Isabelle - 5.2
von
Moonwish
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Vorwort: Das ist die zweite Hälfte des 5. Kapitels. Ich hatte das letzte Mal keine Zeit mehr, es zu Ende zu schreiben.
Eine halbe Stunde später saß Isabelle neben dem Bett des Marquis auf dem Boden und zerkleinerte die getrockneten Pflanzen, die ihr Tilde gegeben hatte. Es war schwer, dies ohne ein Pistil zu tun, doch es klappte. Mit einem Löffel drückte sie die Kräuter an den Boden des Bechers und goß immer wieder einige Tropfen minderwertigen Alkohols hinein, so, wie der junge Mann es ihr erklärt hatte. Seltsamerweise erinnerte sie das Gemisch an ihre Großmutter. So etwas Ähnliches trank sie fast jeden Tag.
"Wie lautet dein voller Name?", ertönte plötzlich die leise Stimme des Herren neben ihr.
"Isabelle Mercier.", antwortete sie, die Gedanken jedoch völlig bei ihrer Familie. Wie lange würde sie sie nicht mehr sehen? Wie ging es ihnen? Suchten sie überhaupt nach ihr?
"Eine Französin also."
"Nein... Nicht wirklich. Meine..." Sie schluckte hart, um den Kloß, der sich in ihrem Hals angestaut hatte, zu entfernen. "Meine Eltern stammen aus Frankreich. Ich wurde in Deutschland geboren." Dumpfer Schmerz stach ihr ins Herz als sie an ihre Heimat dachte.
"Interessant... Kannst du denn Französisch?", fragte er ein wenig verwirrt.
"Ein bisschen.", gab sie zurück. Musste er jetzt davon anfangen? Es war schon schlimm genug, ihre Familie womöglich nie wieder sehen zu können!
"Je suis Henri de la Rose.", sagte er plötzlich in einem melodiösem Französisch. "Je suis le fils de Jean de la Rose et Henriette Blanchot. Übersetze."
Wollte er nun prüfen, ob sie die Wahrheit sagte? So ein...!
Schnell fasste sie sich wieder. Sie würde sich blamieren, würde sie etwas Falsches oder gar nichts sagen. "Sie... Ihr seid Henri de la Rose." Erwiderte Isabelle gereizt. "Der Sohn von Jean de la Rose und..." Wie hieß noch gleich die Frau? "Henriette Blanchot."
"Du hast mich nicht belogen. Das ehrt dich.", meinte er trocken und sank in die Kissen zurück. "Wann bist du fertig?"
"Gleich... Soll ich die Fenster wirklich nicht schließen? Ihr friert." Um ehrlich zu sein, fror sie selbst nun ein wenig.
"Nein. Der Wind kühlt mein heißes Blut. Gib mir den Trunk."
Das Mädchen reichte ihm den Becher und musterte ihn mit leichter Besorgnis.
Er war blasser als die Nacht zuvor und seine Stirn war fast gänzlich nass. Unter den Augen lagen bläuliche Ringe und ließen ihn unendlich müde aussehen. Der Becher schien in seiner Hand einem Stein gleich und drückte den Arm gen Boden. Vom Fieber waren seine braunen Augen matt geworden und sahen sie traurig an.
"Was ist?", fragte er und nahm einen Schluck der kräftig riechenden Flüssigkeit.
"Nichts. Verzeiht." Doch es war etwas. Es war so stark, dass es den ständigen Gedanken an ihre Familie für einen Moment verschwinden ließ.
Dieser Mann, ein Adeliger, lag im Schloss des Königs und niemand half ihm. Er war allein. Doch es war nicht nur Mitleid, das sie für ihn empfand. Es war auch etwas Anderes.
"Ich hole Wasser für Euch.", sagte sie automatisch und verließ den Raum.
Henri blieb verwirrt zurück.
Es dämmerte bereits als Isabelle erwachte. Lisa saß gähnend neben ihr und band sich die Schürze um. Ihre Haare standen in allen Richtungen ab und gaben ihr das befremdliche Aussehen eines gestutzten Pfaues.
Tilde-Anne schlief noch, sodass man sich ungestört unterhalten konnte.
"Isa?", flüsterte Lisa und rüttelte das blonde Mädchen auf die Annahme hin, sie schliefe noch. "Schlaf nicht! Erzähl mir lieber, was gestern geschehen ist."
Genervt erhob sie sich und gähnte ebenfalls. Ihr Rücken tat weh und ihr Hals war trocken. "Was willst du denn hören?"
