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Kategorien > Besinnliches > zum Nachdenken

Jens und Marianne Der Beginn

von Nacht

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Marianne und Jens sitzen zusammen im Wohnzimmer. Marianne denkt bei sich: "Schon zwei Jahre sind ins Land gezogen, daß ich Lisa nicht gesehen habe. Was wird sie wohl tun im Moment. Hoffentlich geht es ihr gut." Sie steht auf, atmet tief durch, und läuft im Zimmer umher. Sie wirkt völlig von der Rolle.
Jens nimmt sie an die Hand, und sagt: "Bestimmt geht es ihr gut, und eines Tages steht sie vor dir." Marianne dreht sich zu Jens hin, nimmt ihn in den Arm, und sagt: "Hoffentlich behällst du Recht, und sie ist unversehrt und glücklich."

Dann geht sie zum Spiegel, und schaut hinein. Doch soviel sie auch umher schaut, Lisa ist nicht zu sehen.
Jens sieht sie an, und fragt: "Wann bist du eigentlich gestorben?" Marianne sieht ihn an, und erwidert: "Am neunten Dezember achzehnhundertfünfundsechzig. Und zwei Tage danach setzten sie mich auf einen alten Friedhof bei." Ein sehr kalter, aber schöner Wintertag. Aufgebahrt liege ich in der Halle. Alle bekannten erscheinen nach und nach, dann beginnt mein letztere Weg."

Nach diesen Worten verstummt Marianne plötzlich. Dann schaut sie in Gedanken in die Ferne. Jens erkennt ihre Traurigkeit, dann sagt er: "Willst du mir nicht sagen, was dich bedrückt? Was geschah zwischen Lisa und dir? Und warum redet ihr nicht darüber?"
"Das ist nicht so einfach. Es steckt mehr dahinter, als du ahnen kannst."
Aber Jens läßt nicht locker, und bohrt nach.
"Was war mit Lisa an deinem Grab?"
Marianne beginnt zu zittern, und erwidert: "Alle sind schon gegangen. Nur Lisa steht alleine an der offenen Gruft. Die Arbeiter warten, und wollen die Gruft schließen. Doch Lisa schaut sie an, und bittet um eine Minute. Wortlos treten sie ein paar Schritte zurück.

Dann beginnt sie hemmungslos zu weinen. Sie beruhigt sich nur langsam. Dann sagt sie mit fester Stimme: "Liebste Freundin. Es tut mir leid was dir durch mein Verschulden widerfahren ist. Aber bald bin ich bei dir, und kann mich bei dir entschuldigen."

Nach diesen Worten sieht Marianne Jens an, und sagt: "Nun weißt du was ich meine."
"Aber warum glaubt Lisa, an deinem Tod Schuld zu sein? Und was hat sie dir angetan?"
"Nichts. Als Kinder waren wir sehr verschieden. Ihre Eltern reich, leben in einem großem Haus am Rande der Stadt. Ich lebe mit meiner Mutter alleine. Wir besitzen nur eine kleine Zweizimmer Wohnung. Mein Vater war früh verstorben. Lisa trägt die neueste Mode. Ich dagegen was meine Mutter geschenkt bekommt. Aber nun zu unserer Geschichte in Kurzform.

An einem Montag Morgen im September gehe ich die Straße entlang zur Schule. Es steht der erste Schultag an. An einer Ecke steht ein Mädchen. Sie schaut, und lächelt mich an. Dann sagt sie zu mir: "Gehst du auch zur Schule? Dann können wir ja zusammen gehen"
Dabei schaut sie mich mit neugierigen Augen an.
Wie von Geisterhand geführt, gehe ich zu ihr hin, und bleibe zwei Schritte vor ihr stehen. Dann reicht sie mir die Hand, und sagt: "Hallo. Mein Name ist Lisa. Und dein Name?" Erwartungsvoll mustert sie mich.
Ich nahm ihre Hand entgegen, und erwidere: "Mein Name ist Marianne."
Hand in Hand gehen wir zusammen zur Schule. Setzen uns in eine Bank, und halte von da an zusammen wie Pech und Schwefel.

Einmal will mich ein Junge verhauen. Er rennt auf mich zu. Da steht auch schon Lisa bereit. Sie baut sich schützend vor mir, sowie drohend vor dem Jungen auf, und wirft ihn entgegen: "Versuche es nur! Aber dann mußt du uns Beide verhauen, und das gelingt dir Bohnenstange nicht.!"
Der Junge zuckte mit den Schultern, und zieht unverichteter Dinge ab.

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