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Kategorien > Alltag > Gesellschaft

Jeder ist ersetzbar

von chiomara

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nicht mehr die Schulbank drücken.
Fünf Minuten später: Endlich, endlich seine Station! Mit gemurmelten Entschuldigungen drückt er sich an den Menschen vorbei zur Tür, immer darauf bedacht nur keinem zu nahe zu kommen.

Okay, die City ist natürlich verstopft wie jede andere auch, denkt sich der Kleinbusfahrer, trotzdem keine Panik, er hat immer noch genug Zeit. Den Kaffe kann er sich ja auch nach der Lieferung besorgen, nicht schlimm. Wenn er doch jetzt nur die richtige Straße finden würde. Am besten sucht er sich eine Haltebucht oder ähnliches und schaut sich den Stadtplan noch einmal genau an. Mann! Was hat denn der verdammte LKW da vorne für ein Problem??! Der kann doch nicht Gas geben und dann wie der Teufel auf die Bremse latschen, so ein Idiot!

Am Eingang der U-Bahn ist eine große Menschentraube, Polizeiwagen stehen am Straßenrand, Qualmwolken. Oh, nein, er wusste es ja immer, so würde er eines Tages sterben, ein Terroristenanschlag! Gerade als er auf dem Absatz drehen will, arbeitet sich ein Polizist durch die Menge, erklärt mit lauter Stimme, dass Jugendliche einen Mülleimer in Brand gesetzt haben, der Weg zur U-Bahn ist frei. Noch einmal Glück gehabt, nun aber schnell. Er schiebt sich mit all den anderen die Treppe hinunter, drückt die Aktentasche mit wertvollem Inhalt fest an sich. Im Tunnel sieht er seine Bahn schon stehen. Warte noch, warte noch auf mich, er beginnt zu laufen, rempelt einen alten Mann mit Stock an, keine Zeit für Entschuldigungen. Gerade als die Türen sich schließen, stürzt er in den Waggon, allerdings wird seine Tasche eingeklemmt. Er rüttelt und zerrt, schafft es schließlich das gute Stück zu befreien, blickt sich dann um. Na klar, wieder kein Sitzplatz. Er beschließt gleich an der Tür stehen zu bleiben, damit ist der Weg nach draußen gewährleistet.
An der nächsten Station steigen ein paar gruselige Typen mit zerfetzten Jeansjacken, Springerstiefeln und Nieten an den kaputten Hosen ein, musste ja so kommen. Unsanft stoßen sie ihn zur Seite, stellen sich dann laut grölend neben eine ältere Dame mit seltsamer Brille, die die Kerle ängstlich von untern herauf anblickt. Er versucht die Szene zu ignorieren, schaut in die andere Richtung, besser so. Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen. Die drei Affen haben bestimmt lange gelebt.
Die Kerle beginnen nun damit, sich rumzuschubsen, stoßen gegen andere Fahrgäste, lachen laut. Er drückt sich ganz tief in seine Ecke. Die U-Bahn hält wieder und wie aus dem Nichts erscheint ein junger Mann. Dieser reißt der alten Frau, die immer noch die Kerle im Blick hält, die Tasche aus der Hand und stürzt an ihm vorbei durch die geöffneten Türen.
Die Frau schreit laut: „Hilfe, Diebstahl, Diebstahl!“ Er beeilt sich auszusteigen, das ist seine Station. Mit ein wenig schlechtem Gewissen, doch was hätte er denn tun sollen?, verlässt er eilig die U-Bahn, endlich wieder Tageslicht! Blick auf die Uhr, mit etwas Glück bekommt er noch den zweiten Bus, geschafft. An der Haltestelle stellt er enttäuscht fest, dass der verfluchte Bus, dieser war pünktlich, schon weg ist.
Nach kurzem Abwägen entschließt er sich die letzten zwei Kilometer zu Fuß zu gehen. Nach einigen Metern biegt er in eine Nebenstraße ein, Abkürzung! Es wird immer wärmer. Schweißtropfen bilden sich auf seiner Stirn. Ein Rettungswagen mit Blaulicht und dröhnendem Tatütata saust an ihm vorbei. Was ist denn da vorne los? Oh, nein, die Baustelle, die hatte er ja ganz vergessen. Dazu ist auch noch die ganze Straße gesperrt.
Schnell geht er näher, vielleicht kommt er ja noch durch. Der Rettungswagen hält vor einem großen Lastwagen, der mitten auf der schmalen Straße steht, alles blockiert. Offensichtlich hat sich die Ladung selbständig gemacht, überall liegen dicke graue Rohre herum. Ein Arbeiter ist eingeklemmt. Es hätte ihn nicht gewundert, wenn er dieser Mann gewesen wäre, denn so könnte sein Tod durchaus aussehen. Durch eine der unzähligen Baustellen in der Stadt, obwohl ja eigentlich niemand mehr Geld hat.
Er nähert sich und ein Arbeiter kommt auf ihn zu, baut sich vor ihm auf und meint, dass hier jetzt überhaupt nichts mehr geht, er soll umkehren. Der verletzte Mann schreit kurz und ziemlich schrill auf. Unmöglich, meint er flehentlich, er muss doch seinen Bus bekommen, gibt es denn gar keine Möglichkeit, da vorne ist doch eine Lücke??! Aber der muskulöse Arbeiter im Unterhemdlook kennt keine Gnade, schiebt ihn unsanft ein wenig nach hinten. Der Eingeklemmte schreit wieder, nun ziemlich kläglich. Der Arbeiter zuckt zusammen, blickt hinter sich, und er nutzt die Gunst der Sekunde, saust an dem anderen vorbei. Vorbei an den Sanitätern, an dem Verletzten, kurzer Blick, viel Blut, im Zickzack vorbei an den Rohren, über eines muss er sogar klettern. Geschafft. Nach der nächsten Ecke gestattet er sich wieder zu gehen, mehr lässt die Lunge sowieso nicht zu. Er nimmt sich vor, bei Gelegenheit die Einladung von seinem Kollegen für das neue Fitnessstudio anzunehmen.