"Warum dich der Marquis zu sich gerufen hat natürlich!"
Isa verdrehte sie Augen ud streckte sich. Die gestrige Anspannung war nicht gut für ihren Rücken gewesen. "Er hat mir gesagt, dass ich nun seine Pflegerin bin.", gab sie leichtfertig zurück.
"Geh doch ein bisschen mehr ins Detail! Wozu brauchtest du die Kräuter und den Alkohol? Warum warst du so lange weg? Was habt ihr getan?", drängte Lisa und blickte zu der Köchin hinüber, die gerade anfing, zu schnarchen.
"Och...!", stöhnte Isabelle gereizt. "Ich brauchte die Kräuter, weil ich ihm eine Medizin herstellen sollte. Er ist krank und der dämliche Leibarzt des Königs will ihm ohne Bezahlung nicht helfen." Eilig strich sie sich die Haare aus dem Gesicht und zog sich ihre Schürze an. Martin wollte noch Alkohol mit ihr machen. Schließlich war es seiner gewesen, den sie mit den Pflanzen gemischt hatte.
"Wie alt ist er denn nun?"
"Neunzehn.", erwiderte Isabelle und band sich die Haare mit einem Stück Schnur zusammen.
"Woher kommt er? Wie heißt er? Und... sieht er gut aus?"
Hatte sie das alles nicht schon einmal gefragt?
"Wahrscheinlich aus Frankreich. Er heißt Henri und ja, er sieht gut aus.", brummte sie.
"Wie groß ist er?"
"Es reicht langsam!", fauchte Isa und marschierte aus dem Zimmer. Damals hatte man wohl keinen Anstand!
In der Küche hantierte Friedhelm bereits mit einem Stück Fleisch herum. Martin befand sich am Kessel und starrte durch die Gegend. Hinter ihm befand sich ein kleines Fass.
"Martin?"
Der Schwarzhaarige blickte auf. "Mh?"
"Der Alkohol."
"Achso." Er gähnte herzhaft und strich sich mit der Rechten durch das verstrubbelte Haar. "Schon erledigt.", meinte er nur und stackste aus dem Raum. Ein Schleier von Wein umhüllte ihn.
"Was ist denn mit dem los?", wollte Isabelle wissen und stellte sich neben Friedhelm. Ihr war übel vom Hunger und ihr Rücken tat noch immer weh.
"Der hat gestern zu tief ins Glas geguckt.", erklärte er belustigt und reichte ihr das Brotstück, das neben ihm auf dem Tisch lag. "Du hättest ihn sehen sollen als er volltrunken und singend in der Kammer getanzt hat. Das alle nur, weil er ein bisschen mehr Lohn bekommen hat."
Doch anstatt zu lachen, würde Isa traurig.
Ihr Vater hatte ebenfalls gefeiert als er befördert wurde. Die ganze Nacht war er wach gewesen und hatte mit seinen Freunden jede Bar unsicher gemacht. Mit diesem Geld hatten sie sich endlich eine neue Wohnung leisten können und Isabelle konnte Tanzunterricht bekommen. Wie dankbar war sie doch gewesen.
Doch jetzt war es nur eine Erinnerung. Sie musste sich damit abfinden, dass sie womöglich den Rest ihres Lebens hier verbringen musste. Altern würde sie hier, arbeiten würde sie hier und auch sterben.
Plötzlich wurde sie an der Wange berührt.
Irritiert sah sie auf und blickte in Friedhelms Gesicht. Er wirkte nervös und entschlossen zugleich.
"Isa.", begann er und beugte sich zu ihr hinab.
Obwohl sie wusste, was er vorhatte, konnte sie sich nicht bewegen. Ihre Augen klebten förmlich an seinen und ihre Beine schienen aus Beton zu sein.
Dann, nach schierer Unendlichkeit, berührten seine Lippen die ihren.
Er schloss seine Lider und drückte sie enger an sich.
Isabelle fühlte, wie sein Herz raste, doch ihres blieb ganz ruhig.
Zu ruhig.
Das letzte, das sie spürte,
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Kommentare
eli schrieb am 2008-05-21 16:42:17:
bitte, schreib schnell weiter
es ist sehr gut geworden ....
ich vermute, dass isa vor erschöpfung umgekippt ist :-)
Cassandra-Amelia schrieb am 2008-05-21 15:04:33:
Sehr interessant. Wobei ich glaube das er nicht umbedingt der jenige sein wird für wen ihr Herz schlägt. Aber wie immer gut geschrieben und voller Spannung. Gut gemacht, weiter schreiben. LG Cass
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