Jon Doe
von
Michael Behofsics
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Das Entsetzen über das was er gerade getan hat ließ ihn nicht mehr los.
Wie hat er so etwas nur fertiggebracht?
Der Mann der seinen Namen nicht kannte.
Er stürzte zur Tür hinaus auf den kleinen schlecht beleuchteten Flur des Wohnhauses.
Er hatte Panik, wusste nicht was er tun sollte.
Er lief, keuchte, preschte zum Aufzug um mit Entsetzen festzustellen das er außer Betrieb war. Ein verzweifelter schlag gegen die Aufzugtür half ihm auch nicht weiter.
Ohne lange zu überlegen rannte er zur Treppe, stolperte die ersten paar Stufen hinunter, und sprang die letzten.
Der Mann der seinen Namen nicht kannte rannte, rannte weiter die stufen, voller Panik, voller Entsetzen, hinunter.
Er rannte bis ihm die Füße brannten, jeder Muskel in seinem Körper schmerzte.
Wie konnte er es tun? Und WAS hatte er eigentlich getan?!
Kurz vor dem Ausgang, am letzten Treppenabsatz versagten seine Beine.
Er polterte die Treppe hinunter und lag dann keuchend und heulend vor Panik vor dem Ausgang.
Der Mann der seinen Namen nicht kannte rappelte sich unbeholfen auf.
Zitternd und auf wackeligen Beinen stolperte er durch die Tür, und da draußen sah er ihn liegen. Aufgeplatzt und blutig am Straßenrand, umgeben von Schaulustigen.
Das Gemurmel und die erschrockenen Aufrufe hallten immer wieder in seinem Kopf.
Er schleppte sich zu dem Leichnam und drehte ihn auf den Rücken. Sein Herz schlug so schnell dass er das Gefühl hatte, es würde jeden Moment explodieren. Bilder schossen ihm durch den Kopf während der wenigen Augenblicke, in denen das Gesicht des toten Körpers sich dem seinen zuwandte. Bilder von zerfetzter Haut und eingeschlagenen Zähnen, von geplatzten Augäpfeln und von verwesenden Körpern. Von toten Hunden und blauen Babies. Wie Blitze zuckten sie vor seinem inneren Auge. Diese Bilder trieben ihm Tränen in die Augen. Als der Mann der seinen Namen nicht kannte, nennen wir ihn der Einfachheit halber Jon Doe, den Körper umgedreht hatte, wurde ihm schlagartig übel. Menschliche Züge waren kaum noch zu erkennen. Auch die umstehenden Schaulustigen wichen ein paar Schritte zurück beim Anblick des entstellten Leichnams. Jon Doe sah an sich herab, sein Blick blieb an seinen blutverschmierten Händen haften. Adrenalin schoss ihm durch den Körper und ließ ihn erbeben. Scheinbar eine Ewigkeit verfolgte er, wie ihm das Blut von den Fingern über die Hand floß, sich an den Handgelenken sammelte und in großen, schimmernden Tropfen den heißen Asphalt befleckte. Aus der Ferne waren Sirenen zu vernehmen. Das typische an – und abschwellende Geräusch von Recht und Ordnung wurde immer lauter, bis es neben Jon, in form eines Polizeiwagens, zum erliegen kam. Niemand wusste was geschehen war. Ein Uniformierter Mann ließ sich neben Jon auf die Knie nieder, und fragte immer wieder nach seinem Namen, und ob er den Mann kannte der vor ihm lag. Aufgeplatzt wie eine Tomate. Der Gesetzeshüter bekam keine Antwort. Jon Doe starrte vor sich hin, und lauschte in sich hinein. Er suchte nach Gefühlen, nach Gefühlen die vermutlich nicht da waren, nach Trauer, oder Schuld. Diese Suche verlief ebenso erfolglos wie der Versuch, das was passiert war einzuordnen oder zu verstehen. Alles passierte so schnell. Jon wusste nicht einmal mehr was passiert war. Sein Kopf war plötzlich leer. Leer bis auf die zusammenhanglosen Bilder, die ständig hinter seiner Augen aufblitzten.
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Kommentare
Patrick N. Winters schrieb am 2007-06-25 08:33:28:
Endlich was zu lesen von dem du erzaehlt hast,...
Fesselnd,...
Hoffe da kommt noch was,...
Meld dich mal per Mail wieder,...
b.
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