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Kategorien > Drama > Lebensunglück

Irland

von Wildhias

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Irland: All you need is love


Was war jetzt noch zu tun? Die CD für seinen Enkel hat er sofort gefunden, da überraschend wenig Leute an diesem Tag bei Libro waren, kam er auch sofort an die Reihe. Auch die Besorgungen für Frau Bürstner: eine Packung Colgadent, zwei Tuben Elmex und Wattepads; hatte er bereits erledigt. Es war doch erst dreiviertel zehn. Vielleicht sollte er noch zu Schmidt gehen, auf eine Kardinalschnitte und einen Kaffee. Inge würde das gefallen, Inge aß für ihr Leben gern Kardinalsschnitten. Frank liebte es ihr zuzusehen wie sie diese süßen Kalorienbomben verzehrte. Er wunderte sich stets wo sie das alles hin aß, er hätte das nicht dürfen. Aber das war Inge.

Als er jetzt die Konditorei ansteuerte wimmelte der kleine Stadtplatz bereits von Leuten. Gruppen von Touristen mit ihren Kameras, frisch vom Bus angekarrt um den historischen Stadtplatz zu sehen, Eltern mit ihren Kindern, Liebespaare jeden Alters und Schulklassen, alle strömten sie die Gassen hinauf und hinab. Alle waren sie beschäftigt zu zweit, zu dritt oder noch schlimmer im zwangsweise hirnlosen Rudel. Alleine sind die Menschen ja noch akzeptabel, sobald sie sich aber zusammenrotten werden sie notwendig zur strohdummen und abartigen Masse. Jeder schien eilig seines Weges zu gehen. Ja mein Gott war er denn der einzige der nicht wusste was er machen sollte? Sollte er sich vielleicht ein Bier genehmigen oder gar einen Schnaps? Beides? Nein Inge hatte es nie gern gesehen, wenn er trank: "Das schadet dir nur. Lass es, glaube mir", hat sie gesagt. Natürlich hat er es meistens nicht gelassen um später festzustellen, das sie recht hatte. Inge hatte immer Recht. Nein, keinen Alkohol, das hatte er jetzt hinter sich. Doch da "Ahh"', schrie Frank, in Gedanken versunken, hatte er einen der kleinen dekorativen Betonkugeln, die neuerdings rund um den Brunnen stehen nicht gesehen. Er stolperte und fiel hin. Verständlicherweise war er froh, dass er auf niemanden durch seinen Sturz an rempeln hatte müssen. Schon so war es peinlich genug. Was werden nur die Leute von ihm Denken.

"Haben sie sich weh getan?". Frank blickte auf, neben ihn stand eine junge Frau und streckte ihm die Hand entgegen. Sie war noch ein halbes Kind. Er bemerkte lediglich ihr wunderschönes keck frisiertes Haar und ihre tiefblauen Augen. Hatte er sich weh getan? Nein es schien alles in Ordnung. Schnell aufgestanden, damit es nicht noch peinlicher wird. "Warten Sie ich helfe Ihnen" "Nein nein vielen Dank, mir gehts gut, geschieht mir nur recht. Man muss halt aufpassen wo man hin tritt" In Windeseile stand Frank wieder auf beiden Beinen, nichts passiert. Wieder stehend blickte er peinlich berührt auf seine beinahe Helferin. Sie war wirklich hübsch. Ihr Haar war hellrot und mit blonden Strähnchen versetzt, es war schulterlang und vorn frech nach rechts gekämmt, was Frank ein bisschen irritierte, da dadurch ihr rechtes Auge beinahe verdeckt wurde. Vielleicht war es aber gerade das warum ihm ihre tiefblauen Augen gar so in Bann zogen, so manchen Jüngling mag es schon ebenso ergangen sein. Ja das Mädchen war wirklich etwas besonderes hinter all ihrer Schminke, Frank konnte das eigentlich bei Frauen nicht ausstehen, und trotz der Metallstifte und -knöpfe die ihr Gesicht zierten.