Der Fahrer des Kleinbusses ist nach einiger Irrfahrt, hat eine Menge Zeit gekostet, endlich auf dem richtigen Weg. An einer von bestimmt tausend roten Ampeln, die sind wirklich immer rot!, zündet er sich eine Zigarette an, inhaliert tief, blickt noch einmal auf den Stadtplan. Zu lange, denn es ist wieder grün und hinter ihm beginnt ein wildes Hupkonzert, niemand hat Zeit, Zeit ist Geld. Schnell, ein wenig schuldbewusst, ein wenig ärgerlich, legt er den ersten Gang ein und fährt los, es ist zum Glück nicht mehr weit.

Gegen besseren Wissens nimmt er wieder den Weg durch eine Seitenstraße, hier sind um diese Tageszeit viele Penner. Meistens sind die harmlos, aber man weiß ja nie, außerdem wollen die seine hartverdiente Kohle, er beschleunigt wieder seinen Schritt, blickt stur geradeaus. Dann bleibt ihm vor Schreck fast das Herz stehen, brutal wird er von hinten gestoßen, Überfall! Das musste ja eines Tages so kommen. Er fällt unsanft auf die Knie, zittert ein wenig. Der Fahrradkurier fällt auch, zittert nicht, blickt ihn zornig an, schimpft, dass er doch geklingelt habe, warum ist er denn nicht auf die Seite gegangen, schließlich ist Zeit doch Geld. Dann springt der junge Mann, vermutlich ein Student, wieder auf die Füße, kontrolliert besorgt das Fahrrad, alles okay, er steigt auf und fährt ohne sich noch einmal umzusehen davon.
Mühsam rappelt auch er sich hoch, ist erleichtert und auch wütend auf diesen unverschämten Kerl. Er klopft sich den Schmutz von der teuren Hose und zündet sich auf den Schrecken eine Zigarette an, geht, mit erneutem Blick auf die Uhr, weiter. Einer der Penner grinst ihn im Vorbeigehen frech an. Er presst seine Aktentasche fest an sich.
Als er an der Bank vorbei kommt, stockt ihm vor Schreck der Atem. Ein maskierter Mann, ganz in schwarzem Leder gekleidet, kommt aus den Flügeltüren auf ihn zu. Ein Banküberfall, nun wird er wohl noch als Geisel genommen oder der Mann wird ihn einfach erschießen, so soll er nun also sterben, irgendwie war ihm das schon

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Kommentare

:-) schrieb am 2010-02-12 22:01:00:
wow
oliverherr@aol.com schrieb am 2010-02-12 08:07:59:
Hey ich finde deine Geschichte wirklich gut, genau nach sowas habe ich gesucht, hat mich irgendwie an jemanden erinnert.....Vielen Dank
Ein-guter-Tipp schrieb am 2010-02-07 21:06:28:
Hallo, daß hat zwar nichts mit der Geschichte zu tun, aber ich muß hier mal was loswerden:
Nervt das euch nicht auch, wenn man in den Suchmaschinen nur Angaben findet,
die man nicht gebrauchen kann? Wenn man ein Suchwort eingibt, werden meistens
auf den forderen Plätzen nur irgendwelche Müllseiten angezeigt.
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