In guten wie in schlechten Tagen
von
young miss
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Erinnerungen
Es war fast vollkommen still in dem Zimmer, in welchem sie schon seit Wochen lag.
Die Stille wurde nur durch das leise und regelmäßige Piepen verschiedener Geräte, an die sie bereits so lange angeschlossen war, unterbrochen. Anfangs, hatten diese ungewohnten Geräusche sie gestört, ihr immer wieder den unaufhaltsam näher kommenden Tod bewusst gemacht, doch nun waren sie vielmehr die letzten Zeichen, dass sie noch lebte und Zeit mit ihm verbringen konnte.
In diesem ansonsten stillen Raum war noch etwas, etwas, dass ein leises, auch gleichmäßiges, aber doch so viel angenehmeres Geräusch von sich gab. Es kam von ihm. Natürlich kam es von ihm, er war seit der Diagnose nicht mehr von ihrer Seite gewichen. Alle, die sie kannten, waren sich einig, sie beide waren für einander geschaffen worden. Sie verband eine so tiefe und innige Liebe, wie es sie nur selten gibt.
Die Geräusche, die er beim Schlafen machte, hatten sie geweckt. Wie er so da lag, seine Hand in ihrer, sie war so glücklich, auch wenn sie wusste, das ihr weiteres Leben ungewiss war. Man konnte nicht sagen, ob oder wie lange sie noch leben würde. Sie hatte den Willen zu überleben, allein seinetwegen. Vor dem „Danach“ allerdings, hatte sie schon lange keine Angst mehr, sondern lediglich vor seiner Reaktion. Sie hatte Angst vor dem Schmerz, diesem unerträglichen Schmerz, den er fühlen würde, wenn sie nicht mehr da wäre und welchen sie, wenn er in einer solchen Situation wäre, ebenso fühlen würde.Wenn man versuchen würde, diesen Schmerz zu beschreiben, so müsste man vielleicht sagen, dass dieser Schmerz nur von jemanden gefühlt werden kann, der wirklich liebt, dessen Herz und dessen Geist jemanden so lieben, dass man das eigene Leben für diesen Menschen opfern würde. Sie wusste, dass es so kommen würde, dass wenn sie vielleicht eines Tages nicht mehr leben würde, er sein Herz, sein Leben, nie mehr einer anderen schenken würde. Es machte sie traurig. Sie wollte nicht der Grund für sein Leiden sein.
Ihre Gedanken schweiften ab, wie so oft in den letzten Wochen. Sie durchlebte gerade den Tag ihrer ersten Begegnung noch einmal neu. Sie spürte die eisige Kälte, roch förmlich den Geruch des Schnees. Ja, es war Winter gewesen und sie hatte völlig verzweifelt und durchgefroren in Berlin-Mitte gestanden. Sie hatte zu der Agentur gewollte, in welcher sie in 15 Minuten ein Vorstellungsgespräch haben würde.Dieser Job, er war ihre letzte Hoffnung gewesen und nun musste sie geschlagen aufgeben, weil sie eine Karte von Berlin hatte, mit der sie nicht klar kam. Gerade hatte sie wütend den Stadtplan zerknüllt und in den nächsten Mülleimer geworfen, als sich plötzlich eine angenehme Stimme hinter ihr räusperte. Sie hatte sich umgedreht und er hatte vor ihr gestanden. In seinem eleganten Buisness Anzug, mit der großen schwarzen Aktentasche und mit diesen brauen Augen.
Ja, diese Augen, sie hatten ihr schon immer gefallen, so braun, so klar, sie konnte Stunden in ihnen versinken. Damals hatte er gefragt ob er helfen könne, da er sie eine Weile aus dem Cafè gegenüber beobachtet hätte und der Meinung war, sie bräuchte Hilfe. Währrend sie schilderte, wo sie hin müsse, wie wichtig dieser Job für sie wäre, und das man es ihr nicht verzeihen würde, zu spät, zu dem ersten und doch so wichtigen Gespräch zu kommen, hatte er ein immer breiter werdendes Grinsen im Gesicht bekommen. Sie verstand damals diese Reaktion nicht sofort, war gekränkt, da sie dachte er würde sich über sie amüsieren, weil sie das Büro nicht allein gefunden hatte. Später allerdings, als sie ihn an einem gemütlichen Abend zu zweit vor dem Kaminfeuer fragte, warum er damals so gegrinst habe, sagte er ihr nur, dass er so fasziniert von ihr gewesen sei, von ihrer Hartnäckigkeit, ihrem Temperament, einfach von ihr als Mensch. Als sie ihn dort, ihn Berlin, auf sein für sie damals doch recht unverschämtes Benehmen ansprach, ihn einen Volltrottel nannte und sich um drehen wollte, reagierte er entsetzt. Er hielt sie zurück, sagte dass es ihm Leid täte, wenn es so herübergekommen wäre und das er ganz gewiss den Weg zu dem Büro kenne, da er, der „Volltrottel“, der Chef der Agentur sei.
