Intuition
von
Anna
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Der Anruf meines Mannes erreichte mich an einem Vormittag im April, als meine Tochter noch in der Schule war. Ich erinnere mich noch an das erbaermliche Schlurchzen, als waere es erst eben gewesen, das aus meinem Koerper drang, als ahnte ich, was in den naechsten Wochen auf mich zukommen wuerde.
Als ich mich ein wenig beruhigt hatte, schweiften meine Gedanken in die Vergangenheit. Wir hatten uns vor 14 Jahren in Tunesien kennen und liebengelernt, unsere Arbeit als Reiseleiter brachte uns um den ganzen Globus und auch privat hatten wir viele Winkel dieser Erde bereist. Vor acht Jahren erblickte unsere Tochter in Spanien das Licht der Welt und seit fuenf Jahren lebten wir auf Kreta und unsere Mausi sprach fliessend griechisch und war eine gute Schuelerin in der zweiten Klasse. Mein Mann hatte inzwischen Karriere als Chefreiseleiter gemacht und von mir aus haette es auch so bleiben koennen, wir hatten ein schoenes Leben. Doch vor zwei Jahren kamen Georg Zweifel, er meinte, dass wir unserer Tochter Deutschland nicht vorenthalten duerften und dass es auch fuer unsere Zukunft wichtig waere in unsere Heimat zurueckzukehren.
So planten wir seit zwei Jahren unsere Rueckkehr und bereisten, wann immer es moeglich war, gemeinsam, vor allem den Norden von Deutschland, wo wir nach einer Immobilie suchten, um uns mit einer kleinen Pension selbstaendig zu machen. Da ich die meiste Zeit mit unserer Tochter , die ja zur Schule ging, auf Kreta war, war Georg oft allein unterwegs und kam im vergangenen Januar mit der freudigen Nachricht endlich was Geeignetes gefunden zu haben nach Kreta.
Ein kleines Hotel in Kappeln an der Schlei, direkt am neuen Golfplatz gelegen, zwar renovierungsbeduerftig, aber dafuer hatten wir ja mit Georg s Schwager und dessen Architekturbuero einen Experten in der Familie, der schon einige Hotels umgebaut hatte. Auch die Finanzierung stellte kein Problem dar, denn unsere hohen Ersparnisse, der Bausparvertag, die Lebensversicherungen und die guten Beziehungen meines Schwiegervaters zum BWM stellten uns Existenzgruenderkredite in Millionenhoehe in Aussicht.
Schnell war ein Unternehmenskonzept erstellt und Mitte Juni sollte es in das huebsche Kappeln gehen.
Dann dieser Anruf ! Mathias, der Schwager haette Bedenken wegen der schlechten Bausubstanz geaeussert, wir muessten jetzt unbedingt den Bausparvertrag aufloesen, das Vorhaben sei gescheitert und wir wuerden im Juni nach Australien reisen.
Der Schock sass tief, ich wusste, dass mein erfolgsgewohnter Mann schlecht mit Niederlagen umgehen konnte, drehte er jetzt voellig durch ?
Das Hupen des Schulbusses riss mich aus meinen Gedanken und ich versuchte ein etwas schiefes Laecheln, als ich meiner Tochter im Garten entgegenging und sie schlang gluecklich ihre Kinderaermchen um mich, als ich mich zu ihr bueckte um ihr zu sagen, dass sie in zwei Tagen ihren Papa wieder druecken koennte.
Auch am Flughafen von Heraklion verliess mich mein mulmiges Gefuehl nicht, Lydia huepfte freudig von einem Bein zum anderen, die Maschine aus Koenl Bonn war gelandet und gleich, wuerde , wie schon so oft, ihr Papa aus dem Transitbereich treten. Als er endlich erschien flog sie in seine ausgebreiteten Arme und liess sich freudig herumwirbeln.
Mir fiel sofort auf, dass er ein paar Kilo abgenommen hatte und da war noch etwas, was ich noch nie an ihm bemerkt hatte, oder doch ?, dieser starre Blick, wenn er konzentriert nachdachte, ich war mir nicht mehr sicher.
Zu Hause angekommen ging zunaechst alles seinen gewohnten Gang, Lydia bemerkte meine Anspannung nicht und erst als sie erschoepft und gluecklich eingeschlafen war, konnten Georg und ich ueber unser gescheitertes Zukunftsprojekt reden.
Er schien nervoes zu sein, ich versuchte ihn freundlich und unbekuemmert aufzumuntern, dass wir ja noch ein weiteres Opjekt suchen koennten, nein, davon wollte er nun nichts mehr wissen, auf Kreta wollte er auch nicht mehr bleiben, alles Unsinn, er braeuchte unbedingt Urlaub, muesste abschalten und dann wuerden wir weitersehen.
Tagelang fuehrten wir aehnliche Gespraeche, abends , wenn unsere Tochter schlief, morgens, wenn sie in der Schule war und ich keinen Dienst hatte, denn ich musste den neuen Kollegen einarbeiten, der ab Juni meinen Job machen sollte.
Nach einigen Tagen begann Georg nachts zu singen und seltsame guturale Laute von sich zu geben, die mir Schauer ueber den Ruecken jagden. Wenn ich ihn darauf ansprach, leugnete er alles und schrie mich an, dass ich ja nicht mehr richtig ticken wuerde.
Sein Zustand verschlimmerte sich stetig, oft fand ich nachts Lydia weinend in ihrem Zimmer, die von seinen seltsamen Gesaengen und irren Lauten aufgewacht war.
Ich fand mich selbst heulend am Steuer meines Firmenwagens, wenn ich zu den Hotels fuhr um Gaeste zu betreuen, war er jetzt verrueckt geworden ?, ich war mit meinen Nerven am Ende, gestern hatte er Schaum vor dem Mund und wiederholte immer wieder Hass, Hass, Hass
An anderen Tagen sass er vor mir mit wippenden Beinen und fluesterte beschwoerend und wie in Trance Du bist schlecht, Du bist schlecht.. dann sprang er ploetzlich auf, huepfte wie ein Kobold durch den Raum und kreischte wenn ich einmal reich waer , widiwidiwidibum, was in mir beinahe blankes Entzetzen ausloeste.
Ich nahm ab, bekam Magenschmerzen, wurde fahrig und ich schaemte mich fuer das, was sich bei uns tagtaeglich abspielte.
Unter meinen Kollegen am Flughafen wurde gemunkelt, dass ich an einer schweren Krankheit litt.
Erst als ich es gar nicht mehr aushielt vertraute ich mich meiner besten Freundin an. Denn auffallend war, dass er auch voellig klare Momente hatte, besonders wenn Freunde oder ehemalige Kollegen uns besuchten. Dann war sein Verhalten besonders zu mir sehr aufmerksam und liebevoll.
Lebenskrise ? Midlifecrisis ?
Eines abends besuchte uns meine beste Freundin und es war ein harmonischer Abend. Als es fuer Sabine Zeit war aufzubrechen, begleitete ich sie wie ueblich zu ihrem Auto, ihrer Meinung nach war Georg voellig normal und auch ich schoepfte wieder Hoffnung. Dankbar fuer Sabine s Meinung, kehrte ich in die Wohnung zurueck, prallte in der Wohnungstuer beinahe wieder zurueck ,, auf dem Sofa sass Georg, aber ein anderer, ein Kalter , wie Lucifer persoenlich, ich haette schreien koennen ob der Kaelte und noch nie hatte ich seinen Koerpergeruch so intensiv wahrgenommen, der sich in dieser kalten Umgebung rasend auszubreiten schien.
Mir wurde schlecht und ich musste mich uebergeben.
Lydia s achten Geburtstag, unsere Abschiedsfeier erlebte ich wie durch einen Schleier.
Maria und Stelios, unsere Vermieter, die mir zu Ersatzeltern geworden waren, brachten uns zum Flughafen, mir liefen die Traenen ueber die Wangen. Was lag jetzt vor mir, wir hatten alles auf Kreta aufgegeben, wir hatten keine Zukunftsaussichten, ich sah aus wie ein lebendiges Gespenst und sollte bald mit diesem verrueckten Ungeheuer nach Australien reisen.
Als das Flugzeug abhob, musste ich an Sabines Worte denken, die mir weinend
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