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Kategorien > Misshandlung > Kindheit

In der neuen Schule

von Ariane Rathsmann

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Es ist der 1. Schultag. Für Pia ist es auch der erste Tag an einer neuen Schule, da sie heute in der Fünften Klasse anfängt. Gleich am ersten Tag passiert es ihr das sie zu spät kommt und dann zögerlich an die Tür klopft wo groß 5a dran steht. Sie öffnet die Tür und der Lehrer wirft ihr einen Missbilligenden Blick zu. „Tut mir Leid.“ Sagt Pia kaum hörbar. „Pia Katharina Lehmann?“ Das Mädchen nickt. „Und gleich am ersten Tag 7 Minuten zu spät, schäm dich! Hinten in der letzten Reihe ist noch ein Tisch unbesetzt.“ Pia nickt erneut und geht nach hinten durch. Ein Gemurmel geht durch die Reihen. „Ruhe!“ Die anderen Kinder haben Kärtchen mit ihren Namen aufgestellt. Er blickt einen Jungen rechts in der ersten Reihe an, der sein Sohn ist. „Felix, wo waren wir stehen geblieben?“ „Du wolltest uns den Stundenplan mitteilen.“ „Genau mein Sohn.“ Sagt er und schreibt ihn an die Tafel.
Später in der Frühstückspause packen alle bis auf Pia ihr Frühstück aus. „Zum Frühstücken bleibt ihr hier im Raum, außer natürlich wenn ihr auf die Toilette müsst. Die junge Dame in der letzten Reihe brauchst du eine Extraeinladung? Pack dein Frühstück aus.“ Er blickt Pia an. „Ich habe nichts mit.“ Sagt sie leise. „Etwas lauter!“ „Ich habe kein Frühstück mit… Aber ich brauch auch gar nichts.“ Fügt sie schnell hinzu. Herr König betrachtet die unmoderne Kleidung des Kindes und die alte Schultasche an der Seite, sagt aber nichts weiter dazu.
Nach der Pause führt er die Kinder durch das Schulhaus. Er zeigt ihnen die Turnhalle, die Naturräume und was sonst noch wichtig ist.
Gleich am ersten Tag merken die Kinder dass der neue Lehrer ziemlich streng ist und nichts durchgehen lässt.

Die Woche drauf haben sie den ersten Wandertag, wobei eine andere Lehrerin mitläuft, die aber Herrn König das Wort überlässt. Pia rennt zu der Bushaltestelle wo sie sich treffen und ist gerade noch pünktlich. Herr König blickt das Mädchen an, was nichts weiter bei sich hat. Die Kleidung ist nicht die dickste und sie hat Sandalen an den Füßen. „Pia, wo sind denn deine Sachen?“ „Was für Sachen?“ „Wanderverpflegung, Regenfeste Kleidung, feste Schuhe…“ „Tut mir Leid ich habe keine anderen Schuhe, mein Regenmantel ist mir viel zu klein…“ „Und was zu essen nimmst du dir eh nie mit, aber dann jammere nachher nicht!“ Pia nickt und läuft mit. Es fängt natürlich unterwegs an wie aus Eimern zu gießen. Die anderen Kinder ziehen schnell ihre Regenjacken über und die Lehrer holen ihre Schirme raus. Als die Klasse wieder so weit ist, zählt der Lehrer sie noch einmal durch. Sein Blick bleibt erneut an Pia hängen die Glitschnass ist und die Arme zitternd vor dem Körper verschränkt hat. „Wir gehen weiter, Pia zu mir, komm mit unter den Schirm.“ Das Kind kommt an seine Seite. Eine Stunde später machen sie Mittagspause in einer überdachten Hütte. Felix sitzt neben Pia und macht sich einen Spaß draus ihr etwas vor zu essen. „Mein Sohn spielt mit seinem Essen, da kann es ihm nicht so wichtig sein. Gib deiner Nachbarin was ab!“ Felix blickt zu seinem Vater und nimmt widerwillig ein zweites Brot raus, welches er Pia reicht. „Danke.“ Sagt Pia und ein leuchten liegt in ihren Augen.
Du solltest nachher sofort aus den nassen Sachen raus, am besten nimmst du ein heißes Bad. Sagt Herr König im Bus zu Pia. Wie immer nickt das Mädchen nur dazu.

