Geschichte einsenden Links & Rings AGBs Impressum
Kategorieauswahl
Wir freuen uns über jeden Autor, der hier auf Storyparadies.de seine Geschichten veröffentlichen möchte.Da jeder Autor Feedback braucht, sind Kommentare, solange es sich um konstruktive Kritik handelt, möglich und auch ausdrücklich erwünscht. Bitte verwenden Sie zur Einsendung der Geschichten und Kommentare unser Formular und beachten Sie dabei unsere Regeln.
Suche


Kategorien > Humor > Begegnungen

Jugendsünden

von Phantom

1 2 3

wollte. Tina (oder Ina?) beginnt daraufhin wild mit ihrem Freund herumzuknutschen, Tim Tanner und Gisela (mit der er bisher noch nie etwas gehabt hat) gesellen sich dazu und reißen sich völlig enthemmt gegenseitig die Klamotten vom Leib. Angefeuert durch Roman, bieten die Akteure schließlich eine Porno-Performance reinsten Wassers. Carsten, der Kreuzbrave, versucht seine Freunde zunächst von ihrem Treiben abzuhalten, doch Tina (Ina?) zerrt ihn zu sich auf den Fußboden und macht sich an seinem Gürtel zu schaffen.
Tim, der bereits in jungen Jahren Wert darauf legt, im Mittelpunkt zu stehen, versucht sich durch einige besonders bizarre Darbietungen hervorzutun. Splitternackt baut er sich vor den anderen auf und präsentiert die abenteuerlichsten Kunststückchen. Roman lässt vor Lachen beinahe die Kamera fallen.
Der Morgen danach beschert der Rattentruppe nicht nur einen heftigen Kater, sondern auch ein unangenehmes Gefühl kollektiver Verlegenheit. Schließlich fragt Gisela vorsichtig, ob die Ereignisse der letzten Nacht wirklich allesamt auf Film gebannt wurden. Carsten grinst und hebt zur Entwarnung die Hand. „Ich habe die Aufnahmen bereits vernichtet, euer Einverständnis voraussetzend. Ehe der Streifen noch in falsche Hände gerät.“
Niemand protestiert.

Es gab nicht viel, was Tanner in seinem exzessiven Leben peinlich gewesen wäre. Aber dieser kleine Schmuddelfilm aus seiner Münchner Zeit durfte auf keinen Fall jemals an die Öffentlichkeit gelangen.
Was aber, wenn Carsten den Streifen gar nicht vernichtet hatte? Wenn die Regie nur darauf wartete, die hochnotpeinlichen Szenen einzuspielen, in denen sich ein angehender Weltstar eindrucksvoll zum Affen machte?
„Meine Damen und Herren, gehe ich Recht in der Annahme, dass Sie Tim Tanner gerne einmal in einer seiner allerersten Rollen erleben würden?“ fragte Winter mit einer aufmunternden Geste. Das Publikum antwortete mit zustimmendem Applaus. Tanner spürte brennende Wut in sich aufsteigen.
Würden es diese Hunde tatsächlich wagen?
Während einer Live-Sendung?
Vor Millionen von Zuschauern?
Völlig ausgeschlossen!
Andererseits - wenn man nun alle nicht jugendfreien Bildausschnitte digital unkenntlich machte? Hatte man nicht kürzlich sogar im ZDF alte Pornoaufnahmen einer mittlerweile etablierten Schauspielerin auf diese Weise ausgestrahlt?
Tanners Hände ballten sich zu Fäusten.
Winter schaute seinen ehemaligen Weggefährten direkt an. In seinem Blick lag grimmige Entschlossenheit.
Diese Ratte!
Winters Stimme war kaum mehr als ein verschwörerisches Flüstern, als er seine Ansprache fortsetzte. „Ich hoffe, liebe Gäste, Sie sind nicht allzu schockiert über die Bilder, die wir Ihnen jetzt zeigen. Tim Tanners erste Rolle war eine Nacktrolle. Aber sehen Sie selbst.“
„Nein!“ schrie Tanner. Nichts hielt ihn mehr auf seinem Sitz. Wie ein Derwisch stürmte mit hochrotem Kopf die Treppe zur Bühne hinauf. Ein irritiertes Raunen ging durch den Saal, als der Filmstar des Jahres in wüste Beschimpfungen ausbrach.
„Das könnt ihr mit mir nicht machen! Ihr Schweine! Carsten, ich polier dir die Fresse, du Drecksau, du mieses Arsch...“
Weiter kam er nicht. Auf der letzten Stufe stolperte er, verlor das Gleichgewicht und landete auf allen Vieren.
Winter stand wie eingefroren hinter dem Rednerpult, mit perfekt gespieltem Entsetzen, den Mund halb geöffnet. Kaum merklich funkelte in seinen Augen die Genugtuung.
Als Tanner sich aufrichten wollte, erkannte er sich selbst auf der Großbildwand.
Splitterfasernackt.
Ein kleiner, niedlicher Junge, höchstens drei Jahre alt, der in einer blassgelben Plastikwanne stand und schüchtern in die Kamera winkte, die sein stolzer Vater auf ihn richtete. Seine Mutter hockte lächelnd hinter der Wanne und rieb liebevoll Shampoo in sein feuerrotes Haar.

1 2 3

Kommentare

Phantom schrieb am 2006-10-27 14:02:19:
Hi Coils, vielen Dank für deinen Kommentar. Werde mich in den kommenden Tagen auf jeden Fall mal mit deinen Geschichten befassen. Bis dahin.
Coils schrieb am 2006-10-23 15:34:23:
Das ist eine perfekte Rache - sollte ich für mich auch mal überlegen - wenn Du mal einen Abstecher zu meinen Geschichtchen machst, verstehst Du was ich meine ;-)

Kommentar hinzufügen



Aufgrund des extremen Mißbrauchs der Kommentarfunktion sind wir leider gezwungen, die Kommentare ab sofort redaktionell zu überprüfen. Wir bitten um Ihr Verständnis.