an. Es ist kalt, und der Boden vollgesogen mit Wasser. Mit jedem Zug pumpe ich eisige Nachtluft in meine Lungen. Alles kommt mir nun gedämpft vor. Ich atme tief ein. Die Konturen beginnen langsam wieder schärfer zu werden. Ich rauche noch zwei oder drei , und trete völlig durch gefroren wieder ins Zelt. Jetzt ist mir die Wärme willkommen.
Das Zelt schließt bald. Wir verlassen es alle, um dem großen Gedränge ganz am Ende zuvor zu kommen. Draußen ist nun weniger los. Die Lichter sind nun erscheinen in der Dunkelheit noch grellen, sehn aber irgendwie trotzdem schön aus. Wir müssen uns beeilen um den Zug zu erreichen, und laufen wieder durch die Unterführung, dann vorbei am Lottoladen. Ich werd morgen vielleicht auch spielen. Irgendwie finde ich die Sache mit den sechs Kreuzen doch faszinierend.
Der Bahnsteig ist nun wirklich voll. Überall sind pöbelnde Alkoholopfer und Polizisten. Wir stellen uns unauffällig in eine ruhigere Ecke, wir wollen heute alle keinen Stress mehr. Alle sind ruhig. Schweigsam beobachten wir die Menschen, sind beunruhigt und fasziniert zugleich.
Der Zug hält mit der Türe direkt vor uns- Glück gehabt. Wir bekommen dieses mal einen Viererplatz, und lassen die Stadt schnell hinter uns. Das Getöse ist verstummt. Der Abend beginnt langsam Vergangenheit zu werden. Seine grellen Bilder verblassen schon. Wir sind müde. Ich schaue aus dem Fenster in die Nacht, und durch sie hindurch. Niemand von uns redet, weil wir alle nicht da sind.
Regen prasselt beruhigend monoton gegen die Scheiben. Die Bahn wiegt uns vorsichtig hin und her. Sanft tragen uns die Gedanken aus dem Zug hinaus, und weit weg.
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