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Kategorien > Drama > Einsamkeit+Liebe

Jeff

von Simon Höving

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Jeff

Aufstehen. Duschen. Frühstücke. Arbeit im Lagerhaus, zurück nach Hause. Abendprogramm im Fernsehen. Abendessen. Schlafen gehen. Jeff hatte all das satt, jeden Tag dass gleiche. Im Lagerhaus musste er immer dasselbe machen, Kisten aus Lkws ausladen und mich seinem Gabelstapler wegbringen. Dann lehre Kisten in den LKW einladen. Jeden Tag das gleiche von 9 Uhr morgens bis 7 Uhr Abends. Er hatte all das so satt. Er fühlte sich wie in einer lehren Hülle ein bisschen wie in einem falschen Leben.
Außer an Wochenenden und in den wenigen Wochen in denen er sich frei nehmen und nach Hamburg fahren konnte. Nach Hamburg. Zu Jessica. Der einzigen Frau die er jemals richtig geliebt hatte. Seine Wohnung hier in einem Vorort von München war lehr und kalt, was auch daran lag das er kein Auto besaß und die Zugfahrt nach Hamburg sehr teuer war. Heute war Freitag. Endlich. Aber heute war ein besonderer Freitag. Er hatte seinen Job und seine Wohnung gekündigt. Er wollte seine Leben hier in dieser kalten Wohnung beenden.
Sich einen Job vorerst einen kleinen Job in Hamburg suchen. Er wollte Jessica heute in ein Restaurant einladen. Vielleicht sogar ins Ritz. Den Abend mit ihr schön ausklingen lassen und ihr einen Heiratsantrag machen. Nach 6 Jahren. Endlich. Er hielt es für angemessen den Schritt zu wagen.
Jeff hatte am Donnerstag bereits seine wichtigsten Sachen in einen Koffer gepackt. Er war überrascht, dass alles worauf sein Leben aufbaute in einen Koffer passte. Lächerlich. Er bestellte sich ein Taxi welches ihn um 3 am Lagerhaus abholte ihn zur Wohnung brachte, Wo er seinen Koffer in den viel zu großen Kofferraum lud. In diesem Verhältnis war es noch lächerlicher. Andere Leute luden Sachen in diesem Kofferraum die sie in 2 Stunden eingekauft hatten. Er lud sein ganzes Leben hier hinein und es war immer noch so unglaublich viel Platz.
Er hatte natürlich schon mit Jessica übers zusammen ziehen geredet. Sie wollte es auch, aber sie hat nie einen Zeitpunkt genannt. Aber über eines waren sich beide immer einig gewesen. Wenn sie zusammen ziehen würden dann zu Jessica in die viel größere Wohnung zu ihrem viel besseren Job. Über das Heiraten hatte er mit ihr auch geredet, sogar über Kinder. Aber bis jetzt hatten sie ihren Job bei der Versicherung nicht aufgeben wollen. Sie war schon so weit gekommen.
Die Zugfahrt war so langweilig. Jeff hatte den Koffer neben sich auf den Sitz gehievt. Er selbst zählte wieder einmal die Laternen am Rand der Schienen. 184, dann umsteigen ,78 dann wieder umsteigen. 17 und dann noch mal 121, dann war er endlich da. Er winkte eines der vielen wartenden Taxis heran. Um nicht noch einmal von der Tatsache überwältigt zu werden, dass er so wenig sein Leben nannte, stellte er den Koffer auf die Rückbank des Taxis. Nach 10 Minuten war er da, er schaute auf die Uhr 7:16 er war genau im Zeitplan.
Er hievte seinen Koffer von der Rückbank und klingelte an der Tür des Mehrfamilien Hauses. Er wusste nicht warum er jedes Mal klingelte. Obwohl er doch einen Schlüssel besaß. Vielleicht weil es ihm unangenehm war wenn sie unter der Dusche stand und nicht wusste dass er im Wohnzimmer saß und wartete.
Er schaute erneute auf die Uhr 7:18. 2 Minuten wartete er schon. Er beschloss heute einmal seinen Schlüssel zu benutzen. Heute sollte sich alles ändern. Warum nicht auch das. Seinen Koffer ließ Jeff im Hausflur stehen. Er reif einmal. Zweimal. Dreimal.
Jessica antwortete nicht. Es war seltsam. Nicht nur das Jessica nicht antwortete, sondern auch das die Wohnung leerer schien als sonst. Keine Gemeinsame Fotos mehr, keine Andenken mehr oder Souvenirs. Er betrat das Wohnzimmer.
Hier war es noch schlimmer. Nur der kleine Couchtisch mit den vielen Kreisrunden Wasserflecken die Saftgläser überall hinterlassen hatten und über die Jessica sich so aufregte. In der Mitte des Tisches lag ein fein säuberlich gefaltetes Papier. Eng beschrieben mit Jessicas überaus ordentlicher Handschriften.

