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Kategorien > Anekdoten > Erfunden oder erlebt?

Inddor-Grillen...---...---Oudoor-Grillen

von Stift

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Indoor-Grillen …---…--- Outdoor-Grillen
Oder: Wie ich lernte, das Würstchen zu lieben

„Du, Papa, warum grillen wir eigentlich nicht auch einmal?“. Rums, die Frage meines 10jährigen Sohnes Jonas hatte gesessen. Sie traf mich vollkommen unerwartet und zeigte die gleiche Wirkung wie eine wuchtige, Gerade Linke von Dr. Eisenfaust Vitali Klitschko bei mir. Mir wurde schlagartig schwarz vor Augen, die Welt begann einen surrealen Feuertanz um mich herum, wo blieb der erlösende Gong????
„Papa, Papa, alles klar bei dir?“ hörte ich Patricia, meine 12jährige kleine Prinzessin, aus den unendlichen Tiefen des Raumes immer wieder ängstlich fragen.
Angeschlagen, aber noch lange nicht ausgeknockt, rettete ich mich in meine imaginäre Ringecke, in der mein Leib- und Lebens-Coach, Gabriele Adele, mit einem Glas kühlem Sprudelwasser auf mich wartete.
Was war passiert?!?
Jonas, dieser Lausebengel hatte bei mir -ohne es zu ahnen- in ein Nest unangenehmer Erinnerungen getreten. Es gibt wahrscheinlich in jeder Familie das eine oder andere Thema, über das man nicht so gerne spricht. Das können weltbewegende Dinge, sein wie z.B. das abrupte Ende von Onkel Rudis Karriere als Lageraufseher nach viel zu kurzen 1000 reichen Jahren oder die damals noch verbotene und geächtete Liebe von Oheim Karl Heinz zu einem Mann. Oft sind es aber nur Kleinigkeiten, wie bei mir, die einem einfach unangenehm sind, an die man sich nur ungern erinnert. Bei mir löst der Begriff „Grillen“ solche negativen Gefühle aus. Die Ursache liegt, wie so oft, in der frühen Jugend verborgen.
„ He, Papa“ riss mich Jonas aus meinen Tagträumen, „Warum grillen wir nicht auch einmal?“
Er hatte absichtlich den strengen Blick seiner Mutter und das dazugehörige Kopfschütteln übersehen. Wir saßen gemeinsam an diesem außergewöhnlich schönen, warmen Spätfrühlingsabend an einer reich gedeckten Abendtafel auf unserer kleinen Terrasse. Es gab drei verschiedenen Sorten Brot, eine Käseauswahl, etwas frischen rheinischen Aufschnitt, dazu Tomaten und Zucchini sowie Sprudelwasser mit Zitrone.
„Ja warum grillen alle unsere Freunde mit Ihren Eltern nur wir nie, warum?“ wollte jetzt auch Patricia wissen.
„ Also“, begann ich recht umständlich, „Wir mögen das einfach nicht, ist doch richtig doof, macht doch jeder. Und denkt auch mal an all den Qualm und das ganze Saubermachen hinterher. Deshalb grillen wir nicht gerne.“ „Grillst Du nicht gerne!“ unterbrach mich Patricia, „wir würden alle,“, -und dabei zeigte dieses kleine Luder provokativ mit ihrem Zeigefinger der Reihe nach auf Ihre Mutter Gabriele, Brüderchen Jonas und schließlich sich selbst- „mal gerne so `ne Brutzelwust machen, genau so wie der lustige Dicke in der Werbung im Fernsehen“.
„Erzähl uns doch mal was von früher!“, forderte mich mein liebes Eheweib auf, die den Zeitpunkt für eine kurze Aufarbeitung als gegeben ansah.
„ Ist vielleicht unwichtig,“ begann ich, „aber ich habe heute noch den widerlichen Gestank in der Nase, wenn ich an den Urlaub mit meinen Eltern zu Beginn der 60-ger Jahre in Lido Degli Estensi an der Adria denke“.