Wenn es sowas wie Liebe auf den ersten Blick gab, dann war es solche gewesen, damals im verschneiten und kalten Berlin.
Sie musste sich ein Lachen verkneifen - wie schön war diese erste Begegnung doch gewesen. Sie wusste noch genau wie entsetzt sie damals geguckt haben musste. Es war ihr so überaus peinlich gewesen, aber er hatte sie nur fröhliche angelacht und gesagt, dass solch frischer Wind in der Agentur freilich fehlen würde. Damit hatte sie den Job in der Tasche gehabt.
Nun versuchte sie mit aller Mühe, den Kopf zu drehen, um ihn besser beim Schlafen beobachten zu können. Ihr Volltrottel, ja, er war so friedlich, und obwohl er schlief, wusste sie, seine Gedanken, sein Herz, seine Seele, sie waren bei ihr, genau wie die ihren bei ihm waren.
All das, was sie beide verband, es lief noch einmal an ihr vorbei, die wunderbaren Erinnerungen, welche ihr kostbarstes Gut waren, welche sie nur mit ihm teilte.
Die Stunden voller Liebe, Freude, Glück, auch Trauer und Kummer, sie alle liefen an ihr vorbei. Sie war dankbar, für alles, was sie hatte durch ihn erfahrn dürfen.
Langsam bildete sich eine Träne in ihren Augen, es war eine Träne, wie sie nur durch echte Liebe entstehen kann, so rein und klar. Sie lief ihr hübsches Gesicht herunter. Der ersten folgten weitere. Wie lange sie so dort weinend gelegen hatte, konnte sie nachher nicht mehr sagen. Mit einem Mal merkte sie, er war wach geworden, schaute sie mit seinen braunen Augen an. Schaute sie so an, wie er es auch bei ihren ersten Treffen mitten im winterlichen Berlin getan hatte.Er wusste nicht was geschehen würde. Er wollte ihr die Angst nehmen vor dem nehmen, was ungwiss war und ihr seine eigene Angst nicht zeigen. Er wollte nicht, dass sie wusste, dass es für ihn ein Leben ohne sie nich geben würde. Er beugte sich vor, gab ihr einen Kuss.
So hatten sie die letzten Tage, Wochen, Monate häufig verbracht. Sie lag gezwungenermaßen im Bett, er an ihrer Seite. Jedes Mal wenn sie einschlief wusste sie, er würde da sein, wenn sie wieder aufwachen würde. Es war ein schönes Gefühl zu wissen,dass jemand, der sie liebt, über sie wacht. Sie konnte sich fallen lassen, war frei. Oft saßen sie so mehrere Stunden zusammen und schwiegen, denn er brauchte nichts mehr zu sagen und sie auch nicht. Es war alles bereits gesagt worden und man sah den beiden ohnehin an, dass sie auf eine Weise kommunizieren konnten, welche nur auf der Basis von voller Vertrautheit und gemeinsamer Liebe möglich war.
Beide erinnerten sich an das, was sie sich einst versprochen hatten, in guten wie in schlechten Tagen...und lächelten sich an.
Ich freue mich immer über andere Meinungen =), ich bin mit dem Titel noch nicht zufrieden, wenn jemand einen Vorschlag hat, bitte melden^^
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Kommentare
Susanna schrieb am 2007-01-07 22:06:32:
Mir standen die Tränen in den Augen, du hast eine Gabe das Traurige wiederzugeben das man es fühlt.
Den Titel würde ich auch überarbeiten, es zeigt zwar den Sinn deiner Geschichte, aber gibt es nicht das wieder
was man liest.
Liebe Grüße
Susanna
young miss schrieb am 2006-12-21 18:28:34:
thx chalina, freut mich, dass auch dir die geschichte gefallen hat :)
bald müsstest du eine neue geschichte von mir finden: loslassen
ist zwar glaub ich auch wieder traurig geraten, aber das ist glaub ich mein stil ^^
Chalina schrieb am 2006-12-18 21:58:21:
Einfach schön...wenn auch traurig, ist sie doch schön.
Erinnerung passt doch gut, aber ich hätte vll den Titel: "Wahre Liebe" gewählt, nur so ins blaue gesagt.
Du kannst wirklich gut schreiben und hoffe ich bekomme noch mehr von dir zu lesen. =)
Man liest sich!
laura.idziaszek@t-online.de schrieb am 2006-12-15 16:02:25:
danke für das kommentar :)
freut mich, dass dir die geschichte gefallen hat
alles liebe und hoffentlich hält das mit deiner großen lieber immer
Jessica Kreisel schrieb am 2006-12-14 12:41:52:
Wunderschön, mir stehen ein bisschen die Tränen in den Augen. Meine große Liebe wartete hoffentlich heute abend heil und gesund auf mich zu Hause.
Ich finde den Titel gut, genau darum geht es doch, bei dem Versprechen.
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