Im Kaffeehaus
von
Jürgen Haidvogl
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„Alles klar“, sagte der Mann, bevor er sein Handy zuklappte und sich wieder seiner Zeitschrift zuwandte. Er las den letzten Absatz des angefangenen Artikels fertig und blätterte um. Der Man sah die Überschrift, hob die Augenbrauen und begutachtete das Bild auf der Seite. Anschließend blätterte er erneut um.
Auf dem Tisch neben sich hatte er ein Glas Holundersaft stehen. Dieser war noch bis zum Rand voll. Der Kellner hatte ihm das Getränk erst kürzlich gebracht.
Er räusperte sich, hustete kurz und griff zum Glas. Mit einer langsamen Handbewegung, ohne dabei von der Zeitschrift auf zu blicken, führte der Mann den Saft zum Mund und trank einen kleinen Schluck. Nur da behielt er seine Augen nicht auf den Text gerichtet, sondern konzentrierte sich voll und ganz auf das Glas. Anschließend stellte er sein Getränk wieder ab und las weiter.
Am anderen Ende des Gastgartens winkte eine junge Frau dem Kellner zu. Sie war sehr elegant und überaus gut aussehend. Sie trug ein schwarzes Kleid und Strümpfe. Darüber hatte die Frau einen weisen Mantel um sich vor dem kühlen Wind, der durch den Garten wehte, zu schützen.
„Ich würde gerne zahlen“, sagte sie zum Kellner, als dieser zu ihr kam.
„Zwei Spritzer. Das macht 4,20 €.“
Die Frau griff in ihre braune Lederhandtasche und holte aus dieser ihr Portemonnaie. Dieses war ebenfalls aus braunem Leder. Nur etwas dunkler. Sie öffnete ihre Geldbörse und holte einen fünf Euro Schein heraus. Diesen übergab sie dem Kellner und sagte, dass es so stimme. Er bedankte sich und wünschte der Frau noch einen schönen Tag, bevor er sich anderen Tätigkeiten zuwandte.
Zurück beim anderen Ende, wo der Mann durch seine Zeitschrift blätterte. Er trank erneut von seinem Saft, stellte anschließend das Glas ab und sah einen Freund auf sich zu kommen.
Vor ihm läuft ein Hund vorbei. Er hat einen Ball im Maul. Einen Tennisball.
Der Freund begrüßt den Mann. Die Beiden schüttelten die Hände und lächelten dabei. Sie sagten dem jeweils anderem, dass sie sich freuten sich hier zu sehen. Gleich darauf setzten sich Beide und der Neuankömmling sagte: „Gut das wir uns sehen.“
„Ja, ja, wir haben da noch etwas zu besprechen.“
Der Neuankömmling nickte und fügte hinzu: „Und das ist äußerst wichtig.“
„Ich weis“, bestätigte der Andere, „und ich muss dir vom Vorstand berichten. Es gab gestern eine Sitzung mit einem wichtigen Beschluss.“
„Ja, ja, ich habe davon gehört. Was ist den dabei heraus gekommen?“
Gegenüber den zwei Männern sitzt ein junger Mann. Er ist Anfang zwanzig. Vielleicht einundzwanzig oder zweiundzwanzig Jahre alt. Er trinkt Bier und hat vor sich am Tisch einen A5 Block liegen und schreibt. Für die Leute in seiner irgendetwas. Einen Roman. Eine Kurzgeschichte. Ein Gedicht. Artikel. Reportage. Oder einen Text für die Uni. Aber das stimmt nicht. Der junge Mann schreibt alles nieder, was er sieht und hört. Er beschreibt die Situationen an diesem Ort. Alles was passiert. Und ganz unzensiert.
Ob das die Leute stört? Ihm ist das vollkommen egal. Er macht es einfach und will nicht stoppen, obwohl er mal dringend pissen muss. Und das sehr, sehr dringend. Aber dennoch findet er die Zeit von seinem Bier zu trinken.
Doch dann stoppte er. Der Druck auf die Blase ist ihm zu groß geworden. Er muss sie entleeren. Und das schnell, bevor es noch einen Unfall gibt, der ihm peinlich werden könnte.
Der junge Mann legt seinen Stift zu Seite und trinkt noch einen Schluck von seinem Bier, bevor er aufsteht und ins Lokal hinein geht. Drinnen geht er den Gang entlang, vorbei an der Bar und dem Damen WC und dann nach links in die Toilette für die Herren.
Währenddessen spielte am Rand des Gastgartens ein Mädchen mit einem Hund. Sie wirft den Ball und lässt diesen vom Hund holen. Doch das Tier bringt den Ball nicht zurück, sondern läuft mit dem Ball in der Schnauze durch den Gastgarten. Und das Mädchen hinterher. Sie ruft ihm nach: „Hey, warte!“
Der Hund läuft einfach weiter. Er will nicht auf das kleine Mädchen hören. Das Tier läuft. Zischen den Tischen vorbei und hält bei einem Mann mit langem Haar. Erst hier legte das Tier den Ball auf den Boden und wartete darauf, dass irgendjemand das Ding wieder wirft.
Jetzt kam der junge Mann aus dem Lokal und schlenderte zu seinem Platz. Er setzte sich, trank einen Schluck Bier und schrieb weiter. Der Mann beschrieb, wie das kleine Mädchen zum Hund läuft und sich den Ball schnappt. Die Kleine wirft diesen an den tischen vorbei und hinaus aus dem Garten. Der Hund hinterher. Und der junge Mann schreibt. Er läst kein Detail aus.
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