Lieber Jeff
Ich wünschte ich könnte ein Gespräch mit dir führen aber wenn ich dir in
dieser Situation gegenüber treten würde, würde ich in Tränen
zusammenbrechen und schwach werden.

Was meinte sie. Bis jetzt hatten sie noch immer über alles reden können.

Du erinnerst dich bestimmt an Chris meinen Arbeitskollegen. Der
mich morgens immer von zuhause abgeholt hat und dann mit mir
zur arbeit gefahren ist.

Ja und ob er sich erinnerte. Dieser Durchtrainierte braungebrannte Traum von einem Mann. Jeff war of neidisch auf ihn gewesen. Er hatte Jessica so oft gebeten nicht mit ihm zu fahren. Sondern mit dem Bus oder irgendwie anders, Hauptsache nicht mit Chris. Doch Jessica hat ihm immer wieder versichert das da nicht mehr sei. Jeff hatte ihr geglaubt.

Es stimmt was du über ihn gesagt hast. Er ist so… er ist so anders
als du. Ich habe mich bei ihm so anders gefühlt. Es ist nicht deine
Schuld. Es begann damals als meine Mutter starb.

Oh nein . Nicht deswegen. Es war ca. ein halbes Jahr her. Der Krebs der schon vor einigen Jahren bei ihrer Mutter diagnostiziert worden war meldete sich damals stärker denn je zurück. Jeff hatte in dieser Zeit wieder einmal viel Stress mit seinem Chef gehabt und konnte deshalb nicht bei Jessica sein.

Ich bin sicher du weißt ganz genau wovon ich rede. Ich brauchte in dieser
Zeit unbedingt jemand zum reden. Ich weiß wie gerne du bei mir
gewesen wärst. Aber John war da. Und führte mich immer wieder zum Essen
aus. Und irgendwann nach dem 4. oder 5. lud er mich zum Kaffe ein, zu sich nach
Hause Ich bin mir sicher du kannst dir vorstellen was dann passierte.

Jeff war mittlerweile in der Ecke des leeren Wohnzimmer zusammen gesackt. Das Papier lag nicht mehr mit einer unglaublich Genauigkeit gefaltet sondern in einer Mischung aus Wut und Trauer zusammen geknüllt wieder auf dem Couchtisch. Die Beine hatte er ausgestreckt weil es sich wunderbar anfühlt wie das kalte Packet seinen kochend heißen Körper abkühlte.
Tränen liefen auf sein schweißnasses Hemd. Es stand noch mehr da auf dem Zettel. Aber er wusste was dort stehen würde. In diesem Teil würde Jessica versuchen es zu erklären. Versuchen ihn zu trösten. Und sagen: Sie hatte versucht es zu verhindern.
Er versuchte an etwas anderes zu denken.
Plötzlich fiel ihm ein was sich für ihn heute alles geändert hatte. Er hatte keinen Job, keine Wohnung und keine Freundin mehr. Gehofft hatte er das er für die Zeit in der er noch keinen Job hatte bei Jessica unter kommen würde. Sie verdiente genug um ihn für diese zeit auch noch mit durch zu füttern. Ab jetzt hatte er gerade genug Geld um 5-6 Tage durchzukommen, wobei er das Geld für eine Wohnung oder ein Hotel noch nicht abgezogen hatte. Heute Nacht könnte er noch hier

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