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Kategorien > Fantasie und Liebe > Fantasie und liebe

Im Mondlicht

von ViciousBerry

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gerade erst siebzehn, so wie sie. Mary kannte sie vom Marktplatz. Eher ein schüchternes, verschlossenes Wesen. Zurückhalten, das war das Wort nach dem sie gesucht hat.
Doch nun schien sie nicht mehr so schüchtern zu sein. Sie standen ziemlich nah beieinander. Zu nah, als das es der Anstand noch erlaubt hätte. Seine Hände lagen auf ihren Hüften. Gebannt beobachtete sie, wie er den Kopf beugte, um ihr etwas ins Ohr zu flüstern. Oder um ihr näher zu kommen, sie konnte es nicht sagen.
„Genießt ihr die Aussicht, Mary?“
Wie der Blitz fuhr sie herum. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals. Weniger vor Schreck als vor Schuld. Sie fühlte sich wahnsinnig ertappt, als würde sie dort unten stehen, so nah bei einem Mann.
Bürgermeister Cullen stand vor ihr und sah sie mit blitzenden Augen an. Sie wich instinktiv ein paar Zentimeter zurück. Hoffentlich merkte er es ihr nicht an. Dann erst schoss ihr eine andere Erkenntnis durch den Kopf.
Sie Glühte. Wie im Fieberwahn. Ihre Haut war mit einem leichten Schweißfilm bedeckt, wohingegen ihr Atem in der eisigen Luft feine Wölkchen hinterließ.
„Ist ihnen nicht wohl, Miss? Sie sehen kränklich aus.“
Das wurde sie auch wenn sie weiter in seiner Nähe bleiben musste. „Danke, mir war die Luft drinnen nur ein bisschen zu eng.“
„Das liegt an diesen verflickst engen Kleidern, die die heutige Mode vorschreibt. Nicht dass ich mich beschweren will, “ fügte er mit einem süffisanten Grinsen hinzu, bei dem sich ihr der Magen umdrehte „ , aber die Dinger scheinen euch völlig den Atem zu rauben, was sie bei manch Männern aber auch bewirken.“ Wieder ein lächeln. Er hielt sich wohl für besonders verführerisch.
„ Nun sagt, habt ihr euch so weit erholt, dass ihr uns wieder beim Essen Gesellschafft leisten werdet? Ich möchte es nicht verpassen, mich mit euch zu unterhalten.“
„Gewiss. Nur noch eine Minute, dann komme ich wieder rein.“
Das schien ihm zu genügen. Er wandte sich ab und verschwand wieder hinter einer murmelnden Menschenmasse. Die Luft wurde wieder wesentlich reiner.
Augenblicklich drehte sich sich um un spähte hinunter zu den Büschen, doch es war niemand mehr zu sehen. Merkwürdig enttäuscht drehte sie sich um und sah durch die Fenster ins Saal innere. Es gab nur einen Ausweg. Reingehen, lächeln, nicken, konservation betreiben. Dann war sie bestimmt entlassen. Hoffentlich.
Sie straffte ihre Schultern und atmete wie zur Vorbereitung auf einen Kampf tief ein. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht ging sie auf den Saal zu.
Hinein in die Höhle des Löwen, dachte sie pessimistisch.


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