„Wir fuhren damals in einem kleinen, hellgrünen VW Käfer, der bis zum Bersten zugepackt war, dass ich während der gesamten Fahrt in der sogenannten Kofferkiste verbringen durfte, gen Italien. Selbstverständlich wurde damals während der Fahrt fast pausenlos geraucht. Von eurer Oma und eurem Opa meine ich natürlich, nicht von mir. Die VW Käfer-Heizung hatte genau zwei Einstellungen: zu kalt oder zu heiß. So stochten wir damals in diesem kleinen, höllisch überladenen hellgrünen Etwas mit bis zum Anschlag aufgedrehter heißer Heizung über den Brennerpass. Meine Eltern quarzten während dessen eine Fluppe nach der anderen, als gäbe es dafür einen Preis zu gewinnen.. Alle Autofensterscheiben blieben währenddessen selbstverständlich geschlossen, hätte ja auch kalt werden können. So zog die wörtlich atemberaubende Bergwelt - enge Serpentinen rauf - Blick in den verwaschen Himmel - enge Serpentinen runter - Blick in den mörderischen Abgrund und so weiter und sofort - wie in dichtem Nikotinnebel an mir vorüber. Hätte ich damals schon gewusst, wie man so richtig „auf Teufel komm raus“ betet, glaubt mir, ich hätte es getan. Mir war´s zu eng, zu heiß, zum Kotzen“.
Lido Degli Estensi, Adria.
Der Campingplatz mit eigenem Zugang zum Strand war uneben, hatte kleine Hügel, auf denen üppige Pinien standen. Die Pinien schmissen Moppen ab, groß und schwer wie Kanonenkugeln. In einer windgeschützten Senke wurde das kleine gelbe Hauszelt aufgebaut. Im eingehängten Innenzelt standen 2 knarrende Liegen für meine Eltern dicht bei einander, ich schlief auf einer in die Jahre gekommenen, ziegelroten Luftmatratze, die permanent unter Kurzatmigkeit litt, daneben. Im Vorzelt gab es Platz für 2 Campingstühle und einen winzig kleinen 2- Flammen-Gasherd, als „Kühlschrank“ diente ein ca. 50 cm tiefes Erdloch, das mein Vater mit einem alten, klapprigen Klappspaten ausgehoben hatte. Gekühlt wurde mit auf dem Campingplatz feilgebotenem Blockeis. Ich staunte nicht schlecht, als meine Eltern nach einem Tag ausgiebigen Sonnenbrutzelns und Brennens abends mit 4 Backsteinen und einem uralten Grillrost, wobei die Betonung auf Rost liegt, am Zelt auftauchten. „Das ist unser Urlaubs-Grill“, verkündeten sie mir stolz und wiesen dabei auf ihren Strandfund hin. Ich konnte mir natürlich nichts darunter vorstellen, ahnte jedoch bereits Fürchterliches. Mein Vater baute begeistert unseren Urlaubs-Grill vor dem Zelt auf, indem er jeweils 2 Backsteine übereinandergeschichtet sich gegenüberliegend aufstellte. Auf Ihnen thronte buchstäblich der-das Rost. Wir sammelten noch schnell kleine trockene Zweige und ein paar Moppen und trugen sie zum Grill. Abends saßen wir drei dann vor einem kleinen knisternden Grillfeuer. Ich fand das erstmal richtig abenteuerlich und außerdem hielt es auch noch einige Mücken auf Stechabstand. Es roch bedrohlich nach Waldbrand und Adria-Seeluft. Tags darauf ging´s in aller Frühe auf zum Markt, Fisch kaufen. Auf diesem Markt wurde alles angeboten, was nicht mehr rechtzeitig fliehen konnte. Ich erinnere mich an riesige, üppig beladene Obststände. Es roch dort verführerisch, frisch und fruchtig süß, einfach herrlich. Marktschreier mit Lederwaren, es waren hauptsächlich kunterbunte Damenhandtaschen, buhlten im lauten Wettstreit mit den Blumenhändlern, die scheinbar in aller Frühe das Paradies geplündert hatten, um die Gunst der hiesigen und fremden Marktbesuchern. Ich blickte dort lebenden Hühnern und Kaninchen, welche in viel zu engen, kleine Käfigen in der Vormittagssonne vorschmorten, in ihre traurigen Augen. Den Fischstand sah ich anfangs nicht, ich roch ihn, und das schon meilenweit, bevor ich die mächtigen Schmeißfliegenschwärme über dem Markthorizont kreisen sah. Dort angekommen, glotzten mich unzählige kalte, glitschige Augenpaare an. Fische: kleine Fische, große Fische. Lange, schlangenförmige Fische gaben ebenso wenig Lebenszeichen von sich wie die, wie mir

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