Der Tag führt dazu dass Pia ab dem nächsten Tag zunehmend Halsschmerzen, Husten und Schnupfen hat. Besonders ab dem Mittwoch geht es ihr immer schlechter. Als sie Donnerstag eine Mathearbeit schreiben ist ihr Kopf schwer und sie kann kaum den Stift halten. Der Lehrer blickt durch die Reihen. Pia liegt fast mit dem Kopf auf ihren Tisch. „Pia Katharina!“ Das Mädchen blickt auf. „Setz dich gerade hin!“ Sie bemüht sich den Kopf zu heben und muss erst mal Naseputzen. Er geht nun Tisch für Tisch ab, manchmal gibt er ein Kommentar. Als er hinten bei Pia ankommt, bemerkt sie ihn nicht, sie versucht sich krampfhaft zu konzentrieren. Herr König mustert das blasse Gesicht mit den geröteten Wangen und merkt auch dass die Schülerin zittert. „Pia, nach einer halben Stunde die dritte Aufgabe?“ Sie blickt ihn an. „Gib mir mal deine Hand!“ Sie gibt sie ihm verwundert, daraufhin fühlt er ihre Stirn. „Du kochst ja Mädchen! Geh ins Sekretariat und sag dass du krank bist und sie bei dir zu Hause anrufen soll. So machst du nicht weiter Unterricht. Ich kann jetzt während der Mathearbeit leider nicht weg.“ Pia nickt, nimmt ihre Sachen und geht rüber, bleibt dann aber davor stehen. „Zu wem möchtest du denn?“ Fragt Frau Sommer eine Lehrerin die vorbeikommt. „Ich soll Bescheid geben das jemand bei mir zu Hause anruft, hat Herr König gesagt.“ Sagt sie heißer. „Weil du krank bist?“ Die Lehrerin klopft an die Tür und schiebt Pia ins Sekretariat. „Frau Hoffmann das Mädchen kommt aus der Klasse von Herrn König, sie ist krank.“ „Versteh schon und ich soll telefonieren, warum macht er es nicht selbst?“ „Meine Klasse schreibt gerade eine Mathearbeit.“ „Ja dann setz dich mal hin.“ Pia setzt sich auf den Stuhl und Frau Sommer geht rüber ins Lehrerzimmer. „Wie heißt du denn?“ „Pia Lehmann.“ „Ah ja … Klasse 5a.“ Sie greift sich das Telefon und murmelt „Als ob ich nichts zu tun hätte!“ „Lehmann.“ „Hoffmann, Sekretariat der Grethe-Unrein-Gesamtschule. Es geht um ihre Tochter Pia.“ „Was los, hat die Göre was ausgefressen?“ „Sie ist krank.“ „Dann soll sie halt heimkommen.“ „Wollen sie das Mädchen nicht abholen?“ „Das fehlte noch.“ „Sie erteilen mir also die Erlaubnis dass ich sie gehen lassen darf.“ „Klar oder sind sie schwer vom Begriff.“ Pias Mutter legt auf. Die Sekretärin blickt zu der kleinen, dünnen Schülerin. „Du sollst nach Hause gehen Pia.“ Die Kleine nickt und steht auf. „Danke.“
Als die Glocke zur Pause klingelt und alle ihre Mathearbeiten abgegeben haben geht Herr König zu Frau Hoffmann. „Was ist denn mit der Kleinen?“ „Sie ist zu Hause.“ „Sie wurde schon abgeholt?“ „Nein ihre Mutter hat am Telefon ausdrücklich drauf bestanden das das Kind alleine kommt.“ „Sie haben das Mädchen einfach gehen lassen? Pia hatte hohes Fieber, wenn ihr unterwegs was passiert…!“ „Herr König dann hätten sie sich selbst um ihre Schülerin kümmern müssen.“
Zuhause darf Pia sich ins Bett legen und schlafen, einfach nur schlafen.

„Pia du bleibst kurz da!“ Sagt Herr König an dem Tag vor den Weihnachtsferien. „Was ist denn?“ „Ich möchte von dir wissen warum bisher nie ein Elternteil beim Elternabend war. Pia zuckt mit den Schultern. „Zeigst du ihnen die Einladungen nicht.“ „Doch.“ „Pia so geht das nicht! Du kannst nicht immer Extrawürste braten, warum kannst du nicht ein bisschen mehr sein wie die anderen?“ Sie senkt den Kopf. „Wenn du kein Essen mehr von Mutti bekommst, schmier dir eben selbst dein Brot! Und was zu trinken einpacken ist das so schwer? Ständig hängst du mit Unterschriften nach. Und mach einmal den Mund auf verdammt noch mal!“ Jetzt wird Herr König laut. „Und dann dein fast Tägliches zu spät kommen. Merkst du nicht das du damit auffällst?“

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Kommentare

miaooh schrieb am 2010-07-04 19:18:48:
omg... ich kann mir so etwas gar nicht vorstellen. in was für einer heilen welt wir andere doch aufwachsen. die kinder tun mir leid, denen so etwas passiert... unglaublich
Juju schrieb am 2010-04-15 14:24:45:
Ich bin entsetzt, dass so etwas wirklich passiert aber auch sehr beeindruckt davon, wie gut du das geschrieben hast! Wirklich. Sehr großes Lob! ♥
Glg Juju
Sweet Angel schrieb am 2010-03-17 17:15:54:
Es ist krass was schon Kinder mit 11 (bzw. 10) für Gewalt erfahren müssen!
Das ist einfach schlimm!
Aber jetzt zu deine Story:
Dein Schreibstyl ist einfach toll!
Man konnte sich in die Personen hineinversetzten.
Echt Kompliment!
Mia schrieb am 2008-03-27 22:08:52:
Echt überwältigend...aber zu schade, das es real sein könnte, das bedrückt mich
zOe schrieb am 2007-09-21 17:26:55:
ich schon wieder ^^ ich bin absolut überwältigt, wie du deine geschichten schreibst! total eindrücklich. aber es beschäftigt mich wirklich sehr, zu wissen, dass es wirklich eltern gibt, die sowas mit ihren kindern machen...

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