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von Hildegard Grygierek

Werbung ist „in“

Für die von mir zweckmäßig vorgenommene Umfunktionierung des Arbeitszimmers in ein Werbe-Büro, brachte mein Ehemann weniger Verständnis auf als ich eigentlich von ihm erwartete. So betrachtete er die Belagerung des Schreibtisches mit Spickzetteln meiner originellsten Werbesprüche, Aktenordnern und andere wichtige Dinge, welche für eine angehende Werbefachfrau nun mal unerlässlich sind nicht nur kritisch, sondern eher abfällig. Seine anzügliche Bemerkung, der Bildschirm des Computers bestünde aus einem einzigen Blickfang mit dummen Werbesprüchen, ließ ich tapfer über mich ergehen. Dass die Speicherung der Datei von diesem Mist schon überquellen würde und ich damit die reinste Sachbeschädigung an seinen, über alles geliebten Computer begangen hätte, ignorierte ich allenfalls. So prallte auch der Vorwurf, mit noch leeren Aktenordnern, Zeichenblöcken, Filzstiften und allem möglichen Krimskrams seinen Schreibtisch belagert zu haben an mir ab. Seiner Empörung Ausdruck verleihend, wollte Georg letztendlich von mir erfahren, ob ich vielleicht einen Koller bekommen hätte oder mein unmögliches Verhalten, diese berühmte Selbstverwirklichungsphase erklärt. Selbstbewusst bedankte ich mich für sein Interesse und stellte ihm im Zusammenhang mit dem Schreibtisch liebend gern für einige Zeit meinen Bügeltisch zur Verfügung, wobei mir zu seinem überaus hilflosen Gesichtsausdruck die absolut innovativste Cola Werbung des Jahrhunderts einfiel. Von naturellem Talent sowie einer großen Karriere in der Werbebranche überzeugt, packte ich meine prickelnden Ideen in einen DIN A 4 Umschlag und ließ sie noch am gleichen Tag der Coca-Cola Werbeagentur in Essen zukommen. Ebenfalls sollte das große Warenhaus KARSTADT mein verborgenes Talent zu spüren bekommen, indem ich der Marketing-Abteilung versprach, durch meine Vorschläge einer modernern Briefkopfneugestaltung zu gigantischem Umsatz und noch besseren Ruf zu verhelfen. Ein zuvor von der Fa. Karstadt an mich adressierter Fragebogen über die Serviceleistungen der verschiedenen Abteilungen, ausgestattet mit dem langweiligsten Briefkopf den ich je zuvor gesehen hatte, war Auslöser dieser Aktion. Gleichzeitig löste er auch damit einen in mir verschlungenen und im Unterbewusstsein festsitzenden Kreativitätsknoten, was mich losgelöst nicht davon abhielt, den beigefügten portofreien Antwort-Umschlag mit mindestens zwanzig vielversprechenden Logos und Zeichnungen zurück zuschicken.
Durch die Wahrnehmung stümperhafter Werbesprüche der Firma Media im Radio war mir sofort klar, dass auch hier kein Weg daran vorbeiführt, die verhungernde Werbeabteilung dieser bedeutenden Firma mit meinen Super –Slogans zu versorgen. Seitenweise selbstkreierte Sprüche und Witzchen jagte ich mit einem ungeahnten Gefühl der Genugtuung durch das eigens für solche Zwecke erworbene Faxgerät in Richtung Werbebüro des Media-Riesen.
Während der Werbepausen die ich mir zwischendurch gönnte, um über weitere zündende Ideen nachzudenken, leistete ich durch professionelle Anschreiben an die verschiedensten Werbeagenturen ernsthafte Überzeugungsarbeit. Hinsichtlich meiner Begabung als Werbefachfrau scheute ich weder Zurückhaltung noch Mühe, den Herren Werbefachleuten mein in mir schlummerndes Talent nahe zu bringen.
Leider fanden die schwer beschäftigten Agenturmitarbeiter bis heute noch keine Gelegenheit auf das, durch meine Sprüche geweckte Interesse zu antworten. Tatkräftig nutze ich derweil die Zeit, Werbemaßnahmen in den eigenen Reihen auszuarbeiten und erfolgreich

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