Im Park
von
Elle
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Da sitzt sie. So wie jeden Mittwoch um diese Zeit, das kenne ich schon. Immer auf der gleichen Bank, dieselbe Zeitspanne lang. Ohne etwas zu tun. Einfach nur so. Merkwürdig. Als würde sie auf jemanden warten, der nie kommt. Aber wer kann das schon sein? Sie hat lange dunkle Haare. Wie Schneewittchen sieht sie aus. Das sagen ihr sicher viele Leute. Man sieht es sofort. Sie wirkt immer ein bisschen melancholisch. Abwesend. Als sei sie tief in Gedanken versunken, die sie so beschäftigen, dass sie nichts anderes mehr wahrnimmt. Vielleicht ist ihr Leben schwierig oder sie hat Probleme, von denen sie nicht weiß, wie sie sie bewältigen soll. Egal, wie aufgewühlt sie ist, oder zumindest erscheint, wenn sie sich auf die Bank setzt, wenn sie geht, scheint es ihr besser zu gehen. Dieses Ritual scheint seinen Sinn und Zweck zu haben. Und ihn auch immer zu erfüllen.
Ich kann mir vorstellen, wie es ist, wenn sie dann nach Hause kommt. Alles prallt von ihr ab, sie kommt mit sich besser zurecht. Innerlich und äußerlich. Die Probleme (welcher Art sie auch sein mögen) erscheinen nicht mehr unendlich und zehrend, sondern lösbar und lehrreich. Sie ist sicher so vernünftig, dass sie in jedem Stein, der auf ihrem Weg liegt, eine Lehre sieht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie gedankenlos ist. Das passt nicht zu ihr. Zu ihr nicht. Sie ist anders, als die meisten Menschen um sie herum. Grüblerisch. Möglicherweise auch zu grüblerisch. Immer Probleme zu wälzen, bringt auch neue mit sich. Kann man ein Leben ohne Sorgenfreiheit noch Leben nennen?
Aber was denke ich, sie hat bestimmt nicht nur Probleme. Sicher gibt es in ihrem Leben auch schöne Momente. Momente des Glücks, die den Menschen nicht vergessen lassen, dass auch bessere Zeiten kommen. Ich hoffe es für sie, auch wenn sie im Moment nicht so aussieht. Ich weiß so viel über sie, auch wenn ich das Gefühl habe, sie nicht richtig zu kennen. Denke ich zu viel nach? Vielleicht.
Lächel doch mal, denke ich. Schreie es fast. Innerlich natürlich. Ich starre sie an, will sie dazu zwingen, zu lächeln, damit ich mich besser fühle, aber es funktioniert nicht. Was habe ich auch erwartet? Der Mund bleibt gerade, die Augen starr ausgerichtet und der Körper angespannt. So wie immer, wenn sie hier sitzt. Warum sollte sich das plötzlich ändern? Darauf weiß ich keine Antwort und trotzdem erwarte ich das Unerwartete. Ich weiß nicht, warum, vielleicht einfach nur, um mich besser zu fühlen, vielleicht, um mich selbst zu überraschen.
Ich nicke dem Mädchen zu, sie nickt zurück. Dann lege ich den Spiegel weg, stehe von der Bank auf und ich weiß, am nächsten Mittwoch um diese Zeit bin ich wieder hier und versuche, mein eigenes Ich zu ergründen.
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Kommentare
Sonja schrieb am 2007-03-12 15:42:27:
Hey super Geschichte !!!!!
Vorallem das überraschende Ende hat mir gut gefallen.
Mach weiter so, lass mal wieder was von dir lesen
l.g Sonne
pinkyrose schrieb am 2007-03-07 17:16:44:
Eine Geschichte nach meinem Geschmack. Das hast du echt super hingekriegt mit den Gedanken und der Beschreibung des Mädchens. So etwas gefällt mir sehr gut. Einfach, aber trotzdem komplex. Man erfährt viel über das Mädchen, aber wirklich wissen tut man trotzdem nichts...
Der Schluss kam (zumindest für mich) wirklich unerwartet und überraschend und hat mir auch damit sehr gut gefallen!
Wirklich toll geschrieben!
In diesem Sinne...
Grüßle
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