Sie schenkte ihm ein Lächeln. Sie das Mädchen, das locker seine Tochter sein könnte lächelte ihm fremden alten Mann an! Woher nimmt so ein Mensch dieses Lächeln so rasch her, fragte sich Frank unwillkürlich, er hatte schon lange mehr kein spontanes Lächeln mehr zu vergeben.
"Ich bin auch immer so schusselig. Gott sei Dank ist nichts passiert. Leider habe ich es eilig, auf Wiedersehen." "Auf wiedersehen"

Weg war sie, schnellen Schrittes bahnte sie sich einen Weg durch die vorbei strömenden Menschen. Er sah noch wie sie zum Ennskai hinunter lief, da beschloss er weiterzugehen, auf diesen Schrecken, hatte er sich aber jetzt wirklich eine Stärkung verdient.

Nachdenklich stocherte Frank in seinem Milchkaffee, er saß in der Konditorei ganz hinten am Fenster vor ihm stand eine Kardinalsschnitte und sein Kaffee. Was gab es jetzt noch zu tun? Hier stand sein Kaffee da seine Mehlspeise und das wars dann. Vielleicht sollte man das Aussöhnen mit Erika versuchen, vor allem da ja mit Felix bereits erste Kontakte geknüpft wurden. Gerne würde er den kleinen Lauser aber öfter sehen. Ein Großvater braucht doch seinen Enkel, es war sein Recht. Dennoch wäre es unmöglich die Wogen zu glätten, schon der, nach aller Voraussicht aussichtsloser Versuch würde seine momentanen Kräfte übersteigen. Bald würde er seiner Inge folgen. Wieso musste der Herr Gott sie vor ihm zu sich rufen, dieser rachsüchtige Gott. Natürlich, er hatte gesündigt, aber dennoch so etwas hatte er nichtverdient, niemand hatte so etwas verdient.

Er beschloss das es sinnlos sei an seinen Lebensstern zu denken und versuchte sich anderweitig zu beschäftigen. Die Zeitung konnte ihn nicht wirklich zerstreuen, alles bloß niederträchtiges Gewäsch erstunken und erlogen und er wusste es, Frank ließ sich nicht mehr belügen, dazu hatte er schon zu viel gesehen. Aus purer Langeweile begann er gar die Getränkekarte zu studieren, legte sie aber gleich wieder weg da er sich ziemlich dämlich vorkam. Immer wieder sah er sie, ihr Gesicht, dabei wollte er sich gar nicht erinnern, so schlimm wie heute war es schon lange nicht mehr. Wieso? Ohne es verhindern zu können, sprudelten aus den Tiefen seines Unterbewußten Bilder hervor. Bilder aus der gemeinsamen Kindheit und dem gemeinsamen Urlaub. Er merkte schon wie ihm diese melancholischen Rückblicke zu schaffen machten. Gleich würden die Tränen kommen. Nein nur das nicht nichts ist schlimmer als diese alten sentimentalen Greise, und er war noch dazu noch nicht einmal wirklich alt. Jetzt galt es sich zusammenzureißen, bloß nicht weinen- Kontenance behalten - nicht auffallen. Was sollen bloß die anderen denken. Niemand will einen alten Jammerlappen sehen ". Alle sollen glücklich sien - es gibt nur glückliche Menschen", sagte er sich selbst im ironisch durchtränkten Beschwörungston. Er beschloss ein Glas Whisky zu bestellen - ausnahmsweise um die Nerven zu beruhigen.


Frank nippte bereits an seinem Whisky, als plötzlich die Tür aufgingen und das nette junge Mädchen von vorhin eintrat. Sie war ein Begleitung eines gleichaltrigen Mannes, kräftige Statur braune kuzgeschorene Haare und Brillenträger. Sie grüßte Frank sogleich sie ihn erblickte, er erwiderte mit einem schüchternen Nicken.

Franks Interesse war sofort geweckt, er konnte den Blick nicht von dem Paar lassen, er sah wie er ihr sofort beim Ablegen des Mantels half, wie er ihr zärtlich bei Tische seine Hände reichte und sie es annahm, wie beide das gleiche bestellten jeweils einen Espresso und eine Bananenschnitte und wie sie sich gegenseitig in die Augen blickten, anlächelten und miteinander scherzten. Natürlich achtete der Beobachter darauf nicht selbst beim beobachten beobachtet zu

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