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Kategorien > Träume > Seelenflug

In der Schwebe

von Julian Dralle

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Er sitzt da und denkt nach. Denkt an Alles und an Nichts. Verschiedenste Gedanken schwirren durch seinen Kopf, aber er macht sich nicht die Mühe, bestimmte festzuhalten.
Durch ein kleines Fenster hinter ihm strahlt der Mond sein eiskaltes Licht und gibt dem Raum einen seltsamen, aber zugleich wunderschönen Glanz.
Er sitz noch eine ganze Weile so da und schaut zu, wie die Schatten von vorbeifahrenden Autos merkwürdig tanzen. Dann legt er sich auf sein Bett und schaut an die Decke. Sie ist mit diesen kleinen Sternen bedeckt, die im dunkeln leuchten. Sie leuchten matt und je länger er sie anschaut desto kleiner und dunkler werden sie und scheinen letzendlich ganz zu verschwinden. Er steht auf, die Tür knarrt leicht, als er sie öffnet. Der Flur ist dunkel und leer, seine Eltern sind nicht zu Hause. Er verlässt noch im Schlafanzug die Wohnung und lässt sie einen kleinen Spalt breit offen. Er geht die Treppe hoch. Viele Stufen später betritt er das Dach. Als er die Tür öffnet, strömt sofort weißes Licht über ihn und lässt ihn leicht schaudern. Ein angenehmes Gefühl. Ein Blick nach oben, es ist Vollmond. Der Mond, so groß, wirkt zum Greifen nahe. Mit weiten Augen blickt er in die Ferne und wünscht sich dort zu sein.
Einmal bis zum Mond fliegen wie ein Vogel, sich vollständig in seinem Glanz suhlen wie ein Schwein im Schlamm. Nun steht er dort oben auf diesem Dach und lässt seinen Gedanken freien Lauf. Seinem Geist wachsen bereits Flügel und es scheint ihm, als könne er sich selbst von oben sehen, wie aus einer Vogelperspektive. Er geht ein paar Schritte zum Rand und schaut nach unten. Sieht die Autos, die Bäume, sieht die ganze Welt und es erscheint ihm alles so klein, so unbedeutend. Er geht noch ein bisschen näher und blickt erneut nach oben auf den Mond. Direkt vor ihm der Abgrund, Wind weht leicht durch sein Haar. Heißt es nicht, wenn man etwas wirklich will, dann kann man es auch? Ein Lächeln umspielt seine Lippen, er weiß, dass er es kann. Einmal frei sein wie ein Vogel.
Und dann geht er den Schritt.
Er schwebt. Glückseeligkeit. Er kann fliegen, für einen kurzen Moment, dann fällt er.
Er fühlt sich frei und bis zum Schluss hört er nicht auf zu lächeln.
Morgen wird man ihn finden, seine Mutter wird weinen.
Morgen wird in der Zeitung stehen <11-jähriger Junge von Hochhaus gestürzt. Umstände unklar.>
Morgen wird man sich Fragen stellen, viele Fragen.
Doch Morgen wird es nicht mehr geben. Für ihn.

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Kommentare

roo sabbath schrieb am 2010-06-30 18:08:36:
besonders das ende ist wundervoll geschriben - ich liebe es .!

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