Inspektor Pringle
von
Tolle Geschichten
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Acht p.m. ab Paddington
“Es ist meine Pflicht, Ihr Alibi zu überprüfen, Mister Underwood”, lächelte Pringle entschuldigend, „deshalb musste ich Miss Appleby dazu befragen. Ich hoffe, Sie haben Verständnis dafür?“ „Ich hoffe nur, Chiefinspektor“, grinste Underwood nervös, „dass meine Frau nichts von meiner
Beziehung zu Miss Appleby erfährt.“ „Wir sind gehalten“, grinste Pringle verstehend, „in solchen Fällen bei unseren Ermittlungen mit größter Diskretion vorzugehen.“ „Es wäre mir nämlich sehr peinlich, wenn meine Frau etwas davon erfahren würde“, beugte sich Underwood vertraulich vor, zuckte jedoch erschrocken vor den Qualmwolken zurück, welche aus Pringles berühmter Pfeife aufstiegen.
„Keine Sorge, Sir“, lehnte sich Pringle gemütlich in seinem Schreibtischsessel zurück, „haben Sie eigentlich etwas gegen Qualm und Feuer?“ Nein, Chief“ versuchte Underwood überzeugend zu wirken, „es ist nur so, dass ich überzeugter
Nichtraucher bin!“ „Miss Appleby hat also bestätigt“, blätterte Pringle, weniger intensiv an seiner Tabakpfeife ziehend in der Ermittlungsakte, „dass Sie in der Zeit, in welcher Ihre Geschäft ausgebrannt ist bei ihr waren und danach sind Sie ja um siebenuhrvierzig p.m. gegangen, weil Sie noch den Zug um acht Uhr p.m. erreichen mussten, um von Paddington aus mit der Tube von Paddington aus Chelsea zu erreichen.“
„So wie jeden Dienstag und Donnerstag, Chiefinspektor“, bestätigte Underwood überzeugend. „Wir Polizisten von New-Scotland-Yard sind misstrauischen Menschen, Sir“, zog Pringle schon wieder entschuldigend lächelnd an seiner Pfeife, als sei diese eine lebenserhaltende Prothese, „und Ihre Gattin in Chelsea konnte Ihre Aussagen und die von Miss Appleby ja nicht bestätigen, da sie erst lange nach Ihrer Ankunft zu Hause aus der Oper kam.“ „In der Tat, Chief“, grinste Underwood zufrieden, „ich halte nämlich nichts von Opern, eher von jungen Damen und alten Briefmarken.“ „Dabei wäre es wirklich naheliegend gewesen, Sir“, lächelte Pringle hinter
seinen Tabakwolken, „wenn Sie erst die wertvollen Briefmarkenbestände aus dem Laden geschafft, nachher den Brand gelegt, die Versicherungssumme von fünfhunderttausend Pfund kassiert hätten und, nachdem Sie mit Miss Appleby ins Ausland verschwunden wären, die wertvollen Sammlungen dort zu einem ähnlich hohen Preis an
Liebhaber verkauft hätten. Dann hätten Sie ja ungestört Ihren persönlichen Neigungen leben können.“ „Wie aber die Tatsachen beweisen, Chiefinspektor“, grinste Underwood
zuversichtlich, „sind alle diese Annahmen doch nur Vermutungen!“ „Ich habe noch einen Zeugen, dem seine Aussage aber sehr unangenehm ist“, sagte Pringle und seine Pfeife ließ jetzt sogar glühende Funken in die blauen Tabakwolken sprühen, „die London Underground konnte den Zug nach Chelsea wegen Maschinenschadens erst um acht Uhr Fünfrundfünfzig p.m. abfertigen. Die London Tube gilt als eines der zuverlässigsten Verkehrsunternehmen im United Kingdom. Presse, Funk und Fernsehen hätte sich ja gerne mit Vergnügen auf diese Panne gestürzt, aber da waren mal wieder die familiären Schwierigkeiten des Königshauses und auch andere wichtige Statements, Drucksätze und Texte standen schon in der Rotation und in den Sendeprogrammen und nichts ist ja so alt wie eine zu späte Veröffentlichung.“ Pringle klopfte abschließend seine Pfeife aus und sagte bestimmt: „Nun, Mister Underwood, das United Kingdom und das Königshaus waren zufällig gegen Sie, sonst hätten Sie sich vielleicht noch rechtzeitig über die Verspätung informieren können